Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Niedersachsen Weizen ist im Überfluss auf dem Markt
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Weizen ist im Überfluss auf dem Markt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:05 02.12.2009
Von Carola Böse-Fischer
Eine gute Getreideernte haben die Landwirte eingefahren, jetzt sind die Preise unter Druck.
Eine gute Getreideernte haben die Landwirte eingefahren, jetzt sind die Preise unter Druck. Quelle: Rainer Surrey
Anzeige

An der US-Agrarbörse Chicago ziehen die Notierungen bereits wieder spürbar an, wie Konrad Weiterer, Vorsitzender des privaten Agrargewerbes Niedersachsen (agw) am Mittwoch in Hannover sagte. Grund sei, dass vor allem Hedgefonds wegen des schwachen Dollars auch wieder bei Agrarrohstoffen einstiegen.

Die Fakten am „physischen“ Markt sprechen laut Weiterer eine andere Sprache. Dort übersteige das Angebot als Folge der hohen Ernte und der Lagerbestände aus dem Vorjahr den Verbrauch deutlich. In Deutschland wurden 49,5 Millionen Tonnen Getreide geerntet, fast so viel wie 2008. Auf Niedersachsen entfielen wieder 6,8 Millionen Tonnen. In der EU lag die Menge bei 292 Millionen Tonnen, nach 311 Millionen Tonnen 2008.

Vor allem Weizen gibt es laut Weiterer „im Überfluss“. Der Export werde aber wegen ebenfalls guter Ernten in vielen Abnehmerländern und des starken Euro erschwert. Es sei deshalb nicht auszuschließen, dass die Preise sogar noch sänken, erklärte der agw-Chef, der auch Sprecher des gleichnamigen Landhandelsunternehmens in Algermissen ist.

Derzeit erlösen die Landwirte in Niedersachsen 115 Euro für die Tonne Weizen, bundesweit dürften es nach Angaben von Bruno Fehse, des Vorsitzenden des Bundesverbandes der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA), 10 Euro weniger sein. Vor einem Jahr waren es 125 Euro und im Boomjahr 2007 in der Spitze 300 Euro je Tonne.

Bei den Landwirten lagern laut Fehse 60 bis 70 Prozent der diesjährigen Getreideernte, weil sie gehofft hätten, dass die Preise wieder anzögen. Die Rechnung ging nicht auf. Der Landhandel rät daher den Bauern, für Teile ihrer Ernte mehr Verträge über feste Mengen abzuschließen. Dann würden sie vielleicht nicht den besten Preis erzielen, aber einen, der ihnen eine Rendite garantiere, hieß es. Bei großen Betrieben in den neuen Ländern sei dies längst Praxis. In Niedersachsen werden bei Weizen gerade einmal für 10 Prozent der Menge Kontrakte mit dem Landhandel geschlossen.

Wegen der niedrigen Preise erwartet die Branche, dass die Anbaufläche 2010 weltweit eingeschränkt wird. Dies spiegelt sich laut Weiterer bereits in den Börsenkursen wider, sie seien bis zu 10 Euro je Tonne höher als für die alte Ernte.

Unzufrieden sind die Kartoffelanbauer. Die Erntemenge in Deutschland stieg zwar um 2,2 Prozent auf 11,6 Millionen Tonnen, wie Walter Ulrich vom Deutschen Kartoffelhandelsverband sagte. Aber die Qualität der Knollen lasse oft zu wünschen übrig. Mit einem Anteil von 45 Prozent an der Ernte sei Niedersachsen größtes deutsches Erzeugerland.

02.12.2009
Dirk Stelzl 01.12.2009