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Niedersachsen VW fährt Leiharbeit zurück
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21:55 23.02.2011
Der Autobauer VW fährt die Leiharbeit zurück.
Der Autobauer VW fährt die Leiharbeit zurück. Quelle: dpa
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Die Entscheidung kommt pünktlich zum heutigen Aktionstag der Gewerkschaften „Gegen Lohndumping – für sichere und faire Arbeit“. Auch vor dem hannoverschen VW-Werk ist eine Kundgebung geplant.

Noch ist nicht klar, wie sich die Stellen auf die einzelnen Standorte verteilen. In den sächsischen Werken sollten 200 Leiharbeiter übernommen werden, sagte Neumann, die restlichen 2000 verteilten sich auf die sechs westdeutschen Standorte – offenbar mit Schwerpunkten in Wolfsburg und Kassel. VW hatte mit Beginn der Wirtschaftskrise 2009 alle Zeitarbeiter nach Hause geschickt, im vergangenen Jahr waren im Schnitt aber schon wieder 4500 an Bord. Ende 2010 wurden 400 fest übernommen, der Betriebsrat hatte damals allerdings schon gefordert, dass es mehr sein müssten. „Wir sind der Meinung, dass da noch mehr möglich ist“, sagte Osterloh auch am Mittwoch.

Angesichts vieler Unsicherheiten im Autogeschäft müsse man aber mit Augenmaß vorgehen. „Wenn unsere weiteren Planungen sich als dauerhaft erweisen, werden wir im nächsten Jahr über eine weitere Tranche reden“, erklärte Neumann.

Für die Übernahme werden neue Stellen geschaffen. Neumann begründete den Schritt mit der guten Entwicklung des Autobauers. „Wir haben mehr Vertrauen in die Konjunktur und die Auslastung in den nächsten Jahren.“ Die Stellen gebe es noch nicht, „aber die Menschen sind heute schon an Bord“. Außerdem übernehme der Konzern 1250 Auszubildende, um frei werdende Stellen zu besetzen, sagte Osterloh. Der Konzern beschäftigt in Deutschland insgesamt knapp 180.000 Menschen, weltweit sind es 390.000.

Die Leiharbeit müsse auf ihren Kern, die Flexibilität, reduziert werden, sagte Neumann. Außerdem bräuchten die Zeitarbeiter Perspektiven auf eine Übernahme in die Stammbelegschaft. Ihnen sollten künftig Weiterqualifizierungen angeboten werden. „Wer diese Möglichkeit nutzt und gute Leistungen zeigt, wird in Zukunft – bei entsprechender wirtschaftlicher und konjunktureller Lage – bevorzugt eingestellt.“

Auch der Daimler-Konzern kündigte am Mittwoch Neueinstellungen an. Konzernchef Dieter Zetsche sprach in der „Bild“-Zeitung von weltweit mehr als 10.000 neuen Mitarbeitern, davon 4000 in Deutschland. Gesucht seien knapp 2000 Auszubildende sowie mehrere Hundert Hochschulabsolventen und Ingenieure für Forschung und Entwicklung.

Bei Daimler reagiert der Betriebsrat allerdings gedämpfter: „Natürlich freuen wir uns über die Nachricht“, sagte Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm. Dennoch gebe es noch zu viele unsichere Arbeitsverhältnisse. Allein in der Produktion der Daimler AG gebe es derzeit 3500 Leiharbeitnehmer, in den Dienstleistungssegmenten seien es noch einmal mehrere hundert.

Eva Tasche und Stefan Winter