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Niedersachsen Tarifvertrag zum Personalaustausch vereinbart
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Tarifvertrag zum Personalaustausch vereinbart
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07:29 17.08.2010
Von Lars Ruzic
Gut zu tun statt Kurzarbeit: RFS-Facharbeiter Heinrich Dudek wurde an Wabco ausgeliehen – und bekommt so weiter volles Gehalt.
Gut zu tun statt Kurzarbeit: RFS-Facharbeiter Heinrich Dudek wurde an Wabco ausgeliehen – und bekommt so weiter volles Gehalt. Quelle: Martin Steiner
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Einen entsprechenden Tarifvertrag unterzeichneten die Verhandlungsführer von NiedersachsenMetall und IG Metall am Montag im Beisein des hannoverschen Oberbürgermeisters Stephan Weil, unter dessen Vermittlung die Vereinbarung zustande gekommen war.

Der Tarifvertrag gilt zunächst für neun Betriebe mit rund 9000 Mitarbeitern aus Maschinenbau, Zulieferindustrie, Kabel- und Luftfahrtbranche. Dazu gehören bekannte Namen wie Berstorff, Hanomag, MTU oder Wabco. Drei weitere Firmen haben bereits ihre Teilnahme zugesagt. „Wir waren überrascht von dem großen Echo der Idee“, sagte NiedersachsenMetall-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt. Der Tarifvertrag sichere die Jobs der Beschäftigten, gebe den Firmen mehr Flexibilität und leiste damit seinen Beitrag zur Stabilisierung des Industriestandorts Hannover. „Eine klassische Win-Win-Situation“, umschrieb es Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine. Weil lobte die Vereinbarung als „gutes Beispiel, industrielle Arbeitsplätze in Hannover zu halten“.

Im Kern geht es bei dem Modell darum, dass Firmen mit Auftragsflaute Beschäftigte an benachbarte Betriebe verleihen, die der Nachfrage nicht Herr werden. Selbst in der derzeitigen Erholungsphase gebe es noch immer dramatische Unterschiede in der Auslastung, berichtete Schmidt. Die Krise sei noch längst nicht überall überwunden. Während einige Firmen schon wieder unter Volldampf stünden, hätten andere noch Kurzarbeit. Da könne die regionale Ausleihe ein weiterer Baustein sein, um Konjunkturschwankungen in die eine wie die andere Richtung abzumildern.

Obwohl der Tarifvertrag erst seit gestern gilt, haben die frühere Kabelmetall RFS und Wabco davon schon vorher Gebrauch gemacht. Während der Spezialist für Hochfrequenz-Übertragungstechnik RFS noch in der Flaute steckt, hat das Geschäft beim Nutzfahrzeugzulieferer Wabco schon wieder kräftig angezogen. Seit zwei Monaten arbeiten daher zehn RFS-Mitarbeiter in der Produktion am Lindener Hafen. Sie bekommen weiter ihr volles Gehalt von ihrem Arbeitgeber, dieser schreibt Wabco im Gegenzug eine Rechnung.

Die Facharbeiter hätten sich nach kurzer Einarbeitung vergleichsweise schnell in ihre neue Aufgabe eingefunden, berichtete Wabco-Personalmanager Cevat Dönmez. Gerade wurde ihre Ausleihphase bis zum Januar 2011 verlängert. „So konnten Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit für die Beschäftigten verhindert werden“, sagte Hannovers IG-Metall-Chef Reinhard Schwitzer.