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Niedersachsen Wolters ist wieder Privatbrauerei
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Wolters ist wieder Privatbrauerei
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15:04 25.04.2009
Von Carola Böse-Fischer
Wolters-Manager Peter Lehna. Quelle: Handout
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Für Peter Lehna ist dies eine persönliche Genugtuung. Im Oktober 2006 hatten er und drei weitere ehemalige Manager des hannoverschen Bierkonzerns Gilde den Neustart bei Wolters gewagt und damit das Unternehmen, das der Biergigant InBev zusammen mit der Gilde geschluckt hatte, vor der Schließung gerettet.

Für 8,3 Millionen Euro, in monatlichen Raten von 110.000 Euro zu zahlen, übernahm das Manager-Quartett Wolters von InBev – und brachte die Regionalbrauerei wieder auf Kurs. Dadurch wurde es möglich, jetzt einen Schlussstrich unter das Kapitel InBev zu ziehen, wie Lehna dieser Zeitung sagte. Der Restkaufpreis von noch 4,5 Millionen Euro wurde auf einen Schlag an InBev ausgezahlt. Damit ist Wolters laut Lehna „wieder voll und ganz ein Bestandteil der Löwenstadt und InBev-freie Zone“.

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Letztlich machte das die zur Nord/LB gehörende Braunschweigische Landessparkasse möglich, die Wolters einen Kredit für die restliche Kaufpreissumme mit einer Laufzeit von zehn Jahren gewährte. Zu 70 Prozent ist er über eine Landesbürgschaft abgesichert.

Lehna wertet dies als Vertrauensbeweis dafür, dass man auf dem richtigen Weg sei. So hat sich die Brauerei wieder als Marktführer im Braunschweiger Land etabliert und beschäftigt knapp 120 Mitarbeiter. Rund 2 Millionen Euro Biersteuer zahle Wolters jährlich an das Land, sagte Lehna. Vielleicht ist auch deshalb das gesamte Projekt „in nur vier Wochen“ über die Bühne gegangen.

Dieses „Braunschweiger Modell“ mit dem Leitsatz „in der Region, mit der Region, für die Region“ solle zugleich ein Signal für Unternehmenskooperationen in Braunschweig setzen, erklärte Lehna.

Doch ohne das persönliche Engagement der vier Gesellschafter, die zugleich Geschäftsführer der Brauerei sind, wäre das Finanzierungskonzept möglicherweise nicht zustande gekommen. Sie übernehmen persönliche Bürgschaften, und sie haben sich verpflichtet, „dem Unternehmen solange keine Gewinne zu entziehen, bis das Darlehen getilgt ist“.

Alles, was bei Wolters in den nächsten zehn Jahren erwirtschaftet werde, bleibe im Unternehmen. Das neue Finanzierungskonzept verschafft Wolters mehr Liquidität, weil die Tilgungsraten laut Lehna geringer sind als die Ratenzahlungen an InBev. Zudem gehören der Brauerei mit der vollständigen Begleichung des Kaufpreises jetzt auch die Rechte an der Marke Wolters.

Die „Befreiung“ von InBev hat nach Ansicht des Managers aber auch einen „wichtigen psychologischen Effekt“. Er sei selbst ein InBev-Geschädigter, der nach der Gilde-Übernahme „entsorgt“ worden sei, sagt Lehna. Deshalb verspricht er sich nun einen Motivationsschub bei den Mitarbeitern.

Das laufende Jahr hat sich jedenfalls trotz Krise für Wolters gut angelassen. Das Absatzgebiet, das sich bislang 50 Kilometer rund um Braunschweig erstreckte, wurde bis nach Hannover ausgedehnt. Hier mache Wolters gute Neugeschäfte in Gastronomie und Handel, sagte Lehna. Im vergangenen Jahr habe man bereits 100 Gastronomiekunden aus dem Harz und dem angrenzenden Sachsen-Anhalt neu gewonnen.

Der Umsatz wuchs von 21 auf 25 Millionen Euro. Von den 450.000 abgesetzten Hektolitern Bier entfiel die Hälfte auf die Wolters-Marken, die andere Hälfte auf Handelsmarken für eine frühere InBev-Tochter und einen Getränkehändler. Das Ergebnis war nach Angaben von Lehna wieder positiv.