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Niedersachsen Schock für Osnabrück: Karmann meldet Insolvenz an
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Schock für Osnabrück: Karmann meldet Insolvenz an
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22:04 08.04.2009
Von Stefan Winter
Karmann droht die Zahlungsunfähigkeit. Quelle: Kai-Uwe Knoth/ddp
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Jetzt soll der Frankfurter Insolvenzverwalter Ottmar Hermann Geldgeber für das traditionsreiche Familienunternehmen suchen und so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten. Nach Angaben des Betriebsrats sind 3470 Mitarbeiter betroffen.

Karmann steckte schon lange in Schwierigkeiten, weil neue Aufträge für die Fahrzeugproduktion fehlen. Der Cabriospezialist hatte in mehreren Wellen Personal abgebaut und bereits das Ende des Autobaus beschlossen, den noch 1300 Mitarbeitern dort wurde gekündigt. Man will sich auf Entwicklungsdienstleistungen und den Bau von Cabriodächern mit weniger als 2000 Mitarbeitern beschränken. Mit diesen Bereichen sei das Unternehmen „im Kern sanierungsfähig“, sagte ein Sprecher.

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Niedersachsens Landesregierung erneuerte ihre Hilfsangebote. Es sei „ein enttäuschender Tag für Karmann und ein besonders bitterer Tag für die vielen hoch qualifizierten Beschäftigten“, sagte Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Das Insolvenzverfahren biete „vielleicht die Chance“, Teile des Unternehmens fortzuführen.

Der Osnabrücker SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Schwanholz sagte, es komme vor allem darauf an, genug Insolvenzmasse für einen vernünftigen Sozialplan zusammenzubekommen. Sicher sei das angesichts der komplizierten Firmenstruktur nicht. Das Know-how müsse gesichert werden, denn in einigen Jahren werde es die Autoindustrie wieder brauchen. Sein Parteikollege Bernd Lange warf der Landesregierung Versagen vor. Sie habe „keine konkreten Schritte“ zur Lösung unternommen.

Nach Darstellung des Unternehmens erwies sich jetzt der Sozialplan für die entlassenen Mitarbeiter im Autobau als zu hohe Hürde. Weil der Umsatzrückgang in der Autokrise „alle Planungen sprengt“, habe das Geld für Abfindungen und Transfergesellschaft gefehlt: Angesichts dieser „bevorstehenden finanziellen Verpflichtungen“ drohe Zahlungsunfähigkeit. Hartmut Riemann, Vertreter der IG Metall im Aufsichtsrat, warf dagegen dem Unternehmen vor, keine Vorsorge getroffen zu haben. Die Gewerkschaft hatte schon früher von den Eigentümerfamilien einen finanziellen Beitrag gefordert. Das Argument, der Sozialplan habe die Insolvenz ausgelöst, sei eine „Unverschämtheit“.

Der Insolvenzverwalter dürfte nun versuchen, Käufer für das Unternehmen oder Teile davon zu finden. Das versuchen auch die Eigentümer seit Monaten. Es gebe Kontakte mit Interessenten, hieß es am Mittwoch, die Chancen seien in der Krise allerdings gering.