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Auetal Auetal wehrt sich mit Postkarten gegen eine neue ICE-Trasse
Schaumburg Auetal Auetal wehrt sich mit Postkarten gegen eine neue ICE-Trasse
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12:51 02.10.2019
Protestkarte: Auf dieser von Gisela Wittmann gemalten Ansicht frisst sich ein mit seinem Haifischmaul Bäume zermalmender ICE durchs Auetal. Poggenhagens Ortsvorsteherin Ulrike Freyhat die ersten der 1000 Protestkarten auf dem Marktplatz in Rehren verteilt. Quelle: Thomas Wünsche
Rehren (Auetal)

Ein ICE-Zug frisst sich auf einem Schienenstrang durch die Natur im grünen Auetal – die Riesenzähne in seinem aufgerissenen Haifischmaul zermalmen zwei Bäume, die links und rechts neben die Gleise kippen: Das Bild, welches Gisela Wittmann vom Malkreis des Kulturvereins Auetal geschaffen hat, lässt einen den Schrecken in die Glieder fahren – und genau das soll es auch.

1000 Postkarten sollen beim Staatssekretär landen

Auf Postkartengröße verkleinert, ziert es die Vorderseite von zunächst 1000 Ansichtskarten. Allesamt als Signal an die Adresse des Parlamentarischen Staatssekretärs Enak Ferlemann entworfen, das da lautet: „Nehmen Sie das Aueal aus Ihren Planungen heraus!“

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Bei der jüngsten Bürgersprechstunde, die Ulrike Frey jetzt auf dem Marktplatz Rehren abhielt, hat Poggenhagens Ortsvorsteherin die ersten Exemplare unter das Volk gebracht.

Das steht auf den Ansichtskarten

Der vorformulierte Wortlaut auf den, mit den Wappen der Bürgerinitiative (BI) Auetal und des Nabu Auetal signierten Karten lautet:

„Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Die nächsten Generationen haben ein Anrecht darauf, von uns eine intakte, lebenswerte Umwelt zu erhalten. Es darf nicht noch mehr Natur und Landschaft versiegelt und zubetoniert werden. Auch die Bahn, die an sich hoch geschätzt werden sollte, muss sich bei ihren Großprojekten im Einzelfall immer die Frage nach der Verhältnismäßigkeit stellen. Deswegen kann der Bau einer Hochgeschwindigkeitstrasse nicht mit dem Argument begründet werden, sie sei eine Alternative zum Flugzeug und zum Auto und diene damit dem Klima- und Umweltschutz. Nehmen Sie das Auetal aus Ihren Planungen heraus! Ausbau der Bestandsstrecke – statt Neubau!“

So sieht die Postkarte aus

Ein ICE-Zug frisst sich durch die Natur im grünen Auetal – die Riesenzähne in seinem aufgerissenen Haifischmaul zermalmen zwei Bäume: Das Postkarten-Motiv von Gisela Wittmann lässt einen den Schrecken in die Glieder fahren – und genau das soll es auch. Foto: pr.)

Einer der ersten, der sich auf dem Marktplatz eine der Protestkarten holte, war Alexandros. Weil der Zehnjährige die 60 Cent für die Briefmarke nicht dabei hatte, half Frey ihm kurzerhand aus der eigenen Börse aus. Strahlend warf Alexandros anschließend den „Gruß“ an Ferlemann in den Postkasten. „Es gibt die Karten ab sofort bei der BI, den 16 Ortsvorstehern im Auetal, in vielen Geschäften – und immer freitags von 16 bis 17 Uhr bei meiner Sprechstunde auf dem Marktplatz in Rehren“, sagt Frey.

BI will am 8. Oktober demonstrieren

Derweil sind die Vorbereitungen der Bürgerinitiative für die Demonstration gegen einen trassenfernen Ausbau der Bahnstrecke so gut wie abgeschlossen. Für die BI drängt die Zeit, denn: „Die Gelder zur Finanzierung der ,Grundlagenermittlung’ für das Vorhaben sollen noch in diesem Jahr freigegeben werden“, mahnt die BI in ihrem Aufruf.

Lautstarker Protest sei daher das Gebot der Stunde – „bevor die ersten Gelder fließen“. Treffpunkt der Teilnehmer ist am Dienstag, 8. Oktober, um 16 Uhr der Schulhof der Grundschule Rehren, Schulstraße 9. Dort findet eine Eröffnungskundgebung statt.

Geschenke als mahnender Gruß aus dem Auetal

„Wir machen uns dann als geschlossener Zug und unter Polizeibegleitung über Schulstraße und Schäferhof zum Rathaus auf“, so Claudia Grimm, Vizevorsitzende der BI Auetal. Dort werden die Teilnehmer gegen 17 Uhr Bürgermeister Heinz Kraschewski als Vertreter der Delegation des Landkreises Schaumburg und in Vertretung von Landrat Jörg Farr treffen.

Gemeinsam wollen die beiden am 14. Oktober zu Staatssekretär Enak Ferlemann ins Ministerium nach Berlin fahren, um die Listen mit etwa 1200 Unterschriften, welche die BI gesammelt hat, das Gemälde von Gisela Wittmann sowie aller Voraussicht nach auch eine Foto-Collage des Tierfotografen Marc-André Rehberg übergeben.

„Alles Geschenke an Herrn Ferlemann – als mahnender Gruß aus dem Auetal“, so die Vizevorsitzende. Klare Forderung an den Bahnplaner sei dabei: Ausbau der Bestandsstrecke, statt Neubau einer Trasse. Außerdem wolle die BI umgehend Informationen zum Thema statt nur persönliche Politiker-Statements.

BI hat knapp 500 Mitglieder hinter sich

Nach dem Stopp am Rathaus soll der Zug durch Auestraße und Schulstraße zurück zum Schulhof führen, wo die Demonstration mit einem kleinen Abschluss enden soll. Grimm: „Die Behörden haben der Nutzung der Nebenstraßen sowie an der Rehrener Straße (Landesstraße) der Nutzung des Gehweges zugestimmt. Es werde also nicht der Haupt-Durchgangs-Pkw/Lkw-Verkehr respektive die Zu- und Abfahrt der Autobahn in Rehren gesperrt.“

Die BI-Auetal hat nach Aussage ihrer Vizevorsitzenden mit heutigem Stand 430 Mitglieder in der Kartei, wobei noch formale Mitgliedsanträge von fast der Hälfte der Gründungsmitglieder ausstünden und laufend „normale“ Anträge eintrudelten. „Aus Zeitgründen“, so Grimm, „können wir die auf den Anträgen vermerkten Familienangehörigen gar nicht alle erfassen.“ Summa summarum kratze die BI aber an der 500er-Marke.

Über das Berliner Gesprächsergebnis will Kraschewski die BI am Donnerstag, 17. Oktober, um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Bernsen unterrichten. von Thomas Wünsche

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