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21:38 28.04.2013
Wichtig ist, dass Eltern regelmäßig die Funktion und Sicht der Geräte prüfen. Quelle: dpa
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Hannover

Sobald die Sonne scheint, wollen Kinder spielen und toben. Gern im heimischen Garten und nicht auf dem städtischen Spielplatz in der Nachbarschaft. Doch nicht hinter jedem Haus stehen Rutsche, Schaukel oder Wippe bereit. Die Lösung für Eltern und Großeltern: Internet und Baumärkte bieten eine große Auswahl an fertigen Spielgeräten, die nur noch aufgebaut werden müssen. Schnell soll das gehen und für jedermann zu schaffen sein – damit werben die Hersteller.

Doch viele ihrer Produkte halten nicht, was sie versprechen. Schlechtes Material, irreführende Bauanleitungen oder schlecht zugesägtes Holz frustrieren Eltern, noch bevor die Konstruktion steht. „Es gibt schwarze Schafe unter den Anbietern“, sagt Norbert Segerath. Als Sachverständiger für den TÜV Nord prüft er Geräte auf öffentlichen Spielplätzen und beispielsweise Wasserrutschen in Schwimmbädern. Sein Rat: „Wer sich zum Kauf eines solchen Spielgeräts entscheidet, muss sich vorher gut informieren.“

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Der Sicherheitsexperte unterscheidet zwischen Geräten, die auf öffentlichen Spielplätzen, Kindergärten oder Schulen stehen und den Anforderungen der DIN 11 76 entsprechen, und denen, die etwa für den häuslichen Gebrauch gedacht sind. Zu diesem „Aktivitätsspielzeug“ für den inner- und außerhäuslichen Gebrauch zählen gemäß der DIN EN 71-8 auch Schaukeln, Rutschen und Wippen. Doch für die Spielgeräte aus einem Bausatz ist diese Norm nicht verpflichtend. Entscheidend beim Kauf eines Bausatzes sei also die Einschätzung der Eltern. „Wenn sie einem Produkt nicht trauen, dann ist es nicht gut für die Kinder,“ sagt der Sachverständige.

Auf GS-Prüfsiegel – die zeigen, dass das Produkt nach EU-Standards gefertigt wurde – sollte man achten. „Auch wenn die teurer sind: Bei der Sicherheit darf nicht gespart werden“, sagt Segerath. Er gibt dennoch zu bedenken, dass auch ein geprüftes Gerät aus dem Karton falsch aufgebaut werden kann. „Was im heimischen Garten aufgestellt wird, lässt sich ohnehin nur schwer kontrollieren“, sagt Segerath und spricht von einer „Grauzone im Hinterhof“.

Eigenwerk oder Bausatz? Eine Empfehlung will Segerath nicht aussprechen. Wer das Geschick besitzt, ein Spielgerät zu bauen, soll das tun. Doch der TÜV-Experte mahnt zu Sorgfalt: „Wer in der Werkstatt zur Säge greift, baut seine Angst ein und überdimensioniert.“ Meint: Bauen sie für ihr Kind, wählen die meisten Hobbyhandwerker dickeres Holz. Segerath hat auch für seine Tochter gebaut – und statt 14 Zentimeter dickem Holz für das tragende Element hat er 18 Zentimeter dickes verbaut.

Sichere Alternativen

Spielhaus auf Stelzen: Bis zu 50 Spielhäuser vom Typ „Tobi“ verkauft der Sauerländer Betreiber von www.dein-spielplatz.de derzeit in der Woche. Das Haus kommt in unbehandeltem Kiefernholz, das nach dem Aufbau mit einer Lasur farblich gestaltet werden kann – auch mit den Kindern. „Tobi“ kostet 379,95 Euro, die Lieferung ist kostenlos. 

Spielturm mit Rutsche und Schaukel: Die Konstruktion „Max und Moritz“ ist ein Verkaufsschlager bei www.dein-spielplatz.de. Kletterwand, Schaukel, Rutsche, Turnstange und Holzbalkon bieten Platz für mehrere spielende Kinder. Der Anbieter wirbt mit GS- und TÜV-geprüften Bauten. „Max und Moritz“ kostet im Internetversand 699,95 Euro. 

Schaukel: Vorgebohrt, imprägniert und gut gesichert soll laut Angaben des Herstellers Wickey die Schaukel „SkyBob 290“ geliefert werden. Sie lässt sich nach Wunsch um weitere Elemente erweitern.  Zu den 209,95 Euro im Internetversand kommen Lieferkosten von 59,90 Euro hinzu. Wickey stellt auch Geräte für den öffentlichen Bereich nach DIN EN 1176 her.

Trampolin: Nach Angaben des Herstellers Ultrasport ist der „Ultrafit Jumper 305“ das „sicherste Trampolin in seiner Preisklasse“. Belastbar ist es bis 180 Kilogramm, sodass mehrere Kinder zugleich auf der mit einem Rundum-Sicherheitsnetz geschützten Sprungfläche toben können. Im Internetversand Amazon gibt es das Spielgerät ab 219,99 Euro.

So wird’s gemacht: Ein Sandkasten mit Dach

Das wird benötigt:

  • 2 lange Rahmenseiten (Länge 1,5 m, Breite 24 cm, Stärke 2,7 cm)
  • 2 kurze Rahmenseiten (1,446 m, 24 cm, 2,7 cm)
  • 4 Leisten senkrecht (21,3 cm, 4,5 cm, 4,5 cm)
  • 4 Leisten waagerecht (1,35 m, 4,5 cm, 4,5 cm)
  • 4 Sitzreiter (1,3 m, 20 cm, 2,7 cm)
  • 4 Verbindungslaschen (17 cm, 11 cm, 2,7 cm)
  • 2 Giebelseiten (1,5 m, 20 cm, Stärke 1,8 cm)
  • 3 Querverbinder (1,464 m, 5,8 cm, Stärke 3,8 cm)
  • 2 Dachträger (1,45 m, 12 cm, 2,7 cm)
  • 1 Wurzelschutzvlies (1,6 m, 1,6 m, 0,4 mm)
  • 1 Markisenstoff (1,6 m, 1,7 m)
  • 70 (4 mal 60 mm), 32 (4 mal 60 mm), 8 (4 mal 50 mm) Senkkopfschrauben, zwei Flügelschrauben

Hilfsmittel:

Akkubohrschrauber, Exzenterschleifer, Oberfräse, Tacker, Holzbohrer, Schleifpapier, Körnung 120–240 

So wird es gemacht:

  • Schritt  1: Die kurzen Rahmenseiten stehen zwischen den langen und werden mithilfe von vier senkrechten Leisten mit Schrauben zu einem Rahmen verbunden.
  • Tipp: Wird Holz an den entsprechenden Stellen vorgebohrt, splittert es beim Verschrauben nicht. Löcher sollten für den Schraubenkopf angesenkt werden.
  • Schritt  2: Die waagerechten Leisten werden bündig zum oberen Rand der Rahmenseiten angeschraubt.
  • Schritt  3: Der Rahmen wird nun auf Böcke gesetzt und das erste Sitzbrett auf der Rahmenseite und der waagerechten Leiste gesetzt und geschraubt. So geht es mit den übrigen Sitzbrettern.
  • Schritt  4: Für mehr Stabilität werden die Sitzbretter von unten mit vier Verbindungslaschen verschraubt.
  • Schritt  5: Um den Sand gegen Pflanzenwuchs und Krabbeltiere zu schützen und das Ablaufen von Regenwasser zu ermöglichen, sollte ein wasserdurchlässiges Vlies unter den Rahmen getackert werden. Der Bau des Sandkastens ist abgeschlossen. Wer kein Dach bauen möchte, geht zu Schritt 10.
  • Schritt  6: Um das Dach des Sandkastens zu bauen, müssen zunächst die Giebelseiten mit einer Stichsäge ausgeschnitten werden. Die Maßangaben gibt es in der Konstruktionszeichnung auf haz.de zum Herunterladen.
  • Schritt 7: Zur Befestigung an den Dachträgern werden die Giebelseiten mit einer Bohrmaschine mit je einem Loch versehen. Die genaue Position gibt es in der Zeichnung. Danach werden die Giebelseiten und Querverbinder durch mindestens zwei Schrauben auf jeder Seite fixiert.
  • Schritt  8: Damit das Dach für optimalen Sonnenschutz höhenverstellbar ist, wird am oberen Ende der Dachträger jeweils ein Schlitz gefräst – nach Maßgaben in der Zeichnung. Dann werden die Dachträger mittig und unten bündig an zwei Seiten des Sandkastens geschraubt.
  • Schritt  9: Um das Dachgestell mit dem Markisenstoff zu bespannen, muss er längs der Giebelseiten über den Dachrahmen gespannt und mit einem Tacker an den beiden äußeren Querverbindern befestigt werden.
  • Schritt  10: Sandkasten und Dach werden abgeschliffen – zunächst die Kanten, dann die Oberflächen. Danach werden sie mit einem Schwamm feucht abgerieben. Nach dem Trocknen erneut mit feinerem Papier schleifen.
  • Schritt  11: Um das Holz haltbar zu machen, wird eine Lasur aufgetragen, überschüssige mit einem Lappen abgewischt. Bevor zum zweiten Mal lasiert wird, noch einmal schleifen.
  • Schritt  12: Nun werden Sandkasten und Dach mit Flügel schrauben miteinander verbunden.
  • Schritt  13: Ist ein geeigneter Ort für den Sandkasten gefunden, kann Sand eingefüllt werden. Je lehmiger er ist, desto besser lässt sich Sandkuchen backen …

Konstruktionszeichnung von Bosch zum Download:

Wer selbst zur Säge greift, muss einiges beachten

Zur eigenen Konstruktion ermutigen die Trainer der DIY-Academy in Köln. „Mit etwas Geschick kann ein Heimwerker auch selbst einen Sandkasten bauen“, sagt Jens Holst. Doch damit nicht genug: Auch Schaukeln, Wippen oder andere Spielgeräte können eigens entworfen und gebaut werden. Doch wer selbst baut, muss einiges bedenken.

Lage: An welchem Ort ein Spielgerät im Garten aufgestellt wird, ist immer auch eine Frage der Sicherheit. Geht es etwa um den Bau einer Sandkiste, ist ein Platz nah am Haus geeigneter – so können die Kinder besser beobachtet werden. Auch ein Sonnenschutz sei zu bedenken, sagt Susanne Woelk von der Aktion Das sichere Haus (DSH) in Hamburg. Zudem dürfen rund um die Spielgeräte herum keine scharfen oder kantigen Gegenstände stehen, sagt TÜV-Sachverständiger Norbert Segerath. 

Untergrund: Je höher die Kinder klettern können, desto tiefer können sie auch fallen. Darum kommt es auf den richtigen Untergrund an. Bis zu einer Fallhöhe von 1,50 Metern reiche normaler Rasen – weich und gepflegt – aus, sagt Segerath. Bei einer Fallhöhe von bis zu drei Metern sollten Eltern mit speziellem Fallschutzsand arbeiten, der mindestens 20 Zentimeter tief ist. Auf preiswerten Rindenmulch können Eltern bei einer Fallhöhe von bis zu sechs Metern zurückgreifen. Eine teurere Alternative sind Holzspäne, sie verrotten langsamer.

Fallschutz und Klemmstellen: Ab einem Meter Fallhöhe ist ein Geländer, ab zwei Metern eine geschlossene Brüstung Pflicht. Bei terrassierten oder abgestuften Spielflächen darf der Höhenunterschied zweier angrenzender Bereiche nicht mehr als 60 Zentimeter betragen. Rutschen und Schaukelbretter sollte man dazukaufen, denn hier gelten besonders strenge Anforderungen. Bei Rutschen ist der übergangslose Anschluss wichtig: Es dürfen keine Klemmstellen für Schnüre gebildet werden. Damit Kinder beim Spielen nicht hängenbleiben und sich verletzen, raten die Sicherheitsexperten, Abstände zwischen Bauteilen so zu bemessen, dass es keine Fangstellen gibt: Der Abstand soll kleiner als 8,9 oder größer als 23 Zentimeter sein.

Schrauben und Nägel: „In Spielgeräten haben Nägel nichts zu suchen“, betont der TÜV-Sachverständige Segerath. Alle Elemente müssen verschraubt werden; auch in tragende Hölzer gehört nicht einfach eine klassische Holzschraube, sondern sie müssen „ordentlich mit einer Mutter gekontert werden“, sagt Segerath. Wichtig: Nutzen Sie Senkkopfschrauben dafür – sie verschwinden vollständig im Holz.

Holz, Farben und Lacke: Segerath hält Kiefernholz beim Bau für Spielgeräte für „völlig ausreichend“, ebenso Tannenholz. Eiche sei zu empfehlen, aber sehr teuer. Segerath rät zu kesseldruckimprägniertem Holz. Dies könne später noch lasiert werden, um die Haltbarkeit zu verlängern. Aber auch Konstruktionen aus nicht imprägnierter Tanne oder Fichte halten etwa fünf Jahre, sagt DIY-Trainer Holst. Bei der Auswahl der Lacke und Farben sieht Segerath kein Risiko für Kinder und Umwelt: Produkte aus EU-Ländern seien ungefährlich. Das giftige Kadmium darf nicht mehr verwendet werden.

Regelmäßige Prüfungen: Wichtig ist, dass Eltern regelmäßig die Funktion und Sicht der Geräte prüfen. „Kräftig schaukeln reicht meist schon für ein erstes Überprüfen“, sagt Segerath. Bei Schaukeln und Klettertürmen sei auch die Standfestigkeit und die Verankerungen im Boden zu prüfen, aber auch die Seile der Schaukel. Gerade Regen und Schnee setzten dem Material häufig zu.

Von Felix Klabe