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Niedersachsen Wirtschaft wirbt für Freihandel
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Wirtschaft wirbt für Freihandel
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06:26 10.01.2017
Von Jens Heitmann
Sorge vor den Wahlen in Frankreich und Deutschland: Der IHK-Jahresauftakt.
Sorge vor den Wahlen in Frankreich und Deutschland: Der IHK-Jahresauftakt. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Hannover

Auch in Deutschland und Frankreich wachse der Widerstand gegen die Globalisierung und den Freihandel, sagte der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover, Christian Hinsch, am Montag beim Jahresauftakt. „Es ist unsere Aufgabe, diesen Tendenzen entschlossen entgegenzutreten.“

Um den Populisten den Wind aus den Segeln zu nehmen, forderte Hinsch die Unternehmensvertreter auf, die Zusammenhänge besser zu erklären. Viele Menschen freuten sich zwar über solide Einkommen und günstige Importgüter aus Fernost - sie rechneten diese Vorteile aber nicht den internationalen Freihandelsabkommen zu. „Stattdessen wird lang und breit über Chlorhühner debattiert, die niemand essen muss, wenn er nicht will.“

Große Hoffnungen auf eine vernunftbetonte Diskussion im Vorfeld der französischen Präsidentschafts- und der hiesigen Bundestagswahl macht sich der IHK-Chef hingegen nicht. Während auch international viele Fachleute den guten Zustand der deutschen Wirtschaft insbesondere den Reformen des Arbeitsmarktes und des Sozialsystems zuschrieben, werde dieses Erbe hierzulande schlecht gepflegt. „Wir sind dabei, die Agenda 2010 zurückzudrehen“, sagte Hinsch. „Aus der Rente mit 67 wurde für viele tatsächlich eine Rente mit 63.“

Vor diesem Hintergrund warnt die IHK vor „weiteren Wahlgeschenken“ im Bereich der Altersversorgung. Da sich die Zahl der Rentenbezieher ab 2030 durch das Ausscheiden der Babyboomer-Generation aus dem Arbeitsleben fast verdoppele, könne man nicht gleichzeitig das Rentenniveau und die Beitragssätze stabil halten. Unrealistische Versprechungen „sollten wir dann nicht beschönigend postfaktisch nennen, sondern das, was es wirklich ist: nämlich Lügen.“

Auch für Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil war das Jahr 2016 „nicht in erster Linie durch gute Nachrichten geprägt“. Der Erfolg der Populisten werfe eine Vielzahl von Fragen auf. „Die Zukunft verspricht herausfordernder zu werden, als es die Vergangenheit gewesen ist“, sagte der SPD-Politiker.

Die Ausgangslage findet er jedoch vielversprechend: Niedersachsen mache große Fortschritte bei „Digitalisierung und Demografie“. Auch dank der Flüchtlinge wachse die Bevölkerung wieder - nun gelte es, die Emigranten in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Diese Aufgabe werde in diesem Jahr größer, weil im Verlauf der nächsten Monate viele Tausend Flüchtlinge ihre Sprachkurse beenden und sich daher auf die Suche nach Jobs machen werden. Weil forderte die Unternehmen auf, ihre Anstrengungen auf diesem Feld noch einmal zu intensivieren.

06.01.2017
Jens Heitmann 05.01.2017