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Wissen Sonnenkompass: So orientieren sich Jäger und Sammler im Dschungel
Nachrichten Wissen Sonnenkompass: So orientieren sich Jäger und Sammler im Dschungel
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15:23 25.07.2019
54 Mbendjele im Alter von 6 bis 76 Jahren bewiesen in mehr als 600 Tests ihren faszinierenden Orientierungssinn. Quelle: Haneul Jang
Kinshasa/Leipzig

Jäger und Sammler können sich im Dschungel erstaunlich gut orientieren – selbst ohne äußere Referenzpunkte. Das zeigt eine Studie bei den Mbendjele BaYaka, die im Regenwald der Republik Kongo leben. Bei Tests konnten Männer, Frauen und Kinder sehr zuverlässig die Richtung von Zielen anzeigen, die nicht in Sichtweite lagen. Dabei schnitten Frauen genauso gut ab wie Männer, wie das Team um Haneul Jang vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie im Fachblatt „Proceedings B“ berichtet.

Wie gut eignet sich die Sonne als Kompass?

Räumliche Orientierung zähle zu den wichtigsten Fähigkeiten mobiler Arten, unter anderem zur Nahrungssuche, schreibt das Team. Manche Tiere – darunter Insekten, Fische und Vögel – orientieren sich demnach am Stand der Sonne. Es gebe Berichte, dass sich auch die Wikinger bei der Seefahrt am Stand der Sonne orientiert hätten. „Doch bislang gibt es keinen Beleg für den Nutzen eines Sonnenkompasses beim Menschen“, schreibt das Team. Das werfe die Frage auf, ob und in welchem Maße Menschen sich an der Sonne orientierten.

Das testeten die Forscher an 54 Mbendjele im Alter von 6 bis 76 Jahren in mehr als 600 Tests. Darin sollten die Männer, Frauen und Kinder die Richtung verschiedener Ziele in bis zu 16 Kilometern Entfernung angeben. Darunter waren etwa ein Fischteich, ein entferntes Dorf und ein Jagdlager. Äußere Anhaltspunkte fehlten in dem flachen Waldgebiet – abgesehen von der Sonne je nach Wetterlage.

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Erstaunliche Ergebnisse:

In den Tests konnten die Teilnehmer die Richtungen erstaunlich gut einschätzen: War die Sonne sichtbar, lagen sie um durchschnittlich 4 Grad daneben, ohne Sonne dagegen um 27 Grad. Männer und Frauen schnitten ähnlich gut ab. „Das überrascht nicht und könnte darin begründet sein, dass bei den Mbendjele BaYaka Männer und Frauen gleichgestellt sind“, erläutert Erstautorin Jang. „Mbendjele-Frauen entfernen sich, wenn sie auf Fischfang oder auf die Jagd gehen, genauso weit vom Camp in den Wald hinein wie die Männer.“

Auch die Kinder schnitten recht gut ab – allerdings eher in der Nähe ihres Lagers. „Im Gegensatz zu den Erwachsenen, die auch an weit entfernten Orten und bei stark bedecktem Himmel einen sehr guten Orientierungssinn haben, liegen die Kinder in ihnen weniger bekannten Gebieten, wenn sie die Sonne nicht sehen können, häufiger falsch“, sagt Jang. „Sehen sie die Sonne aber, so verbessert sich ihre Leistung erheblich.“

Erste wissenschaftliche Belege zum „Sonnenkompass

Damit belege die Studie erstmals wissenschaftlich, dass auch Menschen die Sonne als Kompass verwenden. „Wir wissen, dass Bienen die Sonne zum Navigieren nutzen. Überraschenderweise gab es aber bisher noch keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass auch Menschen diese Fähigkeit besitzen und Kinder sie bereits im Alter von sechs Jahren anwenden können“, sagt Ko-Autorin Karline Janmaat. „Die Ergebnisse unserer Studie zeigen auch, wie wichtig Erfahrung für unsere kognitive Entwicklung ist.“

Wie lange die Mbendjele und andere Wildbeuter noch durch den kongolesischen Regenwald ziehen könnten, sei unklar, sagt Janmaat. „Alle im Kongo von Jägern und Sammlern bewohnten Wälder wurden an ausländische Unternehmen verkauft, sodass diese Menschen perspektivisch nicht nur Lebensraum und Jagdgefilde, sondern auch ihre faszinierenden Navigationsfähigkeiten verlieren könnten.“

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Von RND/dpa

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