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Niedersachsen Wieder eine Produktionspanne bei VW
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Wieder eine Produktionspanne bei VW
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20:13 29.10.2014
Von Stefan Winter
Jetzt schweißen sie wieder: In der Passat-Produktion gab es eine schwere Panne. Quelle: dpa
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Hannover/Emden

Ein VW-Sprecher bestätigte „Störungen“ in der Produktion und verwies auf den „sehr ambitionierten Anlauf“: In Emden laufen im Moment alte und neue Passat-Modelle parallel vom Band. Das Problem sei gelöst und habe nur eine begrenzte Zahl von Autos betroffen. Eine Softwarepanne habe die Probleme verursacht, erklärte VW.

Nach HAZ-Informationen steckte der Fehler in der Software von Schweißrobotern. Dadurch wurden Schweißpunkte falsch gesetzt, mehrere Hundert Rohkarosserien konnten nicht weiter verarbeitet werden. Ungeklärt ist, warum so viele fehlerhafte Karosserien durchlaufen konnten, bevor das Problem bemerkt wurde. Seit mehreren Tagen läuft die Produktion wieder normal, der Fehler hat ausschließlich die Passat-Fertigung betroffen. Gleichzeitig wurde bekannt, dass der Emder Produktionschef abgelöst worden ist. Dafür gebe es aber andere Gründe als die Produktionspanne, hieß es in Konzernkreisen.

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Der neue Passat wurde im Juli vorgestellt und soll Ende November bei den Händlern stehen. Für VW ist es die mit Abstand wichtigste Neueinführung dieses Jahres, einziges Produktionswerk ist Emden. Mit zuletzt rund 700 000 verkauften Autos pro Jahr gehört der Passat zu den wichtigsten Modellen im Konzern. Im Normalbetrieb dürften knapp 1000 Autos pro Tag in Emden vom Band laufen, derzeit sind es noch deutlich weniger.

VW hatte bereits beim Produktionsstart des Golf 7 mit hartnäckigen Problemen zu kämpfen, die ihre Ursache allerdings nicht in technischen Fehlern, sondern offenbar in Organisationsschwächen des Wolfsburger Werks hatten. In der Folge wurden mehrere Produktionsmanager verwsetzt, der im Konzernvorstand verantwortliche Michael Macht musste das Unternehmen im August verlassen. Ein Nachfolger ist noch nicht berufen. Vorübergehend hat Thomas Ulbrich, Produktionschef der Marke Volkswagen, auch die Konzernaufgabe übernommen.

Offenbar ist die Produktion inzwischen als eine der größeren Baustellen im Konzern identifiziert worden. Vorstandschef Martin Winterkorn hat jüngst angemahnt, dass die Produktivität dort gesteigert werden müsse. Teilweise seien Fabriken auch zu aufwendig konzipiert. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren reihenweise neue Werke errichtet. Weltweit gibt es inzwischen mehr als 100 Produktionsstandorte der zwölf Marken des Konzerns.

Quartalsbilanz: An diesem Donnerstag veröffentlicht der VW-Konzern die Zwischenbilanz für das dritte Quartal 2014. Von der Agentur Blomberg befragte Analysten erwarten im Durchschnitt 47,8 Milliarden Euro Umsatz, das wären 2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll demnach bei 2,8 Milliarden Euro praktisch stagnieren. Hier sind allerdings nicht die Gewinne der wachstumsstarken chinesischen Gemeinschaftsunternehmen enthalten. Sie schlagen sich im Nettogewinn nieder, der nach Einschätzung der Experten um ein Viertel auf 2,4 Milliarden Euro steigen dürfte. Besondere Aufmerksamkeit wird wieder das Ergebnis von VW Pkw bekommen. Die ertragsschwache Kernmarke steht im Mittelpunkt des Programms „Future Tracks“, mit dem die Rendite deutlich gesteigert werden soll.