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Wissen 69 Millionen Euro für hannoversche Hochschulen
Nachrichten Wissen 69 Millionen Euro für hannoversche Hochschulen
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22:03 20.05.2010
Quelle: HAZ (Archiv)
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Großer Erfolg für den Wissenschaftsstandort Hannover: Mit 69 Millionen Euro werden Bund und Land zwei Forschungsneubauten fördern, in denen künftig Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule (MHH), der Leibniz Universität und die Tierärztliche Hochschule (TiHo) unter einem Dach zusammenarbeiten. Nach HAZ-Informationen hat der für die Bewilligung der Projekte zuständige Wissenschaftsrat in Bonn am Donnerstag grünes Licht für die Finanzierung der Projekte gegeben.

Den Zuschlag gab es zum einen für das 53 Millionen Euro teure, bundesweit einmalige Niedersächsische Zentrum für Biomedizintechnik und Implantatforschung (NZ-BMT). Auch das Konzept für das Biomolekulare Wirkstoffzentrum (BMWZ), das mit einer Summe von rund 16 Millionen Euro veranschlagt ist, konnte sich in der Wettbewerbsrunde durchsetzen. Beide Projekte gelten als Vorreiter für eine fächerübergreifende Forschung und Entwicklung.

Im NZ-BMT werden Mediziner, Ingenieure und Naturwissenschaftler aus 20 Instituten von MHH, Uni und TiHo an verbesserten Implantaten forschen. Dazu zählen etwa Herzschrittmacher, Hüftprothesen, Hörhilfen und Zahnimplantate aus innovativen Nano- und Biomaterialien, die besser verträglich sind und länger halten sollen. Der 7000 Quadratmeter große Forschungsbau, in dem bis zu 330 Wissenschaftler arbeiten werden, soll bis 2013 in Nachbarschaft zur MHH im Medical Park in Groß-Buchholz entstehen. Schon jetzt arbeiten dort zwei interdisziplinäre Forschergruppen an neuartigen Implantaten; sie werden nach der Fertigstellung in den neuen Komplex übersiedeln.

Im BMWZ, das auf dem Uni-Campus am Schneiderberg entstehen soll, kooperieren Chemiker, Biologen und Biochemiker der Leibniz-Uni mit MHH-Wissenschaftlern. Die Hannoveraner arbeiten zudem mit dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und der dortigen Universität. Ziel der 13 Arbeitsgruppen ist es, neue Wirk- und Naturstoffe zu erforschen, die bis hin zur klinischen Erprobung entwickelt werden sollen. Zum Beispiel testen die Experten ein neues potenzielles Krebsmedikament auf der Basis des Naturstoffes Argyrin. Bei krebskranken Mäusen konnten damit das Tumorwachstum gebremst und die Krebswucherungen zerstört werden. Im Tierversuch hat Argyrin bisher keine Nebenwirkungen und keine Wechselwirkungen mit anderen Mitteln gezeigt hat. Die Wissenschaftler wollen nun herausfinden, ob und wie die Substanz beim Menschen wirkt.

Die Kosten beider Neubauprojekte werden sich Bund und Land jeweils zur Hälfte teilen. Die Planungen sehen vor, dass die Kooperationspartner des NZ-BMT Personal- und Materialkosten für den laufenden Betrieb aus den eigenen Budgets bestreiten. Ziel ist es, dass sich das Forschungszentrum auf längere Sicht durch Drittmittel privater Geldgeber sowie Dienstleistungsaufträge selbst trägt.

Die drei beteiligten Hochschulen wollten den Erfolg in der Wettbewerbsrunde des Wissenschaftsrates am Donnerstag noch nicht kommentieren. Für Freitag ist eine Stellungnahme angekündigt.

Juliane Kaune