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Niedersachsen Wird Hannover Vorzeigestandort?
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Wird Hannover Vorzeigestandort?
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11:34 17.11.2011
Von Lars Ruzic
Im Sommer erregte der Elektro-Golf noch Aufsehen in Hannover. Geht es nach der Metropolregion, soll er bald zum Stadtbild gehören. Quelle: Rainer Surrey
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Deutschland sucht die Super-Schaufenster: Eine Ausschreibung elektrisiert derzeit bundesweit Landespolitiker, Standortförderer und Manager. Die Bundesregierung will in bis zu fünf „Schaufenster“-Regionen Elektromobilität erlebbar machen und hat dafür 180 Millionen Euro bereitgestellt. Von Berlin bis Bottrop bilden sich derzeit Bündnisse, die sich als Vorzeigestandorte für die Zukunftstechnologie bewerben wollen. Bis Mitte Januar 2012 müssen sie ihre Anträge eingereicht haben.
Für Niedersachsen geht die Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg ins Rennen. Ministerpräsident David McAllister hat die Bewerbung zur Chefsache erklärt, ebenso wie Volkswagen-Spitzenmann Martin Winterkorn. Das allein ist allerdings noch kein Erfolgsgarant. Denn die Metropolregion mit ihren vier Millionen Einwohnern zählte bundesweit bislang nicht gerade zu den Vorreitern auf dem Gebiet.

Vor einigen Jahren reichte es nicht einmal zur Anerkennung als eine von acht Modellregionen. Und auch jetzt sind andere Bewerber schon weiter als die Südniedersachsen. Hamburg etwa, das schon 10 Millionen Euro für die kommenden Jahre eingeplant hat. Oder Stuttgart, wo Daimler gerade ein umfassendes Projekt für Carsharing mit 500 Elektro-Smarts vorgestellt hat. Berlin gilt als Bundeshauptstadt ohnehin als gesetzt. Bayern werden mit seiner Achse MünchenIngolstadt große Chancen eingeräumt, weil hier mit BMW und Audi gleich zwei Autohersteller ihren Sitz haben. Opel und die Rhein-Main-Region werben mit der Internationalität Frankfurts. Nordrhein-Westfalen glaubt als dicht besiedeltes Bundesland (und Heimat von Bundesumweltminister Norbert Röttgen) ebenfalls seine Argumente zu haben.

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Raimund Nowak ficht das nicht an. „Einige mögen einen kleinen Vorsprung haben“, sagt der Geschäftsführer der Metropolregion, „aber wir werden unsere Chance wahrnehmen.“ Noch sind die Standortförderer dabei, bestehende Projekte zu sammeln und neue anzustoßen, „die wir dann zum Schaufenster zusammenschieben“. VW werde das Elektroauto spätestens 2013 mit E-Golf und E-Up zum Massenprodukt machen. Über den Autobauer und Zulieferer wie Continental oder Johnson Controls gebe es in der Metropolregion ein großes Know-how in diesem Bereich.

Hinzu kämen die Kommunen und die kommunalen Versorger, mit denen Nowak und sein Braunschweiger Kollege Gerold Leppa die Infrastruktur E-Auto-freundlich gestalten wollen. Das beginnt bei den Ladesäulen und reicht über Gratisparkplätze für Elektroautos bis hin zu Gedankenspielen, welche Sondererlaubnis man Nutzern von Elektrofahrrädern einräumen könnte. „Der Bund räumt ausdrücklich ein, dass man hier bei dem einen oder anderen Punkt experimentieren kann“, sagt Nowak.
Bundesweit sollen die Schaufensterprojekte, die in gut einem Jahr starten werden, mindestens 100.000 E-Autos auf die Straße bringen – sei es über spezielle Angebote der beteiligten Hersteller, Flottenlösungen für die örtliche Wirtschaft oder ein Umrüsten in den Fuhrparks der beteiligten Kommunen. In der Metropolregion rechnet Nowak mit 10.000 E-Autos. Zum Vergleich: Derzeit sind es gut 200 – obwohl VW diverse Pilotprojekte in Wolfsburg und Hannover betreibt. „Von der Nachfrage her ist das darstellbar“, ist der Geschäftsführer sicher. Noch seien schließlich kaum E-Mobile aus Serienfertigung verfügbar.

Unklar ist noch, wo die Fahrzeuge am Ende unterwegs sind. Nowak tendiert dazu, „das ganze Gebiet zum Aktionsraum zu erklären“. Mit der Mischung aus Großstädten und ländlichen Regionen könne man in der Metropolregion die Eignung von E-Autos für Pendler besonders gut testen. Ob die Schaufenster-Jury das genauso sieht, will er in den kommenden Wochen erst einmal herausfinden. Gesetzt seien die Großräume BraunschweigWolfsburg und Hannover. Die Landeshauptstadt sei wegen ihrer Großmessen besonders gefordert, so Nowak. Schließlich sollten hier ausländische Gäste Mobilitätskonzepte der Zukunft nicht nur auf der Hannover Messe erleben, sondern auch im Stadtgebiet.

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