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Niedersachsen Stahlkonzern Salzgitter bleibt vorsichtig
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Stahlkonzern Salzgitter bleibt vorsichtig
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19:08 25.04.2012
Quelle: dpa
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Hannover

Trotz guter Auftragslage bleibt Salzgitter bei seiner vorsichtigen Prognose für 2012. Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann begründete dies beim Kundentag des Stahl- und Röhrenkonzerns auf der Hannover Messe mit der Unsicherheit wegen der längst nicht ausgestandenen Schuldenkrise in Europa und mit dem schwachen ersten Quartal.

Der Start in das laufende Jahr sei schwierig gewesen, sagte Fuhrmann. Im Stahlgeschäft machten Salzgitter die Ende vergangenen Jahres gesunkenen Preise zu schaffen, zu denen die Aufträge für das erste Quartal vereinbart worden waren. Das schlug auf die Erlöse durch. Ein Verlust in den ersten drei Monaten sei deshalb „nicht ganz ausgeschlossen“, erklärte der Konzernchef.

Zudem litt die Röhrensparte noch bis ins erste Quartal hinein unter einer „erheblichen Beschäftigungslücke“, weil zum Jahresende ein Großauftrag „unterbrochen“ wurde, wie Fuhrmann sagte. Inzwischen habe man die Produktion für einen anderen Kunden aufgenommen. Dadurch habe sich die Lage wieder „normalisiert“.

Deshalb hält Deutschlands zweitgrößter Stahlproduzent an der Prognose fest, die der Konzern schon Anfang März aufgestellt hat: 2012 sollen ein „mindestens stabiler“ Umsatz und ein „positives Vorsteuerergebnis“ erzielt werden. Die guten Beiträge müssen laut Fuhrmann jetzt die nächsten Quartale bringen. Das laufende Vierteljahr werde auf jeden Fall besser als das zurückliegende.

Eine „ermutigende Entwicklung“ gebe es bei den Sorgenkindern Peiner Träger und der Technologiesparte mit dem Maschinenbauer KHS, der sein Geschäft mit Abfüll- und Verpackungsanlagen für die Getränke- und Ernährungsindustrie macht. Details nannte Fuhrmann nicht.

Zur Erlösverbesserung beitragen sollen unter anderem die Preiserhöhungen, die Salzgitter wegen der anziehenden Nachfrage seiner Kunden in den Stahl verarbeitenden Branchen für das zweite Quartal vorgenommen hat. Dabei dürfte es kaum bleiben: Stahlvorstand Johannes Nonn stimmte die Kunden schon einmal darauf ein, dass „wir im April noch nicht den höchsten Preis dieses Jahres gesehen haben“.

Seit November haben die Preise für Rohstoffe wie Erz und Kokskohle laut Fuhrmann schleichend wieder angezogen. Daher sprach der Konzernchef von einer weiteren möglichen Anhebung der Stahlpreise zum dritten Quartal.

Die derzeit solide Stahlkonjunktur jedenfalls könnte weitere Preiserhöhungen begünstigen. Wie zuvor schon Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, auf der Messe berichtet hatte, befinden sich die Bestellungen in der Auto- und Metallwarenbranche „in etwa auf dem hohen Niveau des Vorjahres“.

Das Bauhauptgewerbe sei derzeit besonders optimistisch, und im Maschinenbau zeigt die Tendenz laut Kerkhoff nach einer kleinen Delle wieder nach oben. Wie gut die Stahlhersteller derzeit beschäftigt sind, belegt die inzwischen auf über 90 Prozent gestiegene Auslastung der Kapazitäten.

Insgesamt erwartet der Branchenverband für 2012 eine Rohstahlproduktion in Deutschland von 44 Millionen Tonnen. Sie würde damit fast das Vorjahresniveau von 44,3 Millionen Tonnen erreichen.

Albrecht Scheuermann 28.04.2012
Susanne Iden 25.04.2012