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Auetal A2: Mit Schwingungen gegen Staus und Unfälle
Schaumburg Auetal A2: Mit Schwingungen gegen Staus und Unfälle
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22:21 12.08.2018
Die "Elfenbeauftragte" beschäftigt sich hauptberuflich in ihrem eigenen Salon mit Hunden. Quelle: pr.
Auetal/Stadtoldendorf

Am 15. Juli prallen zwei Autos ineinander. Drei Personen werden leicht, eine schwer verletzt. Am 11. Juli fahren zwei Lastwagen ineinander. Die Autobahn wird gesperrt, es gibt kilometerlangen Rückstau.

Schreckensmeldungen am laufenden Band

Dies sind nur einige der schrecklichen Meldungen, die es derzeit von der Autobahn 2 besonders im Abschnitt zwischen Lauenau und Bad Eilsen zu hören gibt, der durchs Auetal führt. Der starke Verkehr und die Baustellen lassen es mehrmals im Monat krachen und scheppern, teils mit tragischen Folgen.

Dies war Anlass für Melanie Rüter, der „Todesstrecke“, wie die Zeitung „Neue Presse“ titelte, im Juni einen Besuch abzustatten. „Eine gute Freundin hatte mich gefragt, ob ich nicht einmal versuchen wollte, etwas dagegen zu machen“, erzählt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Rüter bezeichnet sich als „Heilerin der Seele, Medium, Elfenberaterin“, wie sie auf ihrer Homepage schildert.

Sie sehe und empfinde besondere Bindungen zu den Menschen und der Natur, sagt sie am Telefon.

Im Gespräch mit Elfen und Trollen

Und so machte sie sich an jenem Juni-Tag auf zur A2 im Abschnitt zwischen Lehrte und Braunschweig. Ihr Ziel: Mit aufgebrachten Naturwesen wie Elfen oder Trollen zu kommunizieren, um diese zu beruhigen, da ihnen durch die Autobahn ein Stück Natur weggenommen worden sei.

Auf den Bericht über ihren Einsatz in dieser Zeitung am 2. August folgte Häme: „Ich musste mich vergewissern, dass heute nicht der 1. April ist“, schrieb etwa ein Nutzer auf unserer Facebook-Seite.

Oder: „Hat sie auch ihre Wünschelrute dabei?“ Auch die Medien schlugen hämische Töne an: „Eine ‚Elfenbeauftragte‘ soll für die Verkehrsbehörde die A2 sicherer machen“, titelte etwa der jugendliche Spiegel Online-Ableger „bento“, „Niedersachsen setzt Elfenbeauftragte gegen Unfälle ein“ schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Gegenwind für die "Elfenbeauftragte"

Diese Schlagzeilen wurden dem Niedersächsischen Verkehrsministerium anscheinend zu viel: Spiritualität sei kein „geeignetes Mittel, um den Straßenverkehr sicherer zu machen“, so das Ministerium Anfang dieser Woche gegenüber dem NDR. Dies werde der Ernsthaftigkeit des Themas Verkehrssicherheit nicht gerecht.

Die bisher getroffenen Maßnahmen zur Verkehrssicherheit würden dadurch konterkariert. Das Ministerium werde sicherstellen, dass sich ein „derartiger Vorfall nicht wiederholt“.

Rüter reagierte auf die (ungewollte) Aufmerksamkeit: „Unsere Absicht war es, der Natur, den Menschen, den Tieren und allen unsichtbaren Wesen zu helfen“, schrieb sie dazu auf ihrer Homepage. An der darauffolgenden „Sensationslust“ habe sie „kein Interesse“ und nehme Abstand: „Unsere Arbeit basiert auf dem Niveau der Liebe, des Respekts und der Achtsamkeit.“

Inhaberin eines Hundesalons

Rüter glaubt, dass sie etwas Gutes bewirken konnte. Dass ihre Anfrage überhaupt positiv beschieden wurde und sie ein Team der zuständigen Landesstraßenbaubehörde begleiten durfte, habe sie selbst überrascht: „Es ist toll, wenn sich Menschen darauf einlassen“, sagt die 48-Jährige.

Auch positive Zuschriften erreichten diese Zeitung: „In spirituellen Kreisen sind diese Themen ganz normal, aber in der normalen Presse nicht. Einen großen Dank dafür“, schrieb etwa Amira Meyer.

Rüter versteht sich als Übersetzerin: „Ich kommuniziere mit der Natur und ihren sichtbaren und unsichtbaren Wesen.“ Sie will Negatives neutralisieren, und bietet das auch für Menschen an - ab 60 Euro pro Stunde. Zuvor arbeitete sie 16 Jahre lang als Hundetrainerin, nun führt sie einen Hundesalon im Ort Braak im Kreis Holzminden.

Gängige Praktik in Island

Für sie war der Einsatz an der A2 etwas Besonderes, doch ihrer Meinung nach sollte es das nicht sein. „In Island gibt es das schon längst“, sagt Rüter. Dabei sei Island ein wohlhabendes Land. Immer wieder müssen dort nach Protesten Baustellen verlegt werden, um die angeblichen Heime von Elfen zu schützen.

Rüter hofft, dass in Deutschland bald ähnlich über das Thema gedacht wird. Die Existenz der Autobahn an sich wolle sie nicht kritisieren, sagt Rüter: „Eine Bewertung steht mir nicht zu.“

Der Mensch handele nun einmal so, wie er es für richtig halte. Man müsse damit umgehen und das beitragen, was man könne. „Die Welt retten, das schaffen wir nicht“, sagt Rüter. Von ihrem Einsatz an der A2 ist sie überzeugt: „Es hat funktioniert.“

von Marieluise Denecke