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Wissen Rekord: Polarfuchs wandert in 76 Tagen von Norwegen nach Kanada
Nachrichten Wissen Rekord: Polarfuchs wandert in 76 Tagen von Norwegen nach Kanada
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15:54 03.07.2019
Dieser junge Polarfuchs wird in der Nähe eines Gletschers in Krossfjorden auf Spitzbergen mit einem Satellitensender ausgestattet. Danach verblüffte sie norwegische Forscher und wanderte innerhalb von 76 Tagen von Spitzbergen bis nach Kanada. Quelle: Elise Strømseng/Norwegian Polar Institute
Tromsø

Dass dieses kleine Polarfuchsweibchen, das norwegische Wissenschaftler auf Spitzbergen am 14. Juli-Gletscher gefangen und mit einem GPS-System ausgestattet hatten, alle Rekorde brechen würde, konnten die Forscher des Norwegischen Polarinstituts nicht ahnen. Doch es ist das erste Tier, von dem nachgewiesen werden konnte, dass es von einem Kontinent zum anderen gelaufen ist – und dabei verschiedene Ökosysteme gequert hat.

„Wir glaubten nicht, dass das wahr sein kann“, sagt Eva Fuglei, Polarfuchs-Expertin des Norwegischen Polarinstituts in Tromsø. „Könnte es sein, dass jemand den Kadaver des Tieres gefunden hat, das Halsband entfernt und auf ein Boot mitgenommen hatte, fragten wir uns. Aber die Antwort konnte nur Nein lauten – denn kein Boot kann derlei lange Strecken auf Eis zurücklegen. Also entschlossen wir uns, weiter zu verfolgen, was der Fuchs noch so tun würde.“

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Polarfuchs zwischen den Kontinenten: die Route des Tieres zwischen Spitzbergen und Kanada. Quelle: Illustration: Arnaud Tarroux / NINA

Am 26. März 2018 verließ die Polarfuchs-Fähe die größte Insel des Spitzbergen-Archipels. Drei Wochen später, am 16. April, erreichte das Tier, nach 1512 Kilometern auf dem Meereis, grönländisches Festland. Fuglei und der Wissenschaftler Arne Tarroux vom „Norwegischen Institut für Naturforschung“ (NINA) sind Autoren einer Studie, die in der Zeitschrift „Polar Resarch“ des Polarinstituts veröffentlicht wurde.

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Das Jungtier verblüffte die Forscher weiter. Denn in Grönland war noch längst nicht die Endstation. Nach insgesamt 76 Tagen und 3506 Kilometern über Eis und Gletscher erreichte die Fähe die kanadische Insel Ellesmere Island. Addiert man noch die Strecke vom 14. Juli-Fjord bis zu dem Ort, an dem das Tier Spitzbergen verließ hinzu, legte es innerhalb von vier Monaten sogar 4415 Kilometer zurück.

Zart, aber zäh: ein junger Polarfuchs auf Spitzbergen. Quelle: Eva Fuglei/Norsk Polarinstitutt

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Wo das Tier heute ist, ist unklar: Das Halsband hat im Februar dieses Jahres den Geist aufgegeben. Damals war das Tier noch auf Ellesmere Island. Dort, so Fuglei, könnte das Tier, das zur Art der Küstenfüchse gehört, gänzlich andere Nahrungsvoraussetzungen als auf Spitzbergen vorgefunden haben. Ob das Tier weitergezogen ist oder sich der neuen Umgebung angepasst hat, ist unklar. Klar ist aber, dass das anhaltende Abschmelzen des arktischen Eises auch den Lebensraum der Polarfüchse gefährdet. Schon jetzt seien große Bestände der Tierart auf kleinen Inseln in der Arktis isoliert, die früher von Eis umgeben waren. „Sollte die Entwicklung sich so fortsetzen, werden auch die Polarfüchse von Spitzbergen bald isoliert sein“,ergänzt Eva Fuglei.

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Von Daniel Killy/RND