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Niedersachsen Tui fusioniert nicht mit britischer Tochter
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Tui fusioniert nicht mit britischer Tochter
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12:54 23.01.2013
Doch keine Fusion: Die Tui AG will kein Angebot für Tui Travel abgeben. Quelle: dpa
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Hannover/London

Bei den Briten ist das wichtige Pauschalreise-Geschäft gebündelt, die einzelnen Landesgesellschaften im Kernmarkt des Unternehmens werden ebenfalls von ihnen gesteuert. Mitte Januar war bekanntgeworden, dass Tui und Tui Travel über eine Fusion sprechen. Darüber war seit Längerem spekuliert worden – unklar blieb jedoch immer, wer wen schlucken könnte.

Nach Berichten über einen angeblichen Vorstoß der Briten hatten diese erklärt, dass umgekehrt die Konzernmutter das Gespräch über einen Aktientausch suche. Die britische Übernahmebehörde forderte Tui daraufhin auf, bis zur Hauptversammlung am 13. Februar entweder ein Angebot für Tui Travel abzugeben oder zu erklären, dass sie dies nicht beabsichtigt.

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Bisher ist die Tui AG mit gut 56 Prozent an Tui Travel beteiligt. Nachdem der Druck auf beide Seiten zuletzt auch aus der Belegschaft gestiegen war, winkten die Niedersachsen nun vorzeitig ab. "Diese Entscheidung basiert auf der Einschätzung, dass eine aktienbasierte Transaktion auf dem gegenwärtigen Austauschverhältnis nicht den Interessen der Tui-Aktionäre entspricht", heißt es offiziell.

Zu den Anteilsverhältnissen, die Großaktionäre wie der russische Milliardär Alexej Mordaschow in einem neu aufgestellten, fusionierten Konzern gehalten hätten, wurden keine Angaben gemacht. Der Stahltycoon hatte sein Aktienpaket 2011 auf über ein Viertel aufgestockt, hinter den Kulissen soll er auf mehr Profitabilität im Tourismusgeschäft dringen.

In der derzeitigen Architektur sehen aber auch einige Branchenbeobachter Reibungsverluste zwischen Hannover und Crawley. Tui-Aufsichtsratschef Klaus Mangold hatte sich dafür ausgesprochen, die Struktur von der Zentrale aus umzubauen.

Seit einiger Zeit wurde vermutet, dass Tui die restlichen knapp 44 Prozent an Tui Travel kaufen und das Unternehmen mit dem deutschen Veranstaltergeschäft und der Fluglinie Tuifly zusammenbringen könnte. Zwar ist die Mutter für die Hotel- und Kreuzfahrtsparte zuständig, das Kerngeschäft steuert aber Tui-Travel-Chef Peter Long.

Tui Travel war 2007 aus der Fusion der Tui-Veranstaltersparte mit dem Konkurrenten First Choice entstanden. Der Tui AG, zu der auch die verbliebene Beteiligung an der Container-Reederei Hapag-Lloyd gehört, fehlte für eine Komplettübernahme lange Zeit das Geld. Auch wenn das Management in Hannover jetzt einen Rückzieher machte, dürfte das komplizierte Verhältnis zu Tui Travel nicht so rasch von der Agenda rücken.

Die Zentrale erklärte, man werde "Wertpotenziale und Nutzen innerhalb der Tui-Gruppe zugunsten aller Aktionäre der Tui AG heben". Unter den Mitarbeitern waren Befürchtungen laut geworden, die Briten könnten Einschnitte durchboxen, falls sie am Ende den Ton angeben. "Wirtschaftliche Interessen müssen bei einer Neuausrichtung der Tui auf einer Ebene mit Standort- und Beschäftigungssicherung diskutiert werden", mahnte Betriebsratschef Frank Jakobi, der auch im Aufsichtsrat der Tui AG sitzt. Man werde die Tui "nicht kampflos den Interessen der Anteilseigner und des Kapitalmarktes überlassen".

dpa

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