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Wissen Der amtliche Führerschein wird 100 Jahre alt
Nachrichten Wissen Der amtliche Führerschein wird 100 Jahre alt
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08:39 29.04.2009
Quelle: Norbert Millauer/ddp
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Auf der ersten Seite, Paragraf 2, hieß es: „Wer auf öffentlichen Straßen oder Plätzen ein Kraftfahrzeug führen will, bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde. Die Erlaubnis gilt für das gesamte Reich; sie ist zu erteilen, wenn der Nachsuchende seine Befähigung durch eine Prüfung dargetan hat und nicht Tatsachen vorliegen, die die Annahme rechtfertigen, dass er zum Führen von Kraftfahrzeugen ungeeignet ist. Den Nachweis der Erlaubnis hat der Führer durch eine Bescheinigung (Führerschein) zu erbringen.“

Dieses und vieles Wissenswerte rund um die Geschichte der Fahrerlaubnis veranschaulicht die Ausstellung “100 Jahre Führerschein“ im Düsseldorfer Meilenwerk bis Ende Mai. Der Eintritt ist frei. Auf rund 300 Quadratmetern zeigt die Ausstellung unter anderem über 100 historische Führerscheine, Emaille-Straßenschilder mit Werbeaufdrucken, Zeiger-Ampeln, Fahrschul-Modelle, alte Verkehrsfilme und die Entwicklung der Fahrschulen im Laufe der Epochen. Bildtafeln erzählen die Geschichte des Führerscheins und in Glasvitrinen lagern teils seltsam anmutende Dokumente aus über 100 Jahren Mobilität.

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Bis Ende der 50er Jahre galt Autofahren in der Bundesrepublik als Männersache. Begehrte eine Frau den „grauen Lappen“, war sie auf den guten Willen des Herrn Gemahls angewiesen. Denn ohne seine Erlaubnis blieb der Gattin der Führerschein verwehrt. Das änderte sich erst am 1. Juli 1958 mit Inkrafttreten des „Gesetzes über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts“. Frauen erhielten also eher das Wahlrecht - schon 1919 - als ohne die Einwilligung des Mannes den Führerschein machen zu dürfen.

Die kaiserliche Regelung für ganz Deutschland löste die Ausweisflut der vielen unterschiedlichen Verwaltungsgebiete im Deutschen Reich ab - darunter die vier Königreiche Preußen, Bayern, Württemberg und Sachsen sowie elf Herzog- und sieben Fürstentümer. Zuvor verloren manche „Motorwagen-Erlaubnis-Scheine“ beim „Grenzübertritt“ ihre Gültigkeit und dem Fahrer drohte neben der Verhaftung auch die Beschlagnahme seines Autos. Ein Kuriosum am Rande: Karl Krieger, der Chauffeur des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., besaß nie einen „echten“ Führerschein, da er es verpasst hatte, seine „Lenkbefähigung“ von 1903 bis zum Stichtag gegen den Einheitsführerschein umzutauschen.

Führerscheine sind zugleich Zeitzeugen - etwa aus dem besetzten Rheinland, der Inflations- oder Nachkriegsära. Und: In der DDR gab es gar keinen „Führerschein“. Der hieß dort „Fahrerlaubnis“, da das Wort „Führer“ zu negativ besetzt schien.

ddp