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Wissen Vogelsterben: Usutu-Virus tötet noch mehr Amseln in Deutschland
Nachrichten Wissen Vogelsterben: Usutu-Virus tötet noch mehr Amseln in Deutschland
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16:28 20.08.2019
Laut Nabu gibt es seit 2018 kein Bundesland mehr, in dem das lebensbedrohliche Usutu-Virus noch nicht labortechnisch bestätigt wurde. Quelle: Michael Beusch/NABU/dpa

Das für Amseln lebensbedrohliche Usutu-Virus könnte dieses Jahr zu mehr Todesfällen führen, als bereits im Jahr 2018. Dem Naturschutzbund (Nabu) wurden seit Jahresbeginn deutschlandweit über 1.300 Verdachtsfälle gemeldet und über 2.500 kranke, meist bereits verstorbene Vögel. Zum Höhepunkt des Amselsterbens im August 2018 waren es im gleichen Zeitraum 800 gemeldete Fälle. Um das Virus detaillierter untersuchen zu können, bitten Nabu und Mediziner des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg, kranke oder verendete Tiere zu melden und möglichst zur Untersuchung einzusenden.

Seit 2011 Verbreitung in ganz Deutschland

Erstmals hatte der Erreger in Deutschland 2011 ein Vogelsterben ausgelöst, seitdem breitet sich das Usutu-Virus immer weiter aus. Da es sich um ein tropisches Virus aus Afrika handelt, waren in den ersten Jahren vor allem wärmebegünstigte Regionen wie das Rheintal und der Untermain betroffen. Laut Nabu-Angaben konnte sich das Virus seit 2016 aber über Nordrhein-Westfalen nach Norden ausbreiten - und dann über ganz Deutschland. Es gebe seit 2018 kein Bundesland mehr, in dem das Virus noch nicht labortechnisch bestätigt wurde, bedauert der Nabu. Lediglich in höher gelegenen Mittelbergsregionen überlebten die infizierten Amseln die Erkrankung - hier wurden keine toten Vögel gemeldet.

Lesen Sie hier: Mediziner warnen: Klimawandel lockt Mücken und Zecken nach Norden

Feuchte Hitze bedeutet mehr Mücken

In Gebieten, in denen das Virus schon länger vorkommt, gibt es geringere Todesfallzahlen. Gründe dafür könnten sein, dass bereits 2018 viele Vögel verstarben und die Vögel, die die Infektion überlebten, nun immun gegen die Krankheit sind. Dieses Bild zeichne sich deutlich im Nordwesten Deutschlands ab, wo das Usutu-Virus 2018 den meisten Vögeln das Leben kostete. "Dieses Jahr scheint die Region nicht mehr außergewöhnlich stark betroffen zu sein. Stattdessen deuten sich neue Schwerpunkte des Vogelsterbens weiter östlich um Berlin und München an", sagt Lars Lachmann, Vogelschutzexperte beim Nabu. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigten dem Nabu, dass immer dort besonders viele Vögel sterben, wo das Virus gegen Ende des Vorjahres erstmals aufgetreten ist.

Der Nabu erklärt, dass die Infektionen in diesem Jahr durch den heißen und feuchten Sommer angestiegen sind - es gibt deutlich mehr Mücken als letztes Jahr. Deswegen ist es möglich, dass die Usutu-Infektionen dieses Jahr zunehmen werden. "Die nächsten Wochen werden zeigen, ob das Virus sich in diesem Jahr noch weiter ausbreiten kann und in welchen Regionen besonders viele Opfer zu beklagen sein werden", so Lachmann. Die meisten Usutu-Fälle treten im August und September auf, der Höhepunkt des Vogelsterbens wird daher in den nächsten Wochen erwartet.

Infizierung endet oft tödlich

Infiziert sich ein Vogel durch den Stich einer Mücke, stirbt er in den meisten Fällen nach wenigen Tagen. Eine Infektion zeigt sich durch Apathie, fehlendes Fluchtverhalten, Schwanken und Torkeln. Auch Veränderungen des Gefieders - ein verzaustes Aussehen - können Symptome sein. Überlebt ein Vogel den Ausbruch, ist er immun gegen das Virus. Da Amseln besonders anfällig für eine Erkrankung sind, wird eine Epidemie auch als "Amsel-Sterben" bezeichnet. Doch auch andere Arten können sich infizieren und an dem Virus sterben, laut Nabu waren dies im letzten Jahr Blaumeise, Grünfink, Haussperling, Singdrossel, Rotkehlchen und Kohlmeise.

Lesen Sie auch: Gefährliche Mückenstiche: Verbreitung des West-Nil-Virus befürchtet

Amseln werden weniger

Das inzwischen bundesweit verbreitete Virus zeigt Auswirkungen auf die Bestände der Amsel, wie Auswertungen der Nabu-Gartenvogelzählung, der "Stunde der Gartenvögel" und Informationen über die Verbreitung des Virus zeigten. Die Amselzahlen in von Usutu betroffenen Gebieten sind zwischen 2011 und 2016 um 16 Prozent zurückgegangen. Laut Nabu ist bisher noch völlig offen, ob sich betroffene Bestände wieder vollständig erholen können, dauerhaft reduziert bleiben oder weiter abnehmen werden. "Leider kann man Usutu-Infektionen bei Vögeln weder verhindern noch behandeln", sagt Lachmann.

Neben dem Usutu-Virus sorgen sich die Experten auch um die Verbreitung des West-Nil-Virus. Das lebensbedrohliche Virus wurde letztes Jahr erstmals in Vögeln und Pferden in Deutschland nachgewiesen. Die erste registrierte Erkrankung dieses Jahres wurde Anfang Juni gemeldet. Bei einer Schnee-Eule in einem Tierpark in Wittenberg in Sachsen-Anhalt wurde das West-Nil-Virus festgestellt. Laut Friedrich-Löffler-Institut ist diese Erkrankung ein Zeichen dafür, dass das West-Nil-Virus in Deutschland überwintert hat.

Lesen Sie hier: Stunde der Wintervögel: Sorge um die Amsel

Alice Mecke/RND

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