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Niedersachsen Trockenheit bringt Landwirte in Bedrängnis
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Trockenheit bringt Landwirte in Bedrängnis
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22:29 21.06.2015
Von Carola Böse-Fischer
Wann regnet es endlich wieder? Derzeit müssen die Bauern ihre Felder ordentlich bewässern – wie hier in Celle. „Die Lage spitzt sich zu“, sagt ein Landwirt.
Wann regnet es endlich wieder? Derzeit müssen die Bauern ihre Felder ordentlich bewässern – wie hier in Celle. „Die Lage spitzt sich zu“, sagt ein Landwirt. Quelle: dpa
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„Die Lage spitzt sich von Tag zu Tag zu“, sagt Landwirt Werner Mandel aus Heisede. Getreide werde notreif oder sei schon vertrocknet. „Auf einem Fünftel der Flächen dürften nur 30 Prozent des Ernteertrags normaler Zeiten zu erzielen sein.“

In anderen Regionen sieht es zum Teil noch schlimmer aus, wie der Landhändler Konrad Weiterer aus Algermissen berichtet. Etwa auf leichten Böden wie in der Heide. Hier würden Verluste bis zu 80 Prozent erwartet. Zudem leide die Qualität von Weizen und Roggen, weil die Körner klein blieben.

Niedersachsen ist wie Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg laut Weiterer besonders von Trockenheit betroffen. Nach jüngsten Prognosen dürfte die Getreideernte hier weniger als 5 Millionen Tonnen betragen, verglichen mit etwa 6,5 Millionen Tonnen 2014. Das bedeute für die Landwirte insgesamt Einkommensverluste von schätzungsweise 150 Millionen Euro.

Trotzdem ist nicht eingetreten, was sich die Bauern wünschen: dass die Preise kräftig zulegen und Mengenverluste wenigstens teilweise ausgleichen. Seit Ende Mai sind die Notierungen an der Pariser Agrarbörse Matif von 155 auf
179 Euro je Tonne Weizen zur Lieferung im Dezember gestiegen, wie Weiterer sagt. Vor einem Jahr waren es 190 Euro. Der Preis, den die Landwirte vom Handel bekommen, ist um rund 20 Euro niedriger als die Börsennotierung. Grund für den geringen Preisanstieg sei, dass die Trockenheit vorerst nur regional ein Problem sei. Jedoch hat auch der Deutsche Raiffeisenverband seine Ernteprognose erneut gesenkt: Danach dürften die deutschen Bauern 47,7 Millionen Tonnen Getreide ernten – 2 Millionen Tonnen weniger als noch im Mai erwartet. Damit würde das Rekordergebnis von 2014 mit 52 Millionen Tonnen um 8 Prozent unterschritten.

Deutschland allein spielt aber für den Weltmarkt keine große Rolle. Für Europa insgesamt und Nordamerika sind die Ernteaussichten gut, erklärt Weiterer. Deshalb gebe es bisher keinen Preissprung nach oben. Weltweit werde die dritte große Getreideernte in Folge eingefahren – „es sei denn, El Niño macht noch einen Strich durch die Rechnung“. Meteorologen warnen vor einem starken El-Niño-Effekt: ungewöhnlich großen Temperaturunterschieden im tropischen Pazifik. Sie lösen Überschwemmungen und Dürren aus, die Getreideproduzenten in Australien und Südamerika hart treffen könnten. Dann würden Turbulenzen drohen und die Preise klettern, erklärt Weiterer.

Aber auch in Niedersachsen könnte es Bewegung bei den Preisen geben. Zurzeit schlössen Bauern keine Vorverträge mit dem Handel ab, weil ihnen die Preise zu niedrig seien. Da sich Futtermittelhersteller und Mühlen erst wenig eingedeckt hätten, bräuchten sie dringend Ware, sagt Weiterer. Dafür könnten dann Preisaufschläge fällig werden.

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