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Wissen Klimaschutz: Neue Bäume bringen weniger als gedacht
Nachrichten Wissen Klimaschutz: Neue Bäume bringen weniger als gedacht
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14:01 17.05.2019
Die Forscher gingen der Frage nach, was Aufforsten für den Klimaschutz bringt. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Cambridge

Schnell wachsende Bäume sterben früher. Aus diesem Grund ist nicht zwingend anzunehmen, dass in Zeiten des Klimawandels rascher wachsende Bäume mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre einlagern, schreiben Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature Communications“. Da sie früher absterben, wird das gespeicherte CO2 wieder frei. Ihre Kapazität, den globalen Treibhauseffekt abzumildern, sei mithin begrenzt.

Pflanzen nehmen bei der Photosynthese Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und nutzen den darin enthaltenen Kohlenstoff unter anderem zum Aufbau neuer Zellen. Sie können so Kohlenstoff für lange Zeit binden. „Wenn sich der Planet erwärmt, wachsen die Pflanzen schneller. Das legt den Schluss nahe, dass man mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre entfernen könnte, indem man mehr Bäume pflanzt“, erläutert Studienleiter Ulf Büntgen von der englischen University of Cambridge laut Mitteilung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in der Schweiz. „Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte wurde bisher kaum berücksichtigt: dass schnell wachsende Bäume Kohlenstoff über kürzere Zeiträume speichern.“

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Forscher analysieren 1700 Nadelbäume

Büntgen hatte mit seinem Team die Jahresringe von mehr als 1700 lebenden und bereits abgestorbenen Nadelbäumen analysiert und deren Wachstumsgeschwindigkeit mit dem Klima vor und während der Industrialisierung korreliert. In den spanischen Pyrenäen untersuchten sie Bergkiefern (Pinus uncinata), im russischen Altai-Gebirge Sibirische Lärchen (Larix sibirica). Beide Regionen sind entlegen, so dass sich die Wälder seit vielen Jahrhunderten weitgehend ungestört von menschlichen Einflüssen entwickelt haben. Einzelne Bäume können den Forschern zufolge an beiden Standorten ein Alter von bis zu 1000 Jahren erreichen.

Die Analysen zeigten, dass kühlere Umweltbedingungen das Wachstum der Bäume verlangsamen – aber gleichzeitig ihre Lebensdauer erhöhen. In wärmeren Zeiten verhält es sich umgekehrt: Die Bäume wachsen in jungen Jahren schnell, sterben dann aber früher. Die Forscher fanden diesen Zusammenhang sowohl bei bereits abgestorbenen als auch bei noch lebenden Bäumen in beiden Regionen.

„Schnell leben, jung sterben“

„Wir wollten die Hypothese „schnell leben, jung sterben“ testen, und haben festgestellt, dass sie für Bäume in kalten Klimazonen zutrifft“, sagt Büntgen. „Dieses Verhältnis zwischen Wachstum und Alter individueller Bäume hat direkte Auswirkungen auf die Dynamik des globalen Kohlenstoffkreislaufs.“ Belege für alternative Vermutungen konnten die Forscher in ihren Daten nicht finden, etwa dass die Bäume zwar schneller ihr Höhenmaximum erreichen, aber dann gewöhnlich alt werden oder dass sie schneller wachsen und einfach größer werden als normalerweise.

Die Ergebnisse ihrer Untersuchung seien standort- und artenspezifisch. Nichtsdestotrotz deuteten sie daraufhin, dass man nicht einfach von Wachstumsraten auf die Kohlenstoffspeicherkapazität schließen könne, ohne das Lebensalter der Bäume zu berücksichtigen, schreiben die Forscher in ihrem Artikel.

Von RND/Anja Garms/dpa