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Niedersachsen TUI nimmt „Reiseland“ ins Visier
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen TUI nimmt „Reiseland“ ins Visier
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19:39 09.11.2009
Von Jens Heitmann
Im Westen Deutschlands ist die TUI mit Reisebüros flächendeckend vertreten, im Osten klaffen hingegen Lücken. Quelle: Michael Thomas
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Die TUI will ihr Vetriebsnetz auf ihrem Heimatmarkt deutlich ausbauen. Nach Angaben aus Branchenkreisen soll der Reiseveranstalter TUI Deutschland in den nächsten Jahren Reisebüros mit einem Umsatzvolumen von insgesamt mehr als 700 Millionen Euro hinzukaufen. Das nötige Geld – die Rede ist von 100 Millionen Euro – habe die britische Mutter TUI Travel bereitgestellt, hieß es. Ein Unternehmenssprecher wollte das gestern nicht kommentieren.

Die Reisebüro-Kette TUI Leisure Travel (TLT) betreibt aktuell 400 Büros in Eigenregie und weitere 1000 im Franchiseverfahren. Mit einem Umsatz von 2,8 Milliarden Euro liegt TLT mit seinen Marken „TUI ReiseCenter“, „First-Reisebüro“, „TUI Travelstar“, „Discount travel“ und „Hapag-Lloyd Reisebüro“ hinter der Rewe-Touristik und der „Quality Travel Alliance“ hierzulande auf Platz drei.

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Bei TUI Deutschland sieht man aber noch Lücken im Vertriebsnetz: „Das Filialgeschäft mit der persönlichen und hochwertigen Beratung ist unverändert der wichtigste Vertriebskanal“, hatte Unternehmenschef Volker Böttcher jüngst erklärt – und für die kommenden drei Jahre „kräftige“ Investitionen angekündigt.

Als erstes Übernahmeziel hat die TUI offenbar das „Reiseland“ ins Auge gefasst. Die mit einem Umsatz von zuletzt 868 Millionen Euro und rund 420 Filialen größte veranstalterunabhängige Reisebürokette ist Marktführer in Ostdeutschland – dort habe die TUI noch viele „weiße Flecken“, hieß es in der Branche. „Reiseland“ gehört seit 1993 zum Versandhändler Otto, der im Onlinevertrieb mit den Reiseportalen
flug.de, travel-overland.de und travelchannel.de zu den führenden Online-reisebüros in Deutschland zählt.

Bei dem Hamburger Konzern steht die Zukunft der Reisesparte Otto Freizeit und Touristik (OFT) auf den Prüfstand. Neben einer Restrukturierung sei auch ein Verkauf in Gänze oder von Teilen denkbar, bestätigte ein Otto-Sprecher. Man sei bereits mit mehreren Interessenten im Gespräch, voraussichtlich werde bis Jahresende eine Entscheidung fallen: „Wir stehen aber nicht unter Zeitdruck.“

Die TUI hat im Ende Oktober beendeten Geschäftsjahr bewusst ein Umsatzminus von 10 Prozent in Kauf genommen. Unter dem Motto „Marge vor Menge“ achtete das Management strikt darauf die strengen Renditevorgaben von TUI Travel zu erfüllen. Die Zentrale in London erwartet von ihrer hannoverschen Tochter mittelfristig eine operative Marge von 3 Prozent. Dem Vernehmen nach soll ein Gewinn im dreistelligen Millionenbereich nach London überwiesen werden.

Der Ertrag gerate jedoch in Gefahr, wenn die TUI in Deutschland dauerhaft Marktanteile verliere, hieß es im Unternehmen. Insbesondere der Handelskonzern Rewe mit Veranstaltern wie ITS, Tjaereborg oder Jahn Reisen hat in der vergangenen Sommersaison seine Kapazitäten deutlich aufgestockt und gegen den Markttrend Kunden gewonnen – allerdings ohne Rücksicht auf den Ertrag, wie man in der Branche munkelt. Auch die Touristiker aus Essen sollen sich für den Erwerb von „Reiseland“ interessieren.

Gabriele Schulte 08.11.2009