Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Niedersachsen Ältere Arbeitslose werden abgehängt
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Ältere Arbeitslose werden abgehängt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:42 22.01.2015
Von Lars Ruzic
Bei der Agentur für Arbeit in Hannover sind ältere und ausländische Arbeitssuchende deutlich häufiger anzutreffen als andere Beschäftigtengruppen. Quelle: Julian Stratenschulte
Anzeige
Hannover

Die Zahl der Arbeitslosen, die 55 oder älter sind, stieg um 4,3 Prozent. Bei den Arbeitslosen mit ausländischer Herkunft beträgt die Zunahme 7,6 Prozent. Beide Gruppen stellen auch das Gros der Langzeitarbeitslosen, deren Zahl in Niedersachsen sich um 2,5 Prozent auf rund 100.000 erhöht hat. „Langzeitarbeitslose bekommen zunehmend weniger Chancen auf Beschäftigung“, sagte der Chef der Landesarbeitsagentur, Klaus Stietenroth.

Während der Anstieg bei ausländischen Arbeitslosen zum Teil mit der höheren Zahl von Flüchtlingen zu erklären ist, liegen die Ursachen bei älteren Beschäftigten tiefer. Zwar sei das Risiko für Mittfünfziger, ihre Stelle zu verlieren, gering wie selten, sagte Stietenroth. „Aber wer einmal draußen ist, kommt viel zu selten wieder rein.“ Dies zeigen auch die Zahlen: Die Älteren stellen mehr als jeden vierten Langzeitarbeitslosen. In den kommenden Jahren könnten es noch mehr werden - wenn die Babyboomer unter den Joblosen in das Alter kommen.

Anzeige

Angesichts des demografischen Wandels und immer längerer Lebensarbeitszeiten dürften die Älteren nicht länger vernachlässigt werden, forderte der Chef der Regionaldirektion. „Wer 55 ist, hat schließlich noch mindestens zehn Jahre als Arbeitskraft vor sich.“ Die Arbeitsagenturen bemühten sich heute viel stärker um eine Weiterqualifizierung dieser Gruppe. Doch die Unternehmen zögerten hier immer noch mit Einstellungen. „Wir brauchen endlich Arbeitgeber, die sagen: ‚Wir machen das jetzt‘“, appellierte Stietenroth.

Das gelte auch für die Langzeitarbeitslosen insgesamt. Seit inzwischen vier Jahren komme Niedersachsen von der Zahl 100.000 nicht herunter – obwohl die Beschäftigung insgesamt stetig steige. Inzwischen gibt es 2,78 Millionen sozialversicherungspflichtige Stellen im Land - 1,7 Prozent mehr als 2013. Die Zahl der Arbeitslosen sank um 0,6 Prozent auf im Jahresschnitt 268.000. Die Quote lag bei 6,5 Prozent, die fünftbeste bundesweit.

Pilotprojekt in Hannover

Um Flüchtlinge schneller in Arbeit zu bringen, haben Arbeitsagentur und Bundesamt für Migration einen Modellversuch unter dem Titel „Jeder Mensch hat Potenzial“ gestartet. Seit Jahresbeginn können sich Asylbewerber schon nach drei Monaten einen Job in Deutschland suchen. Das Projekt zielt darauf ab, möglichst frühzeitig ihre Qualifikationen abzufragen und ihnen zu Deutschkenntnissen zu verhelfen. Mangelnde Sprachkenntnisse sind bisher das größte Vermittlungshindernis. Gleichzeitig will sich die Arbeitsagentur bei den Arbeitgebern für die Betroffenen einsetzen. Bisher sind mehrere Großstädte in Deutschland an dem Modellversuch beteiligt, von März an soll Hannover als erste niedersächsische Stadt hinzukommen. Bis zu 100 Asylbewerber, die eine große Chance auf einen Verbleib im Land haben, wird das Ministerium aussuchen - zum Beispiel Menschen aus Syrien, dem Iran, Afghanistan oder Ägypten. Das Projekt läuft zunächst bis zum Jahresende.

21.01.2015
Lars Ruzic 23.01.2015