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Niedersachsen Streit mit Piloten gefährdet Tuifly-Expansion
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Streit mit Piloten gefährdet Tuifly-Expansion
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20:52 06.11.2019
Tuifly-Jets sollen künftig auch auf langen Strecken fliegen – doch die Verhandlungen mit den Piloten sind schwierig. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

Die geplante Expansion von Tuifly auf Langstrecken droht zu scheitern. Um auch bei Fernflügen wettbewerbsfähig zu werden, will die Airline Kosten senken und die Produktivität steigern. Das Boden- und Kabinenpersonal hat Bereitschaft zu Zugeständnissen signalisiert – eine Einigung mit den Piloten hingegen ist ungewiss. Nachdem das Management die Verhandlungen am Montag für gescheitert erklärt hatte, reden beide Seiten inzwischen wieder miteinander. Die Frist für einen Kompromiss laufe am Freitag um 18 Uhr ab, heißt es in einem Schreiben der Geschäftsführung an die Mitarbeiter vom Mittwoch, das der HAZ vorliegt.

Die Tui-Gruppe fliegt aus Großbritannien, den Niederlanden, Belgien und Skandinavien bereits mit eigenen Maschinen Ziele auch in Mexiko, der Karibik und in Asien an. Die deutsche Tuifly dagegen ist bisher vorrangig auf Strecken in Richtung Mittelmeer und Kanarische Inseln unterwegs. Man könne bei den Kosten nicht mit anderen Anbietern konkurrieren, verlautete aus dem Unternehmen.

Boden- und Kabinenpersonal sind kompromissbereit

Diese Einschätzung teilen auch Betriebsräte. „Wir dürfen an dieser Stelle nicht die Augen davor verschließen, dass unsere Tuifly seit Jahren bei Marktpreisen defizitär ist“, hieß es Anfang Oktober in einer Mitteilung der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Wenn der Konzern zu hohen Investitionen in neue Flugzeuge bereit sei, müsse man Einschnitte in Kauf nehmen, um dauerhaft profitabel zu werden. „Denn eines haben uns die vielen Insolvenzen unserer ehemaligen Mitbewerber bewiesen: Langfristig prosperierende Tarifverträge sind nur in einem prosperierenden Unternehmen garantiert“, erklärten die Arbeitnehmervertreter.

Entsprechende Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi, die das Personal am Boden und in der Kabine vertritt, hätten schnell zu konkreten Ergebnissen geführt, heißt es. Zu Details wollten sich beide Seiten nicht äußern. Dem Vernehmen nach hätte das Ergebnis gereicht, um die Flugzeugflotte von derzeit 39 Maschinen bis zum Jahr 2022 um Langstreckenflugzeuge zu erweitern – wenn auch die Vereinigung Cockpit als Vertretung der Piloten Zugeständnisse machen würde. „Wir haben keine Lösung gefunden, diese Wachstumsperspektive zu wettbewerbsfähigen Konditionen bei der Tuifly abzubilden“, heißt es im Schreiben der Geschäftsführung.

Piloten fordern konkrete Zahl neuer Maschinen

Woran die Suche nach einem Kompromiss bisher gescheitert ist, wollten die Verhandlungspartner nicht sagen. Ursprünglich wollte das Unternehmen vor allem die Arbeitszeit der Piloten erhöhen. Im langjährigen Durchschnitt kämen die Cockpit-Besatzungen von Tuifly auf etwa 600 Flugstunden im Jahr – da sei noch Luft nach oben, ist in Unternehmenskreisen zu hören. Man wolle in den nächsten drei Jahren einen hohen einstelligen Millionenbetrag durch eine höhere Produktivität einsparen. Angeblich pochen die Piloten im Gegenzug darauf, dass das Management eine verbindliche Zahl neuer Maschinen festschreibt. „Auch von unserer Seite ist der Einigungswille da“, sagte ein Cockpit-Vertreter.

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Tarifpaket bei Tui Deutschland steht

Der ReiseveranstalterTui Deutschland und die Gewerkschaft Verdi haben sich in den Tarifverhandlungen geeinigt. Demnach bekommen die Beschäftigten 2020 eine Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro sowie zwei zusätzliche Urlaubstage. „Mit dem Tarifpaket honorieren wir das große Engagement unserer Mitarbeiter, denen wir im Rahmen des wirtschaftlich Möglichen eine Anerkennung für ihre geleistete Arbeit aussprechen möchten“, sagte die Personalgeschäftsführerin Sybille Reiß. Unterdessen ist der geplante Abbau von 450 Stellen vorerst gestoppt. Der Konzernbetriebsrat strebe bis zum Jahresende den Abschluss eines Zukunftssicherungsvertrags an, hieß es am Mittwoch.

Von Jens Heitmann

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