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Niedersachsen TUIfly und Air Berlin mit Mini-Bündnis
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen TUIfly und Air Berlin mit Mini-Bündnis
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19:38 08.09.2009
Von Jens Heitmann
Die City-Strecken von TUIfly sind auch für Geschäftsreisende attraktiv, sie werden künftig von Air Berlin bedient. Quelle: DDP
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Zudem übernehmen die Berliner mit den Städteverbindungen von TUIfly im Herbst nur 13 Maschinen der Hannoveraner – zuvor sollten 17 Flugzeuge vermietet werden.

Trotz der Abstriche wertet die TUI die Vereinbarung als Erfolg. „Wir können von der Übergröße in den Maßanzug schlüpfen“, sagte TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher am Dienstag. Im Sommer könne man auch mehr als 21 Maschinen im Chartergeschäft einsetzen, im Winter lasse sich bis zu einem Drittel der Flotte an kanadische Gesellschaften verchartern.

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Nach den im Frühjahr bekanntgegebenen Plänen wollte sich Air Berlin mit 19,9 Prozent an TUIfly beteiligen, im Gegenzug sollte der TUI-Konzern ein gleich großes Aktienpaket der Berliner erwerben. Wie bei den Arbeitnehmervertretern von TUIfly habe es auch beim Kartellamt Bedenken gegeben, dass Air Berlin daraus zu große Mitspracherechte im Betrieb des Charterbereichs von TUIfly erwachsen könnten, hieß es am Dienstag. Daraufhin hatten die beiden Unternehmen angeboten, ihre wechselseitige Beteiligung auf jeweils 9,9 Prozent zu begrenzen – doch der Behörde reichte das offenbar nicht.

Nun strebt die TUI nur noch an, sich ihrerseits mit 9,9 Prozent an den Berlinern zu beteiligen. „Wir halten diesen Schritt nach wie vor für sinnvoll“, sagte Böttcher. Konzernintern sei das jedoch umstritten, hieß es. In der Zentrale von TUI Travel in London, die das Geschäft von TUI Deutschland und TUIfly steuert, sieht man die Beteiligung an einer Fluggesellschaft skeptisch. Die Briten haben dem Kartellamt bereits signalisiert, dass sie im Falle eines Einstiegs bei den Berlinern dort so schnell wie möglich wieder aussteigen wollen. Bei den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat steht TUI-Chef Michael Frenzel jedoch im Wort, die Air-Berlin-Beteiligung dauerhaft auf Konzernebene zu verankern.

Darüber hinaus geht es auch um Geld. Für den Fall, dass die TUI am Ende keine Aktien von Air Berlin kauft, fordert die Gesellschaft vom Partner in Hannover 15 Millionen Euro. Im Zweifel müsse man die Summe als eine Art „Mitgift“ verbuchen, hieß es bei der TUI. Der Betrag ergibt sich aus der Differenz der unterschiedlichen Bewertungen beider Gesellschaften: Bei einer Beteiligung der TUI in Höhe von 9,9 Prozent würden Air Berlin 33 Millionen Euro zufließen, Gesellschafteranteile an TUIfly in gleicher Höhe waren mit 18 Millionen Euro bewertet worden. Komme die Beteiligung an Air Berlin nicht zustande, müsse man diese Summe als eine Art „Eintrittsgebühr“ für Air Berlin verbuchen, hieß es bei der TUI.

Von der Übernahme der TUIfly-Städteverbindungen durch Air Berlin seien in Hannover 70 Mitarbeiter betroffen, teilte das Unternehmen mit. Ein Teil der Beschäftigten wechsele nach Berlin, andere würden von TUI Deutschland übernommen. Unter dem Strich sollen 30 Stellen wegfallen. Eine konzerninterne Sanierung hätte weitaus mehr Arbeitsplätze gekostet, sagte Böttcher.

Für Kunden ändert sich wenig: Wer für die am 25. Oktober beginnende Wintersaison bereits einen Flug für eine City-Strecke bei TUIfly gebucht hat, muss nur auf die neue Flugnummer von Air Berlin achten. Die Passagiere könnten sich auf den gewohnten Standard verlassen, teilten beide Unternehmen am Dienstag mit. Die Piloten und das Personal in der Kabine tragen zwar die Uniformen von Air Berlin - sie bleiben aber Mitarbeiter von TUIfly.