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Wissen Doping für zu Hause: Legal, aber gefährlich
Nachrichten Wissen Doping für zu Hause: Legal, aber gefährlich
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16:56 09.07.2019
Ob als Leistungs- oder Freizeitsportler: Immer mehr Menschen setzen auf die Einnahme von Schmerzmitteln vor dem Sport. Quelle: Pixabay (Symbolbild)
Hannover

Bei der Anti-Doping-Razzia „Operation Viribus“ sind europäische Sicherheitsbehörden in 33 Ländern gegen den Handel mit Anabolika und gefälschten Medikamenten vorgegangen. Dabei seien laut der europäischen Polizeibehörde Europol mehr als 230 Verdächtige festgenommen, neun Drogenlabore in Europa ausgehoben und tonnenweise Dopingpräparate beschlagnahmt worden. Doch längst nicht alle Sportler, die dopen, machen sich strafbar: Auch legales Doping nimmt immer weiter zu.

Missbrauch von Schmerzmitteln im Leistungs- und Freizeitsport

Immer mehr Sportler setzen auf die Einnahme von Schmerzmitteln vor dem Sport, um beim Training oder in einer Wettkampfsituation körperliche Grenzen zu überschreiten. „Tatsächlich gibt es aber bis heute keinen wissenschaftlichen Beleg, der diesen Irrglauben bestätigt“, erklärt die Deutsche Schmerzgesellschaft (DGSS). „Im Gegenteil, verschiedene Studien haben gezeigt, dass die gefühlten Schmerzen bei intensiver Belastung unter Ibuprofen und Co. genauso stark ausfielen wie ohne Schmerzmittel.“ Schließlich sei der Schmerz auch immer ein Warnsignal: Ignoriere man ihn dauerhaft, können Muskelfaserrisse, Bänder- oder Gelenkverletzungen die Folge sein.

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Erschreckende Ergebnisse einer Umfrage unter Marathonläufern

„Um herauszufinden, in welchem Ausmaß Freizeitsportler Schmerzmittel verwenden und ob bei den eingenommenen Mengen Probleme auftraten, befragten Forscher per Fragebogen 4000 Teilnehmer des Bonn-Marathons“, so die Deutsche Schmerzgesellschaft (DGSS). Das Ergebnis: Die Hälfte aller Läufer nahm bereits vor dem Start Schmerzmittel ein, aber nur ein kleiner Teil von ihnen litt tatsächlich unter Schmerzen. Außerdem griffen Frauen häufiger zu den Medikamenten. Die Experten fanden zudem heraus, dass die Einnahme von Schmerzmitteln vor dem Start nicht das Auftreten von Muskelkrämpfen während des Laufens und danach mindere. Nur der Laufabbruch wegen Muskelschmerzen sei seltener gewesen. „Der Abbruch aufgrund von Darmkrämpfen war dagegen häufiger. Insgesamt traten Herz-Kreislaufprobleme, Magen-Darm Beschweren und Nierenschäden achtmal häufiger nach der Schmerzmitteleinnahme auf“, so die Fachgesellschaft. Neun Sportler mussten sogar ins Krankenhaus.

Legales Doping: Wie wirken gängige Schmerzmittel auf den Körper?

Schmerzmittel wie Diclofenac, Ibuprofen oder Aspirin sind nicht-steroidale Antirheumatika, enthalten also keine Steroide. Sie wirken schmerzlindernd, indem sie die Enzyme hemmen, die Schmerzen, Entzündungen und auch Fieber hervorrufen. Je nach Dosierung sind die genannten Schmerzmittel rezeptfrei und relativ günstig erhältlich. Dennoch schädigen sie laut der Deutschen Schmerzgesellschaft (DGSS) die Blutgefäße und können zu Darmblutungen und Nierenversagen führen. „Die sogenannte vorsorgliche Einnahme von Schmerzmitteln vor größeren sportlichen Belastungen ist daher stets vorab mit dem behandelnden Arzt abzustimmen“, so die Experten.

Nahrungsergänzungsmittel: Insbesondere für junge Sportler gefährlich

Präparate, mit denen man seine Muskeln stärken, seine Ausdauer verbessern oder leichter abnehmen soll, ziehen gerade junge Sportler an. Aber: „Nahrungsergänzungsmittel können verunreinigt sein, also Steroide, Pestizide oder sogar Schwermetalle enthalten“, erklärt Jürgen Steinacker vom Universitätsklinikum Ulm. „Steroide haben langfristig große Nebenwirkungen. Die Anwendung führt war zu erhöhter Muskelmasse, aber beispielsweise auch zu vermehrter Aggressivität, unreiner Haut oder vorzeitigem Haarausfall.“

Grund für eine Verunreinigung von Nahrungsergänzungsmitteln sei eine fehlende Zulassung, so die Verbraucherzentrale: Die Produkte werden nicht auf ihre Wirksamkeit oder Sicherheit sowie die Richtigkeit der Werbeaussagen überprüft. Dafür sei ganz alleine der Hersteller verantwortlich.

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Muskelaufbau: Selbst Protein-Shakes sehen Experten kritisch

Sportler brauchen Eiweiß, auch Protein genannt. Der tägliche Bedarf eines Erwachsenen lässt sich laut Experten durch ausgewogene Ernährung bereits gut abdecken. Dennoch gibt es im Fitnessbereich zahlreiche Produkte, die eine Zusatzdosis des Stoffs versprechen. Spezialisten sehen die Fertigprodukte kritisch. Protein könne den Muskelaufbau zwar positiv beeinflussen, wenn es kurz vor dem Sport eingenommen wird, allerdings nur bis zu einem gewissen Grad, erklärt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE): „Ein Mehr an Eiweiß bringt kein Mehr an Muskeln. Ein gezieltes und intensives Training ist effektiver.“

Außerdem sollten Personen mit Vorerkrankungen wie Nieren- oder Leberschäden vor dem Griff zu Protein-Produkten mit ihrem Arzt sprechen – denn bei einer ohnehin schon eiweißhaltigen Ernährung können weitere Zugaben unnötig belasten.

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Von RND/Jessica Orlowicz

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