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Niedersachsen Alte Diesel sollen weg: VW bietet Rabatt fürs Verschrotten
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Alte Diesel sollen weg: VW bietet Rabatt fürs Verschrotten
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20:14 18.10.2018
Alte Autos weg, neue sollen her: VW bietet ein Umtauschprogramm für Diesel an. Quelle: dpa
Hannover

Um weitere Fahrverbote zu verhindern, startet der Volkswagen-Konzern eine groß angelegte Umtauschaktion für Dieselautos. Mit dem „umfangreichen Maßnahmenpaket“ leiste das Unternehmen „einen signifikanten Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität in deutschen Städten“, sagte Christian Dahlheim, Vertriebsleiter des Konzerns, gestern. Umweltschützer und Branchenexperten widersprachen und kritisierten die geplante Verschrottung alter Autos als Konjunkturprogramm für VW.

Der Wolfsburger Konzern hat zwei Programme angekündigt. Einerseits soll es eine sogenannte Umweltprämie geben, die bundesweit gilt. Wer ein altes Dieselauto (Euro 1 bis Euro 4) verschrotten lässt, kann beim Kauf eines Neuwagens zwischen 1500 und 10 000 Euro Rabatt erhalten. Auch bei Jahreswagen gibt es Prämien, aber sie fallen deutlich geringer aus.

Hannover ist nicht dabei

Darüber hinaus gibt es Angebote für Dieselfahrer in vorerst 14 „besonders belasteten Städten“ und angrenzenden Landkreisen. Hier nehmen die Konzernmarken wie VW, Seat, Skoda und Audi Euro-4- und Euro-5-Diesel in Zahlung und geben zusätzlich zum Restwert einen Rabatt beim Neukauf. Die Rabatte sollen zwischen 500 und 9000 Euro liegen. In Hannover wurden zwar auch erhöhte Stickoxidwerte gemessen, die Stadt zählt jedoch nicht zu den 14 genannten Regionen.

Die Umtauschaktionen sind Teil des Anfang Oktober beschlossenen Aktionsprogramms der Bundesregierung, mit dem Verkehrsbeschränkungen in den Städten vermieden werden sollen. Auch andere Hersteller bieten ähnliche Programme an. Die Große Koalition in Berlin hat indes auch die Erwartung formuliert, dass ältere Diesel mit zusätzlichen Katalysatoren nachgerüstet werden sollen. Dazu gibt es von den Autobauern bislang jedoch keine verlässlichen Aussagen.

Althusmann: „Ein wichtiger Schritt“

Niedersachsens Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsratsmitglied Bernd Althusmann lobte die Prämien. Damit gehe VW „einen wichtigen Schritt auf seine Dieselkunden zu“, sagte der CDU-Politiker der HAZ. Durch die Verschrottung älterer Diesel könne „eine echte Absenkung der Schadstoffemissionen und eine Verbesserung der Luftqualität erreicht werden“. Verbraucher dürften aber nicht übermäßig belastet werden.

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sprach dagegen von einem „Konjunkturprogramm“ für die Industrie – VW versuche, den Verkaufsrückgang aufzufangen. Ohnehin sinkt der Dieselanteil an den Neuwagen seit Langem, darüber hinaus brachen die Auslieferungen des Konzerns im September wegen der Einführung des neuen Abgas-Prüfverfahrens WLTP ein.

Gleichwohl ist offen, ob mit den neuen Rabatten der Absatz tatsächlich stabilisiert werden kann. Denn zwischen August 2017 und Juni 2018 gab es bereits vielfältige Kampagnen mit teils massiven Nachlässen – viele Halter haben ihren alten Diesel längt gegen ein Neufahrzeug umgetauscht.

„Das ist schon abenteuerlich“

Kritik kommt auch von anderen Experten: Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management sagte zu den Preisnachlässen: „Das hilft denen, die ohnehin einen Neuwagen kaufen wollten und es sich leisten können.“ Für Jens Hilgenberg, Verkehrsexperte des BUND, ist klar: „Die Rabatte von VW sollen vor allem für den Absatz von Fahrzeugen sorgen, die nicht der neuesten Abgasnorm Euro 6d-temp entsprechen.“ Die Ausweitung auf Gebrauchte solle den Verkauf von Fahrzeugen gewährleisten, die vom Konzern als Leasing-Rückläufer zurückgenommen werden müssen. Dabei handle es sich in der Regel um Euro-6c-Autos, die sich ohne Rabatte nur noch schlecht veräußern ließen. „Diese jetzt als Beitrag zur Luftreinhaltung zu verkaufen, ist schon abenteuerlich.“

Ein Kommentar zum VW-Prämienprogramm.

Von Frank-Thomas Wenzel und Marco Seng

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