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Auetal Kinderbetreuung im Auetal: Kosten und Aufwand steigen
Schaumburg Auetal Kinderbetreuung im Auetal: Kosten und Aufwand steigen
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14:29 30.10.2019
Das Vogelnest im Außenbereich der Kita Rehren ist bei den „Sonnen-Kindern“ sehr begehrt.  Quelle: Gesa Meyer
Auetal

Seit Jahrzehnten wirbt die Gemeinde Auetal mit ihrer Familienfreundlichkeit. Und diese lässt sie sich auch einiges kosten. Ein Fünftel der Brutto-Ausgaben fließt jedes Jahr in die vier Kindertagesstätten. In 2018 schlugen die Kosten für die Kitas mit 1.996.748,94 Euro zu Buche.

Kosten für Betrieb steigen "erheblich"

„Obwohl wir seit Jahren die gleiche Anzahl an Kindertagesstätten haben, nämlich vier – es gab nur einige Verschiebungen zwischen Escher und Hattendorf und nach der Schließung einer Einrichtung den neuen Waldkindergarten – sind die Kosten erheblich gestiegen“, sagte Olaf Humke, bei der Gemeinde Auetal für die Kindertagesstätten zuständig. Den größten Kostenteil „frisst“ das Personal. „Die Personalkosten sind vor allem durch die stark erweiterten Betreuungszeiten in allen Einrichtungen extrem angestiegen“, erklärt Humke.

Gegenüber dieser Zeitung vergleicht er die Zahlen von 2002 mit den heutigen. „2002 waren alle Kitas von 8 bis 12 Uhr geöffnet, und zusätzlich gab es lediglich Sonderöffnungszeiten von je einer halben Stunde morgens und mittags“, so Humke. Noch vor fünf Jahren seien Vier-Stunden-Gruppen im Auetal vorhanden gewesen. Heute können Kindergarten- und Krippenkinder im Familienzentrum Rolfshagen von 7 bis 17 Uhr betreut werden, und auch die anderen Einrichtungen sind Ganztagskitas, bieten also mindestens sechs bis acht Betreuungsstunden.

43 Betreuer - und fast alle sind Vollzeitkräfte

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Dafür wird selbstverständlich mehr Personal benötigt, beziehungsweise mehr Arbeitsstunden. 2002 arbeiteten 17 Betreuungskräfte für die Gemeinde Auetal, und heute sind es 43.

„Fast alle sind Vollzeitkräfte“, erklärt Humke. Dazu kämen zwei Heilpädagoginnen im integrativen Bereich sowie zwei Hauswirtschafterinnen, denn schließlich würden fast alle Kinder in den Kitas zu Mittag essen. „Die Organisation rund ums Essen können die Erzieherinnen nicht auch noch leisten“, weiß Humke.

Längere Betreuungszeiten: Arbeitsstunden mehr als verdreifacht

Die Wochenarbeitsstunden der Erzieher sind innerhalb der vergangenen 17 Jahre von 455 auf 1406 gestiegen.

„Der Wunsch der Eltern nach verlängerten Betreuungszeiten wuchs immer weiter. Meist sind heute beide Elternteile berufstätig, einige müssen pendeln, und daher sind sie heute auf längere Betreuungszeiten angewiesen“, erklärte Humke. Mit der jüngsten Erweiterung der Öffnungszeiten in Rehren – hier wurde mit Beginn des Kindergartenjahres eine Ganztagsgruppe eingerichtet – seien jetzt alle zufrieden.

„Eine Betreuung bis 17 Uhr scheint für die Eltern hier ausreichend zu sein“, freut sich Humke. „Noch längere Öffnungszeiten, wie in Großstädten, wurden hier noch nicht angefragt.“

Plätze ausreichend vorhanden - in Kitas und Krippen

Und wie sieht es mit dem Platzangebot insgesamt aus? Es gebe ausreichend Kita- und Krippenplätze. Und auch das Angebot an Plätzen im Ganztagsbereich sei derzeit völlig ausreichend. „Im Krippen-Ganztagsbereich könnte es sein, dass die Anzahl der Plätze demnächst erhöht werden muss, da die Nachfrage sehr groß ist, aber zurzeit reichen sie noch“, so Humke.

In den Auetaler Kitas in Rolfshagen, Rehren und Escher sowie im Waldkindergarten in Kathrinhagen werden mit Beginn dieses Kindergartenjahres in zwölf Gruppen 241 Kinder betreut, 2002 waren es 185 Kinder in 7,5 Gruppen. Im Kita-Bereich ist die Betreuung der Kinder ab drei Jahren für die Eltern inzwischen beitragsfrei. In welcher Höhe die Gemeinde die Kosten künftig weiterhin durch den Bund, beziehungsweise das Land, erstattet bekommt, ist allerdings noch offen.

Bürgermeister Kraschewski: Weiter familienfreundlich sein

„Ich bin froh darüber, dass sich der Gemeinderat fraktionsübergreifend für eine familienfreundliche Politik ausgesprochen hat und diese Maxime auch weiterhin gilt“, sagte Bürgermeister Heinz Kraschewski auf Anfrage dieser Zeitung. Dazu gehöre als Kernelement auch der stetige Ausbau der Kinderbetreuung.

„Wir können nicht so tun, als ob die Forderungen nach längeren Betreuungszeiten nur dem gesteigerten Freizeitanspruch von Eltern entstammen. Vielmehr gilt es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Dazu leistet die Gemeinde ihren Beitrag, und zwar auch, wenn es finanziell schmerzhaft ist“, so Bürgermeister Kraschewski. Von Kerstin Lange