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Wissen Europäischer Satellit soll Schmelzen der Pole beobachten
Nachrichten Wissen Europäischer Satellit soll Schmelzen der Pole beobachten
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19:19 08.04.2010
Das erste Modell des zu großen Teilen von Astrium in Deutschland gebauten „CryoSat“-Satelliten war 2005 kurz nach dem Start unweit des Nordpols ins Meer gestürzt.
Das erste Modell des zu großen Teilen von Astrium in Deutschland gebauten „CryoSat“-Satelliten war 2005 kurz nach dem Start unweit des Nordpols ins Meer gestürzt. Quelle: dpa
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Klimaforscher werden künftig so genau wie nie zuvor die Eismassen an den Polen überwachen. Von Kasachstan aus startete am Donnerstag ein neuer europäischer Spezial-Satellit ins All. Das Hightech-Gerät mit dem Namen „CryoSat-2“ soll zentimetergenau die Dicke des Eises auf den Polarmeeren erfassen und Veränderungen der mächtigen Eispanzer auf Grönland und der Antarktis registrieren.

Die Daten werden von Wissenschaftlern sehnsüchtig erwartet. Das Polareis gilt als zentraler Klimafaktor. Schmilzt es in großen Massen ab, könnte dies zudem vor allem für Küstenregionen katastrophale Folgen haben. Wenn allein der grönländische Eisschild verschwinden sollte, würde der Meeresspiegel um rund sieben Meter ansteigen. Ein vollständiges Abschmelzen des Eises in Antarktis und Grönland hätte nach Berechnungen von Forschern sogar einen Anstieg um fast 80 Meter zur Folge.

„Wir wissen von unseren Radarsatelliten, dass die Ausdehnung der Eismassen zurückgeht, aber es besteht nach wie vor dringender Bedarf an Erkenntnissen darüber, wie sich ihr Volumen verändert“, kommentierte der zuständige Direktor bei der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA, Volker Liebig, kurz nach dem erfolgreichen Start am Donnerstag. In rund sechs Monaten werde der Satellit komplett eingestellt sein und für die Wissenschaft verwertbare Daten liefern. „Macht das beste daraus“, rief ESA-Chef Jean-Jacques Dordain in Darmstadt den Wissenschaftlern zu. Vom dortigen Satellitenkontrollzentrum ESOC aus wird „CryoSat“ überwacht.

Das erste Modell des zu großen Teilen von Astrium in Deutschland gebauten „CryoSat“-Satelliten war 2005 kurz nach dem Start unweit des Nordpols ins Meer gestürzt. Ursache war damals ein Programmierfehler an der russischen Trägerrakete gewesen. Beim zweiten Versuch am Donnerstag gab es nun einen Bilderbuchstart. „CryoSat-2“ erreichte wie geplant seine Umlaufbahn in rund 720 Kilometern Höhe über der Erde. „Ich bin riesig erleichtert“, sagte ESA-Projekt-Manager Richard Francis.

Die Daten über die Eismassen wird ein spezielles Radarinstrument mit den Namen Siral liefern. Es tastet mit zwei Antennen die Eisoberflächen präzise ab und kann Höhenunterschiede mit einer Genauigkeit von ein bis drei Zentimetern erfassen. Mit der einen Antenne werden kurze Radarimpulse zur Erdoberfläche gesandt. Die Botschaft von der Erde - in Form reflektierter Strahlung - wird von beiden Antennen empfangen. Aus den Angaben können Experten dann in Verbindung mit den exakten Daten der Umlaufbahn von „CryoSat“ Höhenprofile von Eisschichten und der Meeresoberfläche berechnen.

Siral funktioniert unabhängig von Tageslicht und Wetter. Das ist wichtig, weil Eisberge Höhen von bis zu 4300 Metern Höhe über dem Meeresspiegel erreichen und oft von Wolken umgeben sind. Mit Hilfe des Radar-Interferometrie genannten Verfahrens lässt sich zudem die Fließgeschwindigkeit des Eises ermitteln. Dazu werden zwei Radarbilder zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen und anschließend verglichen. Die insgesamt 140 Millionen Euro teure Eismission soll nach Angaben der Europäischen Weltraumorganisation mindestens bis Ende 2013 dauern.

dpa/afp