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Niedersachsen VGH-Spitze attackiert Österreich
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen VGH-Spitze attackiert Österreich
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22:03 20.04.2015
Von Albrecht Scheuermann
Signal aus Hannover: Die VGH will mit ihrer Klage gegen die Entscheidungen aus Wien bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen.
Signal aus Hannover: Die VGH will mit ihrer Klage gegen die Entscheidungen aus Wien bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Betroffen ist vor allem die VGH-Lebensversicherung Provinzial Hannover. Kunden müssten aber keine Nachteile befürchten, hieß es.

„Dieser Rechtsbruch ist ein beispielloser Vorgang in der Nachkriegs-Finanzgeschichte“, erklärte VGH-Vorstandschef Hermann Kasten. „Ein zahlungsfähiger Schuldner sagt, ich zahle nicht“ - das habe es in Zentraleuropa noch nicht gegeben. Die deutschen Finanzinstitute und damit indirekt auch die deutschen Sparer belaste dieser Vorgang viel härter als die Griechenland-Krise. „Wir sind deshalb erstaunt, wie wenig Reaktionen es bisher darauf gegeben hat.“

VGH-Vorstand Thomas Krüger wies darauf hin, dass das Unternehmen die fraglichen Papiere in den Jahren 2003 bis 2005 erworben habe. „Wir haben nicht in eine Bank investiert, sondern in ein Land“, sagte er. Damals galt noch die Gewährträgerhaftung. Somit garantierten das Bundesland Kärnten beziehungsweise die Republik Österreich für die Rückzahlung. „Wir haben gerade deshalb die Papiere der Hypo Alpe Adria erworben, weil es keine Zockerpapiere waren“, erklärte Kasten.

Doch die staatlichen Garantien sollen nun nicht mehr gelten. Die Hypo Alpe Adria in Klagenfurt war vor allem unter ihren Krediten in Südosteuropa zusammengebrochen. 2009 wurde sie verstaatlicht, ihr Vermögen und ihre Verbindlichkeiten wurden später auf die Abwicklungsbank Heta Asset Resolution übertragen. Anfang März entschied Österreichs Regierung, den Geldhahn zuzudrehen. Seitdem leistet Heta keinen Schuldendienst mehr. Insgesamt sind rund 10 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten betroffen, die Regierung will sich während des einjährigen Moratoriums mit den Gläubigern einigen.

Die VGH hat nun erst eibmal 40 Millionen auf ihre Bestände abgeschrieben. Krüger erwartete deswegen lange Rechtsstreitigkeiten. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Sache vor den Europäischen Gerichtshof kommt.“ Bei den Gläubigern handelt es sich ganz überwiegend um deutsche Banken und Versicherungen, darunter auch die Nord/LB, die Talanx und die VHV in Hannover.

Mit der Geschäftsentwicklung der VGH gab sich Kasten insgesamt zufrieden. Ihre vier Unternehmen hätten vergangenes Jahres Absatz, Beitragseinnahmen und Marktanteil steigern können, auch die Schadenbelastung war deutlich geringer als im Hageljahr 2013. Wie die ganze Branche drückt allerdings die EZB-Zinspolitik auf die Erträge des niedersächsischen Marktführers. 2014 kletterten die Beitragseinnahmen der Gruppe um 4,3 Prozent auf 1,95 Milliarden Euro, die Vertragszahl erreichte knapp 5,1 Millionen. Im laufenden Jahr setzte sich der Wachstumstrend fort, allerdings zerzausten einige Stürme - zuletzt „Niklas“ - die Ergebnisrechnung. Der VGH wurden im ersten Quartal 33 000 Sturmschäden im Gesamtumfang von mehr als 30 Millionen Euro gemeldet.

Jens Heitmann 23.04.2015
Jens Heitmann 18.04.2015