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Niedersachsen Talanx peilt weiteren Gewinnanstieg an
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Talanx peilt weiteren Gewinnanstieg an
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10:00 07.05.2013
Von Albrecht Scheuermann
"Wir werden alles tun, um Sie nicht zu enttäuschen": Vorstandschef Herbert Haas auf der Hauptversammlung des Talanx-Konzerns.
"Wir werden alles tun, um Sie nicht zu enttäuschen": Vorstandschef Herbert Haas auf der Hauptversammlung des Talanx-Konzerns. Quelle: Wallmüller
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Hannover

Konzernchef Herbert Haas streichelte die Aktionärsseele mit der Feststellung:  „Sie haben uns mit Ihrem Investment in Talanx-Aktien Ihr Geld anvertraut. Seien Sie versichert, dass wir alles tun werden, um Sie nicht zu enttäuschen.“ Im Geschäftsjahr 2012 ist das dem Unternehmen jedenfalls gelungen. Es war mit 630 Millionen Euro Gewinn das bisher beste in der Konzerngeschichte. Im laufenden Jahr würden mindestens 650 Millionen Euro angepeilt, sagte Haas. Die Bruttoprämieneinnahmen sollen mindestens 4 Prozent größer ausfallen als im zurückliegenden Jahr mit 26,7 Milliarden Euro.

Der Konzernchef warnte die Aktionäre jedoch vor den Unwägbarkeiten des Versicherungsgeschäftes. Alle Prognosen stünden unter dem Vorbehalt, dass die Katastrophen 2013 nicht das sogenannte Großschadenbudget des Unternehmens von 705 Millionen Euro überschreiten. Quartalszahlen ließen keine Aussage für das Gesamtjahr zu. „Noch in den letzten Tagen, in den letzten Stunden des Jahres kann Kalifornien im Pazifik versinken.“

Talanx ist von Katastrophen jeglicher Art überall auf der Welt fast immer betroffen, weil mit der Tochter Hannover Rück einer der größten Rückversicherer zum Konzern gehört. Haas sieht für diesen Wachstumsmöglichkeiten in erster Linie im Ausland. Er nannte Polen, Türkei, Brasilien und Mexiko als „Wachstumsmotoren“. Auch das Joint-Venture in Indien laufe vielversprechend.

„Talanx ist ein exzellent aufgestellter Konzern“, beteuerte der Vorstandsvorsitzende. Kaum ein anderer Versicherer in Europa sei so schnell gewachsen, „aber keine Sorge, immer mit Blick auf die Bottom Line“ – also das, was unter dem Strich als Gewinn steht. Die Gruppe sieht sich heute als Nummer drei in Deutschland und als achtgrößten Versicherungskonzern in Europa.

Der Talanx-Chef zeigte bei der Aufzählung von Superlativen jedoch auch eine gute Portion Selbstironie im Rückblick auf den Börsengang: „Es war der am längsten angekündigte und der nach der Absage am schnellsten wieder aufgenommene.“ Talanx hatte ihn vergangenen September nur wenige Tage nach der Ankündigung abgeblasen, kurze Zeit später jedoch mit etwas geringerem Volumen erneut in Gang gesetzt.

Haas begründete dieses Hin und Her mit anfangs unbefriedigenden Preisvorstellungen des Bankenkonsortiums für die Talanx-Aktie. „Der Konzern wäre ohne die Rückversicherung und nach Ausklammerung des Emissionserlöses mit 0 bewertet worden.“ Das wollte man nicht mitmachen.

Letztlich hat die Aktion dann doch noch geklappt – und sich für die Neuaktionäre als lukrativ erwiesen. Mit einem Kursplus um ein Drittel gegenüber dem Verkaufspreis von 18,30 Euro handele es sich aus Sicht der Aktionäre um einen der erfolgreichsten Börsengänge auf dem deutschen Markt, sagte Haas.

Die Aktionäre bekommen für die rund drei Monate Restjahr nach der Aktienausgabe eine stolze Dividende von 1,05 Euro. Haupteigentümer ist mit gut 82 Prozent der Versicherungsverein HDI – nicht zu verwechseln mit der Talanx-Tochter HDI.

Grenze für Vorstandsvergütung

Kritische Anmerkungen der Aktionärsvertreter bezogen sich vor allem auf den im Jahresbericht veröffentlichten Vergütungsbericht, der als erster Tagesordnungspunkt den Teilnehmern der Hauptversammlung erläutert wurde. „Ich möchte mich nicht der Neiddebatte anschließen“, erklärte der Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, „erst recht nicht bei Ihrer Leistung.“ Er vermisse aber die Angabe eines Maximalbetrags bei den Vergütungsregeln für den Talanx-Vorstand, auch „Cap“ genannt. Ein andere Redner sprach angesichts des komplizierten Regelwerks von einer „Black Box“. Aufsichtsratschef Wolf-Dieter Baumgartl gelobte Besserung: „Wir haben gelernt, dass wir die Caps nennen sollen.“ Im nächsten Bericht solle diese Anregung verwirklicht werden.

Laut Baumgartl ist das aus einem Festbetrag und erfolgsabhängigen Komponenten bestehende Gehalt von Konzernchef Haas auf knapp 3,4 Millionen Euro begrenzt. Bei Finanzvorstand Immo Querner liegt die Höchstgrenze bei rund 2,2 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr bekamen sie gemäß Geschäftsbericht 2,3 Millionen Euro beziehungsweise 1,6 Millionen Euro. Damit sei die Entlohnung der Chefetage erheblich niedriger als in vergleichbaren Unternehmen, hob Baumgartl hervor.