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Auetal Erst- und Zweitklässler lernen an der Grundschule im Auetal gemeinsam
Schaumburg Auetal Erst- und Zweitklässler lernen an der Grundschule im Auetal gemeinsam
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22:58 02.07.2019
In einer Eingangsstufe sollen Erst- und Zweiklässler an der Grundschule im Auetal ab dem Schuljahr 2021/22 gemeinsam lernen. Quelle: tol
Rehren

Die Grundschule Auetal wird mit dem Schuljahr 2021/2022 die Eingangsstufe einführen. In dieser Schulform werden Klassen jahrgangsübergreifend unterrichtet. Dadurch können unter anderem jüngere Schüler vom Lernfortschritt und den Erfahrungen älterer profitieren.

"Veränderten Bedürfnissen gerecht werden"

„Vor rund eineinhalb Jahren war die altersgemischte Eingangsstufe erstmalig Thema an unserer Schule. Vorausgegangen waren Überlegungen, wie wir zukünftig den Bedürfnissen einer veränderten Schülerschaft optimal gerecht werden können“, erklärte die Lehrerin Jacqueline Drelichowski jetzt den Mitgliedern des Schulausschusses.

Man habe sich informiert, wie andere Schulen damit umgehen. „Wir bekommen heute Erstklässler, die können schon lesen und schreiben, und andere, die kennen keinen einzigen Buchstaben. Alle Kinder dort abzuholen, wo sie stehen, wird immer schwieriger“, so Drelichowski. Die altersgemischte Eingangsstufe sei eine sehr gute Möglichkeit.

Kollegium informiert sich in anderen Schulen

Eine Gruppe aus dem Auetaler Kollegium hat sich informiert, an anderen Schulen hospitiert und Gespräche mit allen Gremien geführt. „Klar gab und gibt es auch Skeptiker dieser Schulform, aber wir stehen inzwischen geschlossen dahinter“, sagte Lehrerin Mareike Quotschalla im Schulausschuss.

Am 6. Mai 2019 habe der Auetaler Schulvorstand beschlossen, die altersgemischte Eingangsstufe zum Schuljahr 2021/2022 einzuführen. Bis dahin sollen alle notwendigen Vorbereitungen abgeschlossen sein. Im Schuljahr 2020/2021 wird sich für die neu eingeschulten Kinder zunächst nichts ändern. Ein Jahr darauf werden Erst- und Zweitklässler dann erstmals gemeinsam unterrichtet.

Konzept sieht gemeinsamen Unterricht vor

Die offene Eingangsstufe ist ein pädagogisches Konzept, bei dem die Erst- und Zweitklässler gemeinsam in einer Lerngruppe unterrichtet werden. Die Lernziele können dabei in einem, zwei oder drei Jahren erreicht werden. Je nach Leistungsstand können Kinder die Eingangsstufe nach einem Jahr – was nach Erfahrungswerten eher selten ist – oder erst nach drei Jahren verlassen.

„Die immer größer werdenden Unterschiede zwischen den Kindern können so ausgeglichen werden. Schnelle Kinder kommen zügiger voran und können bei Bedarf ein Schuljahr überspringen, langsamere Kinder bekommen die Zeit, die sie brauchen, um eine solide Basis für die schulische Zukunft zu haben“, erklärte Drelichowski.

Wer die maximalen drei Jahre in der Eingangsstufe verweilt, bleibt nicht sitzen.

Lehrerin Quotschalla: "Unter- und Überforderungen werden verringert"

„Das ist für viele Kinder sehr wichtig. Sie bleiben in ihrer Lerngruppe, mit ihren Lehrkräften und vielen Klassenkameraden, und es kommen neue Kinder dazu. Andere wechseln nach zwei Jahren in Klasse drei. Unter- und Überforderungen werden so verringert“, erläuterte Quotschalla.

Auch das soziale Lernen nehme in der Eingangsstufe einen hohen Stellenwert ein. „Jedes Kind kann sich hierbei als Helfer erleben, was zur Stärkung des Selbstbewusstseins führt. Jüngere Schüler können von dem Lernfortschritt und den Erfahrungen älterer Schüler profitieren. Für die Älteren ist es positiv, sich als die Großen zu erleben und den anderen helfen zu können“, so Drelichowski.

Mehr Selbstorganisation, mehr Verantwortung

Im jahrgangsgemischten Unterricht würden Kinder mehr Verantwortung für ihr Lernen übernehmen, indem sie viel in selbst organisierten Phasen arbeiten. Durch die veränderte Lehrerrolle als Lernbegleiter könne die Lehrkraft den Unterschieden der Kinder gerechter werden.

„Das ist die Fortsetzung dessen, was in der frühkindlichen Erziehung, also in den Kitas, schon längst praktiziert wird“, stelle Olaf Humke von der Gemeindeverwaltung fest.

Siegbert Held (WGA) berichtete von seinen eigenen beruflichen Erfahrungen mit der Eingangsstufe: „Das ist rundum positiv und zeitgemäß.“

Von Kerstin Lange

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