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Niedersachsen Ausbau der Offshore-Windenergie kommt langsamer voran
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Ausbau der Offshore-Windenergie kommt langsamer voran
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00:22 24.01.2019
Die Luftaufnahme gibt einen Überblick über den ersten deutschen Offshore-Windpark „Alpha Ventus“ 45 Kilometer vor der ostfriesischen Insel Borkum
Die Luftaufnahme gibt einen Überblick über den ersten deutschen Offshore-Windpark „Alpha Ventus“ 45 Kilometer vor der ostfriesischen Insel Borkum Quelle: dpa
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Berlin/Hannover

Der Ausbau der Windenergie hat sich verlangsamt. Nach Angaben der Offshore-Branchenverbände wurden im vergangenen Jahr 136 neue Windkraftanlagen auf dem Meer installiert – das ist ein Minus von 23 Prozent im Vergleich zu 2017. Die aktuellen politischen Rahmenbedingungen drohten die weitere positive Entwicklung der Offshore-Windenergie in Deutschland auszubremsen, kritisierten mehrere Fachverbände am Montag in Berlin. „Wir sind gut beraten, wenn wir dramatisch mehr tun“, sagte Andreas Wellbrock, Geschäftsführer der Windenergie-Agentur WAB. Auch an Land rechnen die Verbände für 2018 mit einem Rückgang der Zahl der neu installierten Anlagen.

Im vergangenen Jahr stieg die Stromproduktion aus Offshore-Wind nach Angaben der Branche bei weiterhin sinkenden Kosten um rund 8 Prozent. Insgesamt speisten 1305 Offshore-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 6382 Megawatt ins Netz ein – das entspricht in etwa der Kapazität von sieben großen Kohle- oder Atomkraftwerken. Die Anlagen auf dem Meer hatten nach Berechnungen des Fraunhofer-Instituts zuletzt einen Anteil von 3,5 Prozent an der Stromversorgung.

Die Branche befürchtet, dass der Ausbau der Offshore-Windenergie ins Stocken gerät. Laut Koalitionsvertrag sollen 65 Prozent der deutschen Stromerzeugung bis zum Jahr 2030 aus erneuerbaren Energieträgern kommen. Dies sei jedoch mit dem derzeit vorgesehenen Zubau nicht zu realisieren, so die Branche. Deshalb müsse es noch im ersten Quartal dieses Jahres einen „Sonderbeitrag“ von 1500 Megawatt für die Installation neuer Kapazitäten bei der Offshore-Windenergie geben. Bis 2030 benötige die Offshore-Branche einen Ausbau auf mindestens 20 Gigawatt – bisher sind 15 Gigawatt geplant. Bis 2035 seien mindestens 30 Gigawatt nötig, hieß es.

Diese Forderung unterstützen auch die Küstenländer. Bereits im September vergangenen Jahres haben sie von der Bundesregierung im „Cuxhavener Appell 2.0“ verlangt, die Obergrenze für die Offshore-Energieleistung entsprechend anzuheben. Im Jahr 2014 hatte die Bundesregierung das ursprüngliche Ausbauziel von 25 Gigawatt bis 2030 auf 15 Gigawatt heruntergeschraubt, weil die Anlagen damals vergleichsweise teuer waren und man eine deutliche Anhebung der von den Verbrauchern zu zahlenden EEG-Umlage befürchtete. Inzwischen sind die Kosten jedoch deutlich gesunken. „Ohne die Nutzung der riesigen Potenziale in Nord- und Ostsee kann die Energiewende in Deutschland nicht gelingen“, hatte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) erklärt.

In vielen Ländern werde der Ausbau von Windkraft auf See vorangetrieben, sagte WAB-Geschäftsführer Wellbrock. Der Heimatmarkt aber breche wegen der Deckelung des Ausbaus zunehmend weg. Dies bereite vor allem kleineren und mittleren Betriebe Sorge. Viele der aktuell rund 26.000 Jobs in der Offshore-Windenergie seien gefährdet, zudem stehe die weltweite Technologieführerschaft deutscher Unternehmen auf der Kippe. Der Bundesverband Windenergie sieht jeden siebten der insgesamt 140.000 Arbeitsplätze in der Branche bedroht.

Von Jens Heitmann und Andreas Hoenig

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