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Auetal Job verloren, weil sie sich um Männer sorgt
Schaumburg Auetal Job verloren, weil sie sich um Männer sorgt
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20:53 14.01.2013
Weil sie sich für Männer einsetzte, wurde Monika Ebeling als Gleichstellungsbeauftragte in Goslar abberufen. In Rolfshagen traf sie sich mit Jürgen Kreth vom „Väteraufbruch für Kinder“. Quelle: rnk
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Rolfshagen (rnk)

Der Vorwurf: Sie habe sich zu sehr um benachteiligte Männer gekümmert – und zu wenig um benachteiligte Frauen.

 Was nach der Abberufung folgte, glich einem medialen Tsunami: Stern, Focus, Spiegel, Süddeutsche, NDR – die Medien pilgerten scharenweise in den Harz und schrieben über die angeblich männerfreundliche Gleichstellungsbeauftragte und das städtische Umfeld, der gesamte Vorfall wurde zu einem bundesweiten Politikum.

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 Irgendwann, so hoffte Monika Ebeling, irgendwann müsse er doch nachlassen, dieser Wirbel. Aber das tat er nicht. Die Dramatik und auch die Tragweite des Themas hätten ihre Gegner damals nicht erkannt, sagt sie heute: „Sie haben gedacht, dass die frauenbewegte Szene weiß, was sie da tut.“ Denn es ist eine durchaus mächtige Szene, mit der sich Monika Ebeling in Goslar angelegt hatte: die feministische Szene.

 Ebenfalls aufmerksam wurde Jürgen Kreth. Der Lipper ist kein Journalist, sondern Vater eines Kindes und Gründer der Kreisgruppe Lippe-Weserbergland „Väteraufbruch für Kinder“, die ein gleiches Recht des Kindes auf Mutter und Vater, ein gemeinsames Sorgerecht auch für nicht-eheliche Väter sowie eine Durchsetzung der Umgangsrechte des Kindes fordern. Kreth und viele seiner Mitstreiter – bundesweit sind rund 3000 Mitglieder bei dem Väterverein registriert – unterstützt Monika Ebeling bei ihren Forderungen. Und dafür ist sie dankbar: „Es gab viele Angriffe, aber dann merkt man auch wieder, wie schön es ist, wenn jemand anmerkt, dass es gut ist, diese Wahrheiten auch mal auszusprechen“, sagt sie im Gespräch im Rolfshäger Restaurant „Salve“, wo sich die Kreisgruppe vom Väteraufbruch für Kinder jeden dritten Donnerstag um 18 Uhr trifft.

 Monika Ebeling hat nach ihrer Abberufung ein Buch zum Thema geschrieben, es heißt „Die Gleichberechtigungsfalle“ und erzählt nicht nur – sehr sachlich – die Geschichte ihre Abberufung, sondern sie rüttelt darin kräftig an den Grundfesten des geschlechterpolitischen Establishments: Kann die Forderung nach Chancengleichheit ehrlich sein, wenn sie dort aufhört, wo die Nachteile und Benachteiligungen von Männern und Jungen beginnen?

 Jürgen Kreth, der Vater und Gründer des Väteraufbruchs in Lippe und Schaumburg, könnte sicherlich unzählige Geschichten davon erzählen, wie wahr das alles ist – und wie bitter.

 Nicht nur deshalb plädiert Monika Ebeling nach 30 Jahren Geschlechterkrieg für eine Gleichberechtigung der Geschlechter: Immer mehr Menschen hätten eine große „Friedenssehnsucht“, sagt sie – Frieden zwischen Frau und Mann. Und es gebe nur einen Weg zur Gleichberechtigung: „Miteinander, friedfertig und gewaltfrei.“