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Niedersachsen VW zeigt den neuen Golf
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen VW zeigt den neuen Golf
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08:47 05.09.2012
Von Stefan Winter
So sieht er aus, der Golf VII.
So sieht er aus, der Golf VII. Quelle: dpa
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Berlin

Sicher haben sie bei VW lange überlegt, wo er hingehört, der neue Golf. Vor Jahren genügte noch Wolfsburg für die Präsentation, und den Show-Teil erledigte der Bürgermeister, indem er "Stadt der Gölfe" aufs Ortsschild schrieb. Für die siebte Generation des Bestsellers sollte es am Abend dann doch die Neue Nationalgalerie in Berlin sein, der Bau von Mies van der Rohe. Großer Name, klare Linien, moderner Klassiker - wie der Golf, dachte man sich in der Konzernzentrale.

So kultiviertem Rahmen passt sich auch der Protest an. Zwei Dutzend Greenpeace-Aktivisten halten still und freundlich ihre Plakate hoch: "VW Golf - Klimaziel verfehlt", empfängt die vorfahrenden Gäste. Martin Winterkorn rollt um zehn nach acht vorbei und begrüßt lieber die genauso freundlichen und stillen Gegendemonstranten in ihren VW-T-Shirts. Beide Rituale sind eingespielt, seit Greenpeace VW zum Lieblingsgegner erkoren hat. Mit dem Golf wage VW umwelttechnisch nicht genug, findet Greenpeace.

Das Auto setze Maßstäbe, wird Winterkorn eine Stunde später bei der Präsentation sagen, "ein klares, unübersehbares Zeichen" für umweltfreundliche Technologie. Das "gesamte Spektrum alternativer Antriebe" kündigt er für das Auto an und erweitert kurzerhand "VW - das Auto" zu "das Umweltauto". Viel Grundsätzliches ist zu hören über Verantwortung und Werte, über Umwelt und die Bedeutung Europas. Der Golf soll für alles stehen, ist in der VW-Sicht längst "viel mehr als nur ein Auto".

Und dann, irgendwann gegen zehn Uhr, steht er endlich dort, eben doch ein Auto. Gestreckter als der Vorgänger, massig mit klaren Linien. Den größten Fortschritt sieht man nicht: Je nach Version soll er bis zu 100 Kilogramm leichter sein als der Vorgänger, ein Riesenschritt nach Jahrzehnten chronischer Gewichtszunahme.

Für VW ist dieses Auto immer noch etwas Besonderes, für Winterkorn sowieso und im Stillen auch für die Konkurrenz. Während VW den Neuen wahrscheinlich mit gemischten Gefühlen in eine europäische Marktschwäche hinein startet, hoffen die anderen auf einen Sog des Spitzenreiters für den ganzen Markt. "Der wird knallen ohne Ende", hat ein VW-fremder Manager am Nachmittag gesagt, bevor er das Auto überhaupt kannte.

Das muss er auch, denn an Konkurrenz fehlt es nicht. Allen voran wird Mercedes demnächst seine neue A-Klasse mit ähnlich großen Ambitionen an den Start schicken. Der Wettkampf wird interessant, denn während Mercedes den Bruch mit der Vergangenheit wagt und die A-Klasse komplett umkrempelt, setzt VW Bewährtes fort.

So ist das mit Klassikern. Der schnelle Effekt ist verboten, alles muss ungefähr bleiben, wie es war - nur eben besser.

Umso sicherer muss man sich der inneren Werte sein. Akribisch rechnet Entwicklungschef Ulrich Hackenberg die verborgenen Vorzüge vor. Man lernt, dass 100 Kilogramm 270 Cola-Dosen entsprechen, die der Golf nun nicht mehr mit sich herumfahren muss, und dass einzelne Modelle 23 Prozent Sprit gegenüber dem Vorgänger sparen. Der "Blue Motion" kommt inzwischen mit 3,2 Liter Normverbrauch aus - "Klassenbestwert" vermerkt Hackenberg, um unverzüglich die zahlreichen elektronischen Assistenzsysteme aufzuzählen, die man bisher nur aus der Oberklasse kennt. Der Preis werde dagegen im Kompaktsegment bleiben: Bei knapp 17000 Euro fängt wie bisher die Preisliste des Golf VII an.

Aber das mutet plötzlich alles wie Pflichtübung an, als der vermeintlich dröge Entwickler Hackenberg plötzlich anfängt, vom Berlin Ende der Sechziger zu erzählen, als er auf mühsamen Wegen hier zu diesem Gebäude kam, um Mies van der Rohes Werk zu sehen - "er war mein Hero". Winterkorn lässt sich ein bisschen anstecken, erzählt kurz darauf von diesem Golf-Moment, "auf den ich mich seit Monaten gefreut habe" und preist in ungewohnt warmer Tonlage dieses Auto und seine Mannschaft. Der Golf kann wohl tatsächlich mehr als andere Autos.

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