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Niedersachsen e.on stößt Müllsparte ab
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen e.on stößt Müllsparte ab
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18:03 08.03.2012
Von Jens Heitmann
Energy from Waste: Die Müllverbrennungsanlage in Lahe. Quelle: Archivfoto: Steiner
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Hannover

Der Energiekonzern e.on treibt den Verkauf seines Abfallgeschäftes voran. Nach Informationen dieser Zeitung sollen Interessenten bis Ende März ihre Angebote für die e.on Energy from Waste AG vorlegen. Der Verkauf solle spätestens bis Ende des Jahres über die Bühne gehen, verlautete am Donnerstag aus Unternehmenskreisen. Der Konzern habe Barclays und die Royal Bank of Scotland mit dem Verfahren beauftragt. In der Sparte hat e.on seine Aktivitäten in der Abfallverbrennung konzentriert.

Als erster möglicher Käufer meldete sich am Donnerstag der hannoversche Bauunternehmer Günter Papenburg, der mit 15 Prozent an der Müllverbrennungsanlage im Stadtteil Lahe beteiligt ist. „Wir haben Interesse an weiteren Anteilen", sagte Papenburg. Die Aussage beziehe sich nicht nur auf die Anlage in Lahe, sondern auf die gesamte e.on-Sparte. Zur Höhe des angestrebten Anteils wollte sich Papenburg nicht äußern. Branchenkenner erwarten, dass der geplante Verkauf auch Finanzinvestoren anlocken wird.

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Das vor der Umbenennung in e.on Energy from Waste als Braunschweigische Kohlen-Bergwerke (BKB) bekannte Unternehmen hat seinen Sitz in Helmstedt und betreibt europaweit 18 Müllverbrennungsanlagen mit einer Jahreskapazität von vier Millionen Tonnen. Die Müllöfen produzieren Strom und Wärme.

Im vergangenen Jahr erzielte e.on mit dem Geschäft einen Umsatz von 544 Millionen Euro, zum Ertrag äußert sich der Konzern nicht. Nach Angaben aus Bankenkreisen erzielte die Gruppe mit rund 1300 Mitarbeitern einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 200 Millionen Euro. Der Gewinn in Lahe lag 2009 bei knapp 7 Millionen Euro, daran habe sich wenig geändert, hieß es. Der Wert des gesamten Unternehmens wird auf bis zu 1,8 Milliarden Euro geschätzt.

Konzernintern gilt die Sparte schon länger als Verkaufskandidat. e.on-Chef Johannes Teyssen hat bereits eine Reihe von Geschäften abgestoßen und will auf diese Weise bis Ende nächsten Jahres insgesamt rund 15 Milliarden Euro einnehmen – 9 Milliarden Euro hat er bereits erlöst.

Am Müllgeschäft hat man in der Düsseldorfer Zentrale schon länger kein strategisches Interesse mehr. In den vergangenen Jahren habe es immer wieder Verkaufsgerüchte gegeben, hieß es am Donnerstag in Unternehmenskreisen. Als sie im vergangenen Sommer erstmals konkreter wurden, habe das niemanden mehr überrascht.

Der deutsche Markt für Müllverbrennungsanlagen gilt als gesättigt, das Unternehmen sucht daher schon länger im Ausland nach Wachstumschancen. Derzeit habe man besonders Großbritannien und Polen im Auge, sagte ein Beteiligter. Der Mutterkonzern habe diese Bestrebungen immer unterstützt.

Lars Ruzic 07.03.2012