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Auetal DRK-Rettungswache Auetal: Belastende Unfälle auf der A2
Schaumburg Auetal DRK-Rettungswache Auetal: Belastende Unfälle auf der A2
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08:00 30.07.2019
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Spätestens 90 Sekunden nach der Alarmierung jagt ihr Rettungswagen vom Hof. In 95 Prozent aller Notfälle ist er binnen 15 Minuten an jedem Einsatzort, der an einer öffentlichen Straße liegt – „meistens sogar aber wesentlich früher“, sagt Stefan Jakob, Wachleiter der siebenköpfigen Crew, die die DRK-Rettungswache Auetal 365 Tage im Jahr rund um die Uhr besetzt hält und bei Krankheit oder Urlaub durch Kollegen aus Rinteln verstärkt wird. 

Selbst acht Minuten Eintreffzeit sind kein Hexenwerk.

Umzug war ein Quantensprung

Als der am Ostweg 3 gelegene Neubau vor drei Jahren bezogen wurde, war das für Jakob mit Blick auf den damaligen Standort Alte Molkerei „ein Quantensprung“, sagt er noch immer. Die 700000 Euro waren gut investiertes Geld. Auf 350 Quadratmetern stehen den Notfall- und Rettungssanitätern ein den neuen Richtlinien entsprechender Hygieneraum, ein Sozialtrakt mit Küche, Wohn- und Ruheräumen, Büro sowie einer Fahrzeughalle für zwei Rettungswagen zur Verfügung. Ganz wichtig mit Blick auf die 90 Sekunden: Anders als noch in der Alten Molkerei können die Retter den in der Fahrzeughalle wartenden Wagen ebenerdig und flink durch den Flur und die Schleuse mit ihrer Einsatzkleidung erreichen.

„Als zweitjüngste der Rettungswachen im Landkreis Schaumburg ist auch der Standort Auetal auf dem neuesten Stand“, freut sich Bernd Gerberding. Das, so der Geschäftsführer des Bereiches DRK-Rettungsdienst und Krankentransport, wirke sich auch auf die Motivation der Mitarbeiter aus: „Sie freuen sich, zur Arbeit zu kommen.“ Soeben erst haben fünf Azubis ihre dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter abgeschlossen – und sind samt und sonders übernommen worden. Nicht zuletzt dank dieser Übernahmegarantie sei Fachkräftemangel beim DRK-Rettungsdienst Schaumburg ein Fremdwort. Auf die besagten sechs Plätze soll eine dreistellige Bewerberzahl kommen.

Belastende Einsätze auf der A2

Zwar ist die Anfangseuphorie im Auetal inzwischen verflogen, der „neue“ Arbeitsplatz am Ostring für die Sanitäter nach drei Jahren ein Arbeitsplatz wie jeder andere, der auf dem Rettungswagen aber ist es nicht – und wird es wohl auch nie werden. „Allein schon nicht wegen solchen Dingen wie den Lkw-Unfällen auf der Autobahn 2. Vor allem, wenn ein Fahrer dabei eingeklemmt wird, sind diese Einsätze für uns sehr belastend“, sagt der Wachleiter.

Gerberding hat Zahlen. „Der Auetaler Rettungswagen – Kennung 45-83-1 – hat allein im vergangenen Jahr bei 1367 Einsätzen 46357 Kilometer zurückgelegt.“ Was zunächst nach viel klingt, relativiert sich mit Blick auf die Nachbar-Rettungswachen. „Der Rettungswagen in Sachsenhagen etwa“, vergleicht der Geschäftsführer, „ist in derselben Zeit 87000 Kilometer gefahren.“ Rechne man alle Einsätze von allen Rettungswagen im Landkreis Schaumburg zusammen, so standen 2018 sage und schreibe 1,1 Millionen Kilometer unterm Strich. „Wir tauschen die Fahrzeuge in der Regel nach 200000 Kilometern Laufleistung aus“, so Gerberding. Der zwei Jahre alte Wagen aus dem Auetal wäre dann nächstes Jahr dran.

Rettungswagen umgerüstet

Zwar gilt der Grundsatz: Der Rettungswagen Auetal fährt im Auetal – „doch da die Leitstelle die Wagen seit etwa eineinhalb Jahren über GPS orten kann, kann sie sie bei Bedarf auch umdirigieren“, so der Geschäftsführer. Erst im vergangenen Jahr seien die Rettungswagen auf neue EKG und Defibrillatoren umgerüstet worden. „Seit Anfang dieses Jahres können die EKG-Daten eines Herzinfarktpatienten von der Besatzung noch aus dem Fahrzeug heraus ans Klinikum Schaumburg übertragen werden“, freut sich Gerberding. So könne der Weg über die Notaufnahme entfallen, könne ein eventuell nötiger Herzkatheter zeitnah vorbereitet werden. Das habe nachweislich bereits Leben gerettet und Spätfolgen eines Infarkts minimiert. Doch auch unabhängig davon gelte: „Wir können jeden Patienten an Bord stabilisieren, bis er im Krankenhaus eintrifft“, sagt Jakob.

Nicht wunschlos glücklich

Trotz allen Hightechs an Bord ist die Besatzung des Auetaler Rettungswagens dennoch nicht wunschlos glücklich. Als Jakob gefragt wird, was ihm und seiner Mannschaft das Leben denn noch leichter machen könne, kommt es wie aus der Pistole geschossen: „Weniger Gaffer!“ Die nämlich machten den Rettungskräften vor Ort oft schlicht und einfach keinen Platz. „Der Respekt vor den Einsatzkräften hat leider enorm abgenommen“, klagt der Wachleiter und ergänzt: „Vor den Einsatzkräften – und den Patienten.“

von Thomas Wünsche