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Niedersachsen Mindestlohn kostet Niedersachsen Arbeitsplätze
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22:09 24.02.2015
Maschine statt Mensch? Für die Spargelbauer wäre der Austausch der Mitarbeiter seit der Einführung des Mindestlohns kostengünstiger. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Die Spargelbauern wollen verstärkt Mitarbeiter durch Maschinen ersetzen – das Edelgemüse könnte diese Saison teurer werden. Die Verpflichtung zur Zahlung von mindestens 8,50 Euro pro Stunde und die umfangreichen Kontrollpflichten könnten Arbeits- und Praktikumsplätze kosten, sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Hannover, Horst Schrage, am Montag. „Das sind überflüssige Kollateralschäden eines sehr eilig auf den Weg gebrachten Gesetzes.“

In Umfragen der IHK und der Arbeitgeberverbände Niedersachsens erklärten die Mitglieder mehrheitlich, dass sie künftig weniger oder keine Praktikumsstellen mehr anbieten wollen. Neben den höheren Kosten argumentieren sie auch mit Lohngerechtigkeit: Es sei langjährig beschäftigten Hilfskräften nicht zu vermitteln, dass ein Praktikant am Monatsende nur 200 Euro weniger bekomme, sagte Klaus Kirchheim, Geschäftführer des hannoverschen Industriezulieferers Nass Magnet. Darunter leiden werden nach Einschätzung der IHK vor allem Studenten, da die bei Firmen erstellten Bachelor- oder Masterarbeiten dem Mindestlohn unterliegen.

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Zudem sind der Wirtschaft die Haftungsrisiken und die Belastungen durch neue Überwachungsvorschriften zu hoch. So stehen Auftraggeber dafür gerade, dass Subunternehmer sich gesetzeskonform verhalten. Die Folge sei eine Flut von Verpflichtungs- und Freistellungserklärungen, die niemandem nutze, hieß es beim Niedersächsischen Handwerkstag. Die Politik verspreche bereits seit Jahren den Abbau von Bürokratie, sagte Präsident Karl-Heinz Bley: „Faktisch werden die Betriebe aber immer mehr belastet.“

Während das Handwerk durch die Einführung des Mindestlohns vorerst keine Stellen gefährdet sieht, will man in der Landwirtschaft vermehrt Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzen. „Es wird Technik angeschafft, um das Stechen zu erleichtern“, sagte Dietrich Paul von der Vereinigung der Spargelanbauer in Hoya bei Nienburg. Bei der Ende April startenden Spargelernte waren zuletzt rund 10.000 Saisonarbeiter aus Osteuropa im Einsatz. In diesem Jahr müssen ihnen die Betriebe in Westdeutschland einen branchenspezifischen Mindestlohn von 7,40 Euro pro Stunde bezahlen, der bis 2017 in Etappen auf 9,10 Euro steigt.

Bei den Gewerkschaften stoßen die Forderungen aus der Wirtschaft auf Kritik. „Seit Langem versuchen Gegner des Mindestlohns, diesen mit fadenscheinigen Argumenten madig zu machen“, erklärte DGB-Landeschef Hartmut Tölle. Wer wegen der Aufzeichnungspflicht von Arbeitszeiten von „unzumutbarer Bürokratie“ spreche, entlarve sich selbst: „Um Geschäftsmodelle, die rechtliche Grundlagen nicht beherrschen und auf Basis von Ausbeutung und Dumpinglöhnen funktionieren, ist es nicht schade“, sagte Tölle.

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