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Wissen Live im Netz: Forscher planen Rekordkollision von Atomteilchen
Nachrichten Wissen Live im Netz: Forscher planen Rekordkollision von Atomteilchen
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13:11 30.03.2010
Der weltgrößte Teilchenbeschleuniger, der LHC, soll einen neuen Rekord aufstellen.
Der weltgrößte Teilchenbeschleuniger, der LHC, soll einen neuen Rekord aufstellen. Quelle: dpa
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Der weltgrößte Teilchenbeschleuniger LHC hat am Dienstagvormittag einen neuen Rekordversuch gestartet. Die Physiker am Genfer Teilchenforschungszentrum CERN schickten schnelle Atomkerne in den 27 Kilometer langen Beschleunigerring, wo die Teilchen später am Tag mit bislang unerreichter Energie kollidieren sollten. Zwei vorausgegangene Versuche waren vom automatischen Sicherheitssystem abgebrochen worden.

„Solche kleinen Pannen sind absolut normal“, erläuterte CERN- Generaldirektor Rolf Heuer, der per Videoübertragung aus Japan zugeschaltet war. „Wir haben eine Unzahl von Komponenten, die alle zur selben Zeit funktionieren sollen“, sagte Heuer. Beim LHC- Vorgänger LEP habe es eine Woche bis zur ersten Kollision gedauert.

Die Physiker im CERN-Kontrollzentrum hielten unterdessen den Atem an, während der Beschleuniger sich der Kollisionsenergie näherte. Die Kollisionen bei sieben Tera-Elektronenvolt sollen den Beginn der wissenschaftlichen Experimente am Beschleunigerring „Large Hadron Collider“ (LHC) markieren. Jedes Atomkernteilchen hat dabei in etwa die Energie eines springenden Flohs - allerdings besteht ein Floh aus rund 100 Milliarden mal Milliarden solcher Teilchen.

Mit dem LHC wollen Physiker den Bedingungen des Urknalls so nahe kommen wie nie zuvor. Sie erhoffen sich davon Antworten auf zahlreiche fundamentale Fragen der Natur. So fragen sie sich, wo die Antimaterie geblieben ist, die im Urknall entstanden sein sollte. Außerdem wollen sie der bislang mysteriösen Dunklen Materie auf die Spur kommen, die im Weltall vier bis fünf Mal so häufig ist wie die uns bekannte Materie, sowie die Frage beantworten, wie Materie zu ihrer Masse kommt.

Seit November läuft die Teilchenbeschleunigung im CERN nach Plan. Am 19. März wurde ein neuer Energie-Weltrekord aufgestellt. Mit 3,5 Billionen Elektronenvolt jagen die Protonenstrahlen seitdem drei Mal so schnell durch die Röhre wie beim bisherigen Rekord, der vom Teilchenbeschleuniger Tevatron bei Chicago gehalten wurde.

In einer zweieinhalb Monate langen Winterpause war der LHC weiter verbessert worden. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Forscher mehrere Erfolge erzielt, nachdem es zuvor beim Start des Projekts massive Probleme gegeben hatte.

Das Experiment wird live im Internet übertragen, zudem twittern die CERN-Forscher

dpa/ap