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Wissen Die Chemie der Liebe: Wie ein Hormon Paare aneinander binden kann
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06:32 10.10.2019
Dopamin versetzt unseren Körper in einen Rauschzustand, durch den sich Verliebtsein anfühlt wie ein Drogentrip. Quelle: Erzebet Prikel/Pixabay

Herzrasen, schwitzige Hände und ein flaues Gefühl im Magen. Was nach den Symptomen einer ernst zu nehmenden Krankheit klingt, sind in Wahrheit untrügliche Anzeichen für Verliebtheit. Denn wenn wir uns verlieben, überfluten körpereigene Chemikalien unser Gehirn und lösen eine Vielzahl von körperlichen und emotionalen Reaktionen aus.

Weil im Belohnungssektor unseres Gehirns Dopamin aktiviert wird, fühlt sich der Zustand der Verliebtheit an wie ein Rausch. Diese Euphorie ist vergleichbar mit dem Gefühlszustand, der durch den Konsum von Alkohol oder Kokain ausgelöst wird. Einen besonders großen Einfluss auf das Glücksgefühl hat ein Molekül namens Phenylethylamin (PEA). Diese chemische Substanz soll sogar der Grund sein, warum wir uns verlieben.

Liebe ist wie eine Drogensucht

Scheinbar hat das körpereigene Hormon Phenylethylamin einen maßgeblichen Einfluss darauf, ob wir uns verlieben. Die Substanz kommt in kleinen Mengen auch in Bittermandelöl und Schokolade vor und ist wohl verantwortlich für die sprichwörtlichen Schmetterlinge im Bauch von frisch Verliebten. Dieser Theorie ging der australische Chemiker Peter Godfrey anhand der Blutwerte von verliebten Probanden nach. Die PEA-Blutwerte waren bei den frisch verliebten studentischen Probanden auffällig erhöht.

Doch das für Lust- und Glücksempfinden verantwortliche Phenylethylamin findet sich nicht nur in den Körpern verliebter Menschen. Das Grundgerüst des chemischen PEA-Moleküls kommt ebenfalls in halluzinogenen Drogen wie LSD oder Meskalin vor. Ist die Vorstufe der Liebe also nur ein Rauschzustand?

Gehirn-Scans zeigen Gemeinsamkeiten bei Verliebten

Mit der Chemie des Verliebtseins beschäftigt sich auch die bekannte US-Anthropologin Helen Fisher. Um zu verstehen, was sich in den Gehirnen Verliebter abspielt, analysierte ihr Team 2500 MRT-Scans. Ziel der bahnbrechenden Studie war es, zu erkennen, welche Hirnareale bei der Liebe involviert sind. Mittels Computertomografie wurden von den seit höchstens sieben Monaten verliebten Studenten Hirn-Scans angefertigt. Zuerst betrachteten sie ein Foto der oder des Angebeteten und anschließend das einer unbekannten Person. Besondere Aktivität zeigten dabei zwei Hirnareale: Das Belohnungszentrum Nucleus Caudatus und der für unser Vergnügen zuständige ventrale Tegmentbereich.

Wenn das Gehirn einmal auf Liebe eingestellt ist, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit enorm, sich auch tatsächlich zu verlieben.

Helen Fisher, US-Anthropologin

Beide Regionen des Gehirns produzieren Dopamin, das uns dazu bringt, die Aufmerksamkeit voll und ganz auf das Objekt unserer Begierde zu richten. Und es ist dafür verantwortlich, wenn wir uns ständig danach sehen, mit dem oder der Liebsten vereint zu sein. Ähnliche Symptome und vergleichbar hohe Dopamin-Werte treten nur bei der Abhängigkeit von Drogen auf.

Was folgt auf Verliebtheit?

Allerdings geht der dopamingeschwängerte Zustand der Verliebtheit nach maximal drei Jahren vorbei. Denn mit der Zeit weicht das Phenylethylamin immer mehr dem als Liebeshormon bekannten Oxytocin, das Gefühle der Zufriedenheit, Gelassenheit und Geborgenheit auslöst. Die Folge: Eine stabile Bindung mit unserem Partner wird uns wichtiger als der Sex.

Doch eine 2011 an der Stony Brook University durchgeführte Studie ergab: Auch nach Jahrzehnten der Ehe ist es möglich ist, verliebt zu sein. Das Forscherteam, zu dem auch Fisher gehörte, führte auch hier MRT-Untersuchungen des Gehirns durch. Die Probanden waren diesmal Paare, die im Durchschnitt 21 Jahre verheiratet waren.

Die amerikanischen Forscher fanden heraus, dass die dopaminreichen Areale des Gehirns genau so aktiv waren, wie bei Paaren, die sich gerade verliebt hatten. Wenn sich der Blick durch die rosarote Brille im Laufe einer Beziehung wieder normalisiert, bedeutet das also nicht deren Ende - im Gegenteil: Auch wenn das ständige Verlangen nach dem Partner nachlässt, werden die Belohnungs- und Vergnügungsbereiche des Gehirns weiterhin aktiviert.

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Aber Godfrey und Fisher denken weiter - ihrer Meinung nach könnte es schon in nicht allzu ferner Zeit möglich sein, das Gefühl der Verliebtheit auch künstlich zu erzeugen. Von einer synthetischen Liebes-Droge halten die beiden Wissenschaftler aber nichts.

"Allerdings glaube ich, dass wir irgendwann Medikamente haben werden, die den Dopamin- oder den Noradrenalin-Spiegel beeinflussen und damit zumindest die Chance erhöhen können, sich zu verlieben" erklärte Fisher im Interview mit dem Spiegel. Denn: "Wenn das Gehirn einmal auf Liebe eingestellt ist, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit enorm, sich auch tatsächlich zu verlieben."

Von Michèle Förster/RND

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