Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Niedersachsen Der letzte Senior geht
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Der letzte Senior geht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:02 07.08.2014
Von Lars Ruzic
„Ich würde es jederzeit wieder so machen“: Volker Wucherpfennig (links). Quelle: Archiv
Anzeige
Hannover

Die Kalauer hat er ertragen – immer wieder, jahrzehntelang. „Warum haben Sie nicht den Namen Ihrer Frau angenommen?“, war noch einer der amüsanteren. Doch Volker Wucherpfennig weiß genau, dass sein Nachname längst mehr Segen als Fluch ist. In hundert Jahren hat er sich bei den Hannoveranern eingeprägt. Sie gehen zu Wucherpfennig einkaufen – und nicht zu Edeka. Wolfgang und Volker haben aus dem Lebensmittelhändler in gut 25 Jahren an der Spitze einen kleinen Handelskonzern geschaffen – mit elf Läden, 650 Mitarbeitern und gut 80 Millionen Euro Umsatz. Und eine der stärksten lokalen Marken der Landeshauptstadt.

Nach Bruder Wolfgang hat sich nun auch Volker aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Nach 43 Jahren im Betrieb müsse Schluss sein, sagt der 64-Jährige. „Wir übergeben ein kerngesundes Unternehmen.“ Ein Blick in die Bilanz bestätigt dies: keinerlei Bankschulden, gut 40 Prozent Eigenkapitalquote, auskömmliche Margen. „Wenn die Junioren nicht alles verkehrt machen, wird das auch weiter so laufen“, sagt der Unternehmer. Die Junioren – die er fortan nicht mehr so nennen will – sind Volkers Sohn Torsten und Wolfgangs Sohn Stefan, die die beiden Seniorchefs schon vor Jahren ins Unternehmen geholt und ihnen nach und nach Anteile und Aufgaben überantwortet haben. Jetzt ist im Hause Wucherpfennig die fünfte Generation am Ruder – die Väter sitzen nur noch im Beirat.

Anzeige

Diese schrittweise Übergabe sei genau der richtige Weg für den Generationswechsel gewesen, sagt Volker Wucherpfennig. „Ich würde es jederzeit wieder so machen.“ Zudem habe die Familie bis heute die Gabe bewahrt, „sich ordentlich die Meinung zu sagen, sich hinterher aber auch wieder zusammenzuraufen“. So haben es die Hannoveraner geschafft, die gern bei Familienunternehmen auftretenden großen Zwistigkeiten zu unterbinden.

Deshalb zieht Volker Wucherpfennig nun auch einen klaren Strich. „Wenn man immer noch in Entscheidungen hineinredet, ist das für keinen gut“, sagt er. Die Söhne genießen das volle Vertrauen der Väter – aber: „Die Herausforderungen steigen“, sagt der Seniorchef. Der Wettbewerb im Lebensmittelhandel sei unverändert scharf, gleichzeitig würden die gesetzlichen Vorschriften immer weiter verschärft.

Und auch die Lebensmittler müssten sich mit neuen Konkurrenten aus dem Internet auseinandersetzen. Bei einigen Sortimenten wie Tiernahrung, Wein oder Staubsaugerbeuteln habe man schon Geschäft an die Onlinehändler verloren. „Aber ordentliche Frischware können nur wir bieten.“ Wucherpfennig Senior war selbst bis zum letzten Tag für das Obst- und Gemüsegeschäft verantwortlich – eines der Kernsortimente jedes Edeka-Markts. Das, so muss er dann doch einräumen, dürfte wohl auch ein Teil seiner Arbeit sein, den er wirklich vermissen werde.

Carola Böse-Fischer 05.06.2014
Stefan Winter 04.06.2014
Carola Böse-Fischer 03.06.2014