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Wissen Darum sollte „Glück“ auf dem Stundenplan stehen
Nachrichten Wissen Darum sollte „Glück“ auf dem Stundenplan stehen
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10:00 22.06.2019
Glück sollte zum festen Bestandteil des Schulunterrichts werden – als etabliertes Fach auf dem Stundenplan zum Beispiel. Quelle: RND
Hannover

Leistungsdruck, Computersucht, Schlafmangel, Konzentrationsstörungen, Mobbing – die Schlagzeilen über die Herausforderungen von Kindern und Jugendlichen erwecken nicht gerade den Eindruck, als ob eine glückliche Kindheit heute selbstverständlich wäre. Kann Schule dem Glück auf die Sprünge helfen? Ernst Fritz-Schubert ist davon überzeugt. Bereits 2007 führte der Oberstudiendirektor und damalige Leiter der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg das Unterrichtsfach Glück ein.

Die Persönlichkeit der Schüler ganzheitlich fördern

Inzwischen gibt es mehr als 100 Schulen in Deutschland sowie rund 50 in der Schweiz und Italien, die ihre Schüler neben Mathe, Englisch und Deutsch auch im Glücklichsein unterrichten. Glück als Bestandteil des Curriculums? Für den Mannheimer Glückstrainer Dominik Dallwitz-Wegner ist das naheliegend. „Es muss in der Schule darum gehen, die Persönlichkeit der Schüler so zu fördern, dass sie mit den Herausforderungen der Welt umzugehen lernen“, sagt er. Aber kann man Glück lernen? „Das ist wie die Frage, ob man Sattsein erlernen kann“, findet er. „Sattsein ist ein Gefühl, das man sicher nicht üben kann. Aber ich kann lernen, was ich wie wann essen muss, damit ich langanhaltend satt bin und leistungsfähig bleibe“, sagt der Soziologe.

Aus den 150 Stunden umfassender Fortbildung für das Schulfach Glück, weiß er, dass Pädagogen ihren Schülern Lebenskompetenz vermitteln wollen. Die Lehrerausbildung indes sei stark auf die Fächerinhalte ausgerichtet. „Lehrer aber spüren, dass die Welt komplexer geworden ist, dass Druck und Ansprüche steigen. Sie suchen nach Entlastung – und sie wollen ihre Schüler stärken“, meint er.

An den Stärken der Kinder orientieren

Das ging auch Martina Reiske so, die die Sudbrackschule in Bielefeld leitet. 360 Kinder besuchen die Grundschule. 2015 ließ Reiske sich am Fritz-Schubert-Institut in Sachen Glück weiterbilden. Inzwischen sind alle Lehrer und Betreuer ihrer Offenen Ganztagsschule Glücksprofis. Für Reiske ist das die Voraussetzung, damit sich die positive Pädagogik, die sich an den Stärken der Kinder orientiert, ganzheitlich durch das Schulleben zieht.

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In den Augen der Pädagogin stehen oft Eltern dem Glück der Kinder im Wege. „Viele Eltern haben einen Plan für ihr Kind. Sie fragen aber nicht, was ihr Kind möchte. Sie sind schnell mit Nachhilfe zur Hand, wenn es nicht so läuft, wie sie es sich vorstellen – für Kinder häufig eine Negativspirale.“

In Grundschulen, findet Reiske, kämen handwerkliche Begabungen zu kurz. „Ich stand neulich mit dem Regenschirm vor der Schule, um die Kinder wie jeden Morgen zu begrüßen. Der Schirm ging kaputt. Ich drückte ihn einem Viertklässler in die Hand, von dem ich wusste, dass er geschickt mit den Händen ist und sagte: ‚Hier, du kannst das sicher reparieren.‘“ Der Junge tat das – und strahlte.“

Ziele setzen und dranbleiben: Das macht glücklich

Lob, Bestätigung, Freude an der eigenen Leistung, sich etwas vornehmen und dranbleiben, Hürden aus dem Weg räumen – das sind auch Susanne Pflügers Zutaten für ihren Glücksunterricht. Zweimal in der Woche schult sie an der Berufsbildenden Schule Ritterplan, einer Schule für Ernährung, Gesundheit und Soziales in Göttingen, ihre Klasse in Sachen Lebensglück. Ihre Schüler besuchen die Berufseinstiegsstufe, sind früh aus dem allgemeinbildenden Schulsystem gefallen. „Drogen, alkoholkranke Eltern, frühe Schwangerschaften, Gefängnisaufenthalte – meine Schüler hatten es schwer“, sagt die 58-Jährige, die Fußpflege, Kosmetik- und Frisörhandwerk unterrichtet und für die Landesschulbehörde als Beraterin für Gesundheitsförderung von Schülern tätig ist.

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In Rollenspielen lernen Pflügers Schüler Verantwortung zu übernehmen und nicht alles mit ihren familiären Rahmenbedingungen zu entschuldigen. Dabei helfen Visualisierungen. Die Schüler stellen sich vor, wo sie in fünf Jahren stehen. „Dann bin ich Kosmetikerin“, sagt eine Schülerin. „Was wäre der erste Schritt?“, fragt Pflüger. „Ich muss immer pünktlich zur Schule kommen“, lautet die zaghafte Antwort.

Und dann wird es konkret. Das Datum des morgigen Tages wird auf einem Kärtchen notiert: „Ab morgen komme ich immer pünktlich zur Schule“, steht darauf. Die Karte nimmt die Schülerin mit nach Haus. Die Einsicht: Es beginnt immer mit dem ersten Schritt. „Dranbleiben, Geduld haben, warten – darin sind Jugendliche heute oft nicht gut“, sagt Pflüger, „ein neues Handy, neue Klamotten, ihre Bedürfnisse werden schnell erfüllt. Sie müssen lernen, für etwas zu arbeiten.“ Für das neue Fach arbeiten die Schüler gern. „Fällt mal eine Stunde aus, fordern sie ihr ‚Glück‘ ein“, sagt Pflüger.

Digitale Aktionsräume verantwortungsvoll füllen

Erfolgserlebnisse, sich anstrengen, etwas schaffen – das sind auch für Ernst Fritz-Schubert Erfahrungen, die Glücksempfindungen auslösen. Immer nur der Lust zu folgen, dem schnellen, sofortigen Konsum, erzeuge kein Glück, sondern Frust. Letztlich geht es um Selbstaufmerksamkeit, Selbstwirksamkeit, Selbstregulierung. Was tut mir gut, was nicht? Stundenlang am Computer spielen, Süßigkeiten und Chips essen: Die Lust ist da. Aber geht es mir hinterher gut? Wie gelingt es mir, mich selbst zu regulieren? Gerade die digitale Welt öffnet Aktionsräume, die es verantwortungsvoll zu füllen gilt. Kinder und Jugendliche müssen lernen, mit dieser Freiheit umzugehen und sie so zu nutzen, dass es ihnen guttut.

Visionen vom eigenen Leben entwickeln

Es ist die von Psychologen als Metakompetenz bezeichnete Fähigkeit, die Jugendlichen heute zunehmend fehlt und die das Fach Glück in die Klassenräume bringen will. Das an den Schulen vermittelte Fachwissen, kritisieren viele, werde häufig mit grundlegender Kompetenz verwechselt, mit der Fähigkeit, das Leben zu meistern. Das Fach Glück schult diese Kompetenz, die Schüler werden zu Experten ihrer selbst. Sie lernen ihre Bedürfnisse kennen, lernen, sich Ziele zu setzen und auf sich selbst achtzugeben.

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Der Lehrer tritt im Vergleich zu Fachstunden wie Physik oder Französisch in den Hintergrund. Er schlüpft in die Rolle des Begleiters. Für Karlheinz Ruckriegel ist das der richtige Weg. „Wir wissen, dass Kinder sich wünschen, einbezogen und ernst genommen zu werden“, sagt der Nürnberger Professor für interdisziplinäre Glücksforschung, „sie wünschen sich mehr Zeit. Zeit für sich selbst und für die Interaktion mit anderen. Das alles kann ihnen das Fach Glück an der Schule geben.“

Was macht uns glücklich?

Selbstbestimmung und Freiheit, Freundschaften und stabile soziale Beziehungen, Vertrauen zu anderen, Selbstwertgefühl, Zutrauen in eigene Fähigkeiten und Stärken, sich als selbstwirksam erleben, nicht nur lustorientiert handeln, sondern sich selbst regulieren können, eigene Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen und ihnen Raum geben, sich realistische Ziele setzen und versuchen, diese zu erreichen, Werte leben – wie Respekt, Mut, Gerechtigkeit und Menschlichkeit.

Von RND/Julia Pennigsdorf

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