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Niedersachsen Startschuss für Radikalumbau
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22:41 10.08.2009
Von Lars Ruzic
Das Bahlsen-Werk wird radikal umgebaut.
Das Bahlsen-Werk wird radikal umgebaut. Quelle: Oertel (Archiv)
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Den Beteiligten fiel es am Montag leicht, zu Superlativen zu greifen. Vom „größten Projekt, das dieses Unternehmen jemals in die Hand genommen hat“, berichtete Werner Michael Bahlsen. Barsinghausens Bürgermeister Walter Zieseniß sprach gar von einem „geschichtlichen Ereignis für die Stadt“. Angesichts der Grundsteinlegung für einen Werksumbau scheinen die großen Worte überdimensioniert.

Was Bahlsen am Montag an seinem größten Standort in die Wege geleitet hat, war allerdings nicht weniger als ein 40 Millionen Euro teurer Befreiungsschlag. „Wir müssen die Werksstruktur radikal verändern“, fasste es der Firmeninhaber zusammen. Die 52 Jahre alte Fabrik war ein Standort der langen Wege, der vielen Winkel und der veralteten Technik.

Das „Werk 3“ – Heimat des Leibnizkeks – war derart in die Jahre gekommen, dass selbst der traditionsbewusste Familienkonzern erwogen hatte, es komplett zu schließen und gegen einen neuen Standort auf der grünen Wiese auszutauschen. Lediglich Zugeständnisse der Belegschaft und der Politik machten das größte Investitionspaket der Bahlsen-Geschichte möglich. Fast 200 Stellen wurden gestrichen, ein 24-Stunden-Lieferverkehr ermöglicht. Das Werk muss nicht nur modernisiert werden – die Maschinen der neuesten Generation, für die Bahlsen allein gut die Hälfte der Investitionssumme ausgibt, passen in die verwinkelten Bauten gar nicht herein.

In dem Zusammenhang wird auch die Kapazität „verdichtet“, wie es Produktionschef Christoph Hollemann ausdrückte. Die Mengen der fünfziger Jahre würden heute schließlich nicht mehr verarbeitet. Zuletzt hatte Barsinghausen nur noch 40 000 Tonnen produziert, obwohl die Fabrik für 50 Prozent mehr ausgelegt war. Gleichzeitig habe die Produktion aber auch „Luft nach oben“. Der Konzern plant mehrere Neuheiten, die im Stammwerk vom Band rollen sollen.

Der prägnanteste Beweis für die Umbauten, die 2011 beendet sein sollen, ist jedoch das fehlende Wahrzeichen Barsinghausens: Von den beiden Bahlsen-Silotürmen ist einer bereits abgerissen, der zweite soll folgen. Sie müssen modernen Edelstahltanks weichen, die in der Lebensmittelindustrie heute fast schon Standard sind. „Heute ist die Vielfalt der Rohstoffe viel größer“, berichtete Hollemann. Die komplette Warenversorgung wird deshalb umgekrempelt, die Teigmacherei erweitert. Für die neuen Maschinen überbaut das Unternehmen einen Lichthof zwischen zwei Hallen. Auch ein neues Wahrzeichen soll der Standort bekommen.

Das wird derzeit noch als Firmengeheimnis behandelt. Der Personalabbau soll im Herbst abgeschlossen sein. Ein Großteil der Betroffenen wechselt in eine Transfergesellschaft, wo sie bis zu einem Jahr lang weiterqualifiziert werden. Die derzeit noch 470 Mitarbeiter verzichten zudem auf Urlaubsgeld und künftige Lohnerhöhungen. Insgesamt sollen die Maßnahmen die Produktionskosten um rund 20 Prozent senken.