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Niedersachsen VW macht MAN-Werk Salzgitter zum Zulieferer
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen VW macht MAN-Werk Salzgitter zum Zulieferer
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21:18 18.06.2015
Lkw-Produktion bei MAN in Salzgitter. Das Werk soll in Zukunft nur noch Komponenten wie Achsen oder Kurbelwellen herstellen.  Quelle: Foto: MAN
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Hannover

Unternehmen und IG Metall haben sich dem Vernehmen nach bereits auf eine Standortvereinbarung verständigt. Es fehlen lediglich noch die Unterschriften. „Wir sind auf einem sehr guten Weg, die Beschäftigung am MAN-Standort in Salzgitter langfristig abzusichern“, sagte Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine der HAZ. Einen Jobabbau werde es dort mit der IG Metall nicht geben.

Die Fabrik wird offenbar zum ersten Vorzeigeprojekt für Volkswagens neuen Lkw-Chef Andreas Renschler. Er will die Zusammenarbeit der beiden VW-Töchter MAN und Scania vorantreiben. Die Kooperation soll sich nicht nur auf Einkauf und Entwicklung beschränken, sondern auch in der Produktion zum Tragen kommen. Renschlers Pläne sehen vor, dass Salzgitter künftig für beide Marken Komponenten wie Achsen oder Kurbelwellen fertigt, während sich das Münchener Stammwerk komplett auf den Lkw-Bau konzentriert.

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Der Standort Salzgitter mit seinen mehr als 2500 Beschäftigten hat bereits diverse Umstrukturierungen hinter sich gebracht. Die Busproduktion wurde ins Ausland verlegt, die Funktion als Bus-Zentrale verlor der Standort ebenfalls. Im Gegenzug erweiterte MAN seinerzeit die Lkw-Fertigung und baute auf dem riesigen Firmenareal ein Logistikzentrum. Zuletzt kamen rund 25 000 von 80 000 gefertigten MAN-Lkw aus der Stahlstadt.

Der Umbau bei dem Unternehmen trifft diesmal jedoch alle Werke. Insgesamt könnten 1000 bis 2000 von 33 500 Stellen im Lkw-Geschäft von MAN wegfallen, heißt es aus dem Konzern. Der Chef der Sparte, Joachim Drees, beteuerte gestern in einem Schreiben an die Mitarbeiter, das dieser Zeitung vorliegt: „Niemand muss sich Sorgen um seinen Job machen.“ Betriebsbedingte Kündigungen seien an allen Standorten ausgeschlossen.

Die neue Werkstruktur soll vermeiden, das an mehreren Standorten das Gleiche hergestellt wird. Dies soll binnen drei Jahren rund 600 Millionen Euro einsparen und die operative Rendite der MAN-Nutzfahrzeugsparte auf mindestens 6 Prozent in etwa verdreifachen. Das ist das Renditeziel, das Renschler den MAN-Managern jüngst vorgegeben haben soll.

Ziel des Konzepts für das Lkw-Geschäft von VW ist ein Werksverbund unter Einschluss auch von Scania. Dieser Schritt soll in den nächsten Monaten folgen. Insofern sind die jetzigen Veränderungen bei MAN nicht das letzte Wort. Damit könnte der MAN-Standort München unter Druck geraten. Denn die Domäne von Scania sind schwere Lastwagen, wie sie für MAN nach den neuen Plänen nur noch das Münchner Stammwerk baut.

Da Scania mit zuletzt 9,5 Prozent operativer Rendite als weltweit profitabelster Lkw-Hersteller gilt, stehen die Chancen für München dabei nicht sonderlich gut. Dies gilt auch für dortige Verwaltungsjobs der MAN SE. Denn mit Renschlers Lkw-Holding, die ihren Sitz in Hannover haben soll, werden sie zumindest zum Teil überflüssig.

Von Lars Ruzic und Thomas Magenheim

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