Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Niedersachsen Stadtwerke sehen in Atomausstieg große Chancen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Stadtwerke sehen in Atomausstieg große Chancen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:30 31.03.2011
Die regionalen Energieversorger wollen zukünftig verstärkt in erneuerabre Energien wie Windkraft investieren.
Die regionalen Energieversorger setzen zukünftig auf erneuerbare Energien wie Windkraft. Quelle: dpa (Symbolbild)
Anzeige

Die kommunalen Energieversorger sehen ihre Chancen durch einen schnelleren Atomausstieg wachsen. Sie könnten ihren Marktanteil an der Stromproduktion in Deutschland in den nächsten zehn Jahren im Zuge einer neuen Energiepolitik von derzeit knapp zehn auf 20 Prozent verdoppeln, erklärte Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Kommunalen Unternehmen (VKU) am Mittwoch in Berlin zu Sorgen vor einer Stromlücke.

Die vor einem Vierteljahr beschlossene Laufzeitverlängerung habe den Markt mit Atomstrom verstopft, erläuterte Reck. Ein Drittel der 900 Stadtwerke ist selbst als Energieerzeuger tätig, zwei Drittel beziehen ihren Strom von den vier großen Energieversorgungsunternehmen. Die kommunalen Kraftwerke repräsentieren eine Jahresleistung von 13.000 Megawatt. 5000 Megawatt mit einem Investitionsvolumen von 8 Milliarden Euro, so Reck, befänden sich in Planung.

„Die Städte und ihre Stadtwerke sind der geborene Partner für eine dezentrale Energieversorgung“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte-tages, Stephan Articus. Sie setzten auf Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbare Energien, hätten Einfluss auf die Energieversorgung großer Wohngebiete. Zudem seien kommunale Wohnungsgesellschaften der größte Immobilienanbieter.

Sie forderten gemeinsam mit dem Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg die Regierung auf, die Kommunen in die laufende Debatte über ein neues Energiekonzept rasch einzubeziehen. Es dürfe nicht wieder eine „Nacht-und-NebelAktion mit Geheimpapieren“ geben. Aufgabe der Politik sei es, die Bürger über die Kosten des erforderlichen Netzausbaus zu informieren und um Akzeptanz zu werben. Allein für die Modernisierung der Verteilnetze seien bis 2030 gut 25 Milliarden Euro fällig. In einer Steigerung der Energieeffizienz sehen die Kommunalvertreter den wesentlichen Hebel, ungewünschten Preiseffekten zu begegnen.

Reck forderte die Bundesregierung auf die Kompetenz des Ökoinstituts für die strategischen Überlegungen zu nutzen. Dessen Energieexperte Felix Matthes sei „einer der hellsten Köpfe“ auf diesem Gebiet. In einer nach dem Atomunfall in Japan erstellten Studie des Instituts rechnen die Forscher vor, dass alle 17 Atomkraftwerke mit einer Leistung von 20,5 Gigawatt noch in diesem Jahrzehnt vom Netz genommen werden könnten, ohne dass die Strompreise stärker als bisher schwanken würden.

Die Studie verweist auf aktuelle Reserven im Kraftwerkspark, Wiederanfahren von aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegten Kraftwerken, Abbau von seltenen Spitzenlastausschlägen (unter 50 Stunden im Jahr), Neubau von Kraftwerken und Ausbau erneuerbarer Energien.

Michael M. Grüter