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Wissen Mücken 2019: Gibt es in diesem Jahr weniger Mücken als sonst?
Nachrichten Wissen Mücken 2019: Gibt es in diesem Jahr weniger Mücken als sonst?
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13:52 09.08.2019
Wer von einer Mücke gestochen wurde, sollte versuchen, nicht zu kratzen - durch das Kratzen können sich Infektionen an der Einstichstelle bilden. Quelle: dpa
Hannover

Manche Menschen scheinen die kleinen Insekten förmlich anzuziehen, während andere konsequent verschont bleiben. Mückenexpertin Doreen Werner erklärt, warum wir manchmal (irrtümlicherweise) denken, viel mehr Stiche als sonst zu haben und dass es durchaus aggressive Mücken gibt.

Die Stechmücke - ist sie in diesem Sommer aktiver als sonst?

Auch wenn manch einer denkt, in diesem Jahr gebe es besonders viele Mücken, in der Realität haben wir sogar weniger Mücken als zum Beispiel im Jahr 2016, erklärt die Diplom Biologin Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung e. V. (ZALF). Die Expertin arbeitet an einem Mücken-Atlas, um detailliert zu erfassen, wann und wo in Deutschland welche Mücken vorkommen. “Unser Gehirn suggeriert uns gerne, dass aktuelle Zustände viel schlimmer sind, als Szenarien in der Vergangenheit. Ursache dafür ist, dass wir so konzipiert sind, dass wir unangenehme Sachen vergessen”. Über den Winter würde dieser Schutzmechanismus eliminieren, wie sehr wir im letzten Jahr von den Mücken genervt wurden.

Weniger Mücken über einen längeren Zeitraum

Die Jahre 2017 und 2018 waren extreme Dürrejahre, was prinzipiell eher schlecht für Mücken ist, die dann Schwierigkeiten haben, Brutplätze zu finden. Auch das Jahr 2019 ist ein sehr trockenes Jahr - mal abgesehen vom sehr regenreichen Frühjahr. “Die Mückenarten aus dem Frühjahr sind in diesem Jahr sehr aktiv gewesen, das heißt, wir hatten schon einen guten Startschuss ins Mückenjahr”, informiert die Biologin. Durch die folgende Trockenheit im Frühsommer und Sommer wurde dann die optimale Entwicklung der Mücken allerdings vielerorts unterbrochen, sodass wir jetzt in den meisten Regionen kaum Mücken registrieren.

Warum fühlen sich Mückenstiche im Urlaub oftmals anders an?

Kaum sind wir im Sommerurlaub, haben wir das Gefühl, dass nicht nur die Anzahl der Mückenstiche sondern auch die Reaktionen auf diese viel extremer sind. Mückenexpertin Werner erklärt dazu, dass wir von Kindesbeinen an mit bestimmten Mückenarten konfrontiert sind. Das Immunsystem gewöhnt sich an den artenabhängigen Proteincocktail, der vor jeder Blutmahlzeit in die Wunde injiziert wird.

Die Gemeine Hausmücke aus der Regentonne, Mücken aus dem Überflutungsbereich oder die Mücke im Italienurlaub - alle injizieren einen eigenen Proteincocktail. Das Immunsystem weiß irgendwann, dass Stiche von den uns ständig umschwirrenden Arten nicht mehr so ungewöhnlich sind und reagiert schwächer. Im Urlaub sieht das aber schon ganz anders aus, denn unser Immunsystem reagiert auf andere Arten heftiger. “Es ist irritiert und schlägt Alarm, was sich durch eine verstärkte Quaddelbildung, eine besondere Rötung und auch durch starken Juckreiz zeigen kann”, erklärt Werner.

Wie kann ich neue Mückenstiche vermeiden?

Einen Mückenstich komplett zu vermeiden, ist praktisch unmöglich. Die Mücke liebt unsere Atemluft – das von uns produzierte Kohlendioxid – und das kann man nicht abstellen. Die zweite Komponente, die Mücken anlockt, ist der von uns produzierte Schweißgeruch. Das bedeutet aber nicht, dass jeder, der für uns Menschen unangenehm riecht, für Stechmücken attraktiv ist. “Es sind nur ganz feine Nuancen wie etwa Alkohole oder Phenole, die sich im Schweiß befinden, und diese Nuancen zusammen mit der Atemluft machen manche Menschen für Mücken unwiderstehlich”, so die Biologin. Das individuelle Mix allein würde schon den Anflug der Mücken regulieren.

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Was ist nach einem Mückenstich zu beachten?

Wenn eine Mücke zugestochen hat: Bloß nicht kratzen! Der elterliche Ratschlag macht tatsächlich Sinn. “Der Rüssel der Mücke ist sauber und steril”, sagt die Biologin. “Alle Infektionen, die wir an der Einstichstelle haben, verursachen wir durch das Kratzen. Es handelt sich um bakterielle Sekundärinfektionen – der Stich an sich ist völlig unproblematisch."

Gibt es aggressive Mücken?

In Deutschland gibt es über 50 Stechmückenarten. “Jede Art hat nicht nur unterschiedliche Entwicklungshabitate und unterschiedliche Blutwirte, die sie anfliegt, sondern eben auch ein unterschiedliches Anflugverhalten”, sagt Doreen Werner. Die Überflutungsmücken hätten zum Beispiel nur ein kurzes Zeitfenster, um ihren Nachwuchs zu entwickeln - nämlich so lange, wie das Wasser in der Überflutungsaue steht. Diese Mückenarten stehen daher unter einem enormen zeitlichen Druck und genauso verhalten sich die Mücken auch. Sie brauchen sehr schnell ihre Blutmahlzeit, um ihre Eier reifen zu lassen und zeitnah ablegen zu können. “Diese Arten fliegen fast schon wie kleine Kamikazeflieger den potenziellen Blutwirt an, setzen sich hin und stechen sofort zu - sie zögern nicht lange”. Eine Hausmücke sei da schon zurückhaltender, die fliegt den Wirt mehrfach an.

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Wo gibt es in Deutschland welche Mücke

Werner arbeitet derzeit an einem sogenannten Mücken-Atlas. Die Biologin und ihr Team untersuchen Mücken, die von Menschen eingeschickt werden. “Bei diesem Projekt sind wir auf Mithilfe angewiesen”, erklärt die Mückenexpertin. Durch die detaillierte Aufstellung, lässt sich genau sagen, wo in Deutschland auch neue Mückenarten auftreten. Der Einsatz lohnt sich: Die Einsender bekommen nicht nur sofortige Rückmeldung, um welche Mücke es sich handelt, sondern erfahren auch, welche Maßnahmen sie gegebenenfalls ergreifen können, um die Mückenpopulation zu minimieren.

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Heidi Becker/RND

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