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Auetal Kirchengemeinde Hattendorf: Was passiert mit der Leichenhalle?
Schaumburg Auetal Kirchengemeinde Hattendorf: Was passiert mit der Leichenhalle?
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08:01 04.09.2019
Quelle: archiv
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Hattendorf

Zwei gute und eine – derzeit noch – schlechte Nachricht kommen aus der Kirchengemeinde Hattendorf. Die beiden guten Nachrichten: Das 1968 errichtete und bis 2017 von Geistlichen bewohnte Pfarrhaus ist praktisch verkauft und die Pläne zum Umbau des Gemeindehauses sind weit gediehen. Die schlechte Nachricht: Eine Sanierung der früheren Leichenhalle zwischen Bushaltestelle und Friedhof würde etwa 150000 Euro kosten – zu viel, als dass sich die dafür auf Spenden angewiesene Kirchengemeinde das leisten könnte. Damit bleibt die Zukunft der Halle weiter offen.

Berichtet hat all dies Pastor Ulf Peter Radow. Der Geistliche auf Anfrage der Redaktion: „Das Pfarrhaus wird von einer Familie privat weiter genutzt werden.“ Der Verkauf sei alternativlos gewesen, weil es für die nur noch mit einer halben Pfarrstelle ausgestattete Kirchengemeinde Hattendorf so gut wie aussichtslos sei, einen Stelleninhaber zu bekommen, der dann auch im Pfarrhaus in Hattendorf lebt. Gleichwohl sei und bleibe das Dorf ein wichtiger Standort.

Großer Sanierungsbedarf

Schön auch: Dank eines Entgegenkommens der Käufer sei das im Pfarrhaus gelegene Büro der Pfarrsekretärin dort noch auf absehbare Zeit von der Kirchengemeinde nutzbar – bis im angrenzenden Gemeindehaus ein entsprechendes Büro eingerichtet sei. „Der Verkaufserlös des Pfarrhauses“, so Radow, „reicht aus, dass wir davon den Umbau des Gemeindehauses bezahlen können.“ Zumal die Landeskirche den eventuell verbleibenden Rest übernehmen werde. „Ein Architekt beginnt nun damit, das Gemeindehaus zu überplanen, und wird uns in Kürze entsprechende Vorschläge unterbreiten“, sagt der Geistliche. Der Kostenrahmen für den Umbau sei aber noch nicht ermittelt.

Sicher sei: Es gebe großen Sanierungsbedarf, der sowohl das Dach, die Toiletten als auch die Aluminiumfenster betreffe, die die Wärme aus dem Gebäude ziehen würden. Nicht mehr zeitgemäß sei angesichts der Treppenstufe obendrein die fehlende Barrierefreiheit. Wichtig auch: „Neben einem Raum für die Pfarrsekretärin muss auch für den Pastor ein Raum geschaffen werden, in dem er mit Brautpaaren oder den Eltern von Täuflingen sprechen kann“, erklärt Radow.

Café und Dorfladen rechnet sich nicht

So weit, so gut. Das kann man allerdings mit Blick auf die frühere Leichenhalle nicht sagen. „Ein Gutachterausschuss ist zu dem Schluss gekommen, dass der Sanierungsbedarf 150000 Euro und mehr beträgt – wenn man das Gebäude denn weiter nutzen will“, so der Geistliche. Denn Toiletten seien in der Halle ebenso wenig vorhanden wie fließendes Wasser. Außerdem sei nun auch die komplette, zum Nachbargrundstück hin gelegene große Fensterfront abgängig; dies sei die Grenze, vor der jede auch mögliche Eigenleistung aus der Gemeinde heraus an ihre Grenze stoße. Einzig das Dach würde noch ein paar Jahre halten.

Die Mitglieder der Kirchengemeinde hätten sich zwar die Köpfe zermartert, aber: Ein Landfrauencafé würde sich dort ebenso wenig rechnen wie ein Dorfladen; dafür nämlich fehle schlichtweg die Kundschaft. Die unmittelbare Nähe zum Friedhof mache dort einen Jugendraum oder gar Partykeller zumindest „schwierig“. Und dafür, dass die Gemeinde dort Rasenmäher aufbewahre oder dort einmal im Jahr eine Hochzeitsgesellschaft bei Regen Sekt trinken könne, lohne sich eine Sanierung ebenfalls nicht.

Keine Unterstützung der Landeskirche

Erschwerend kommt hinzu, dass, da das Gebäude im Besitz der Kirchengemeinde ist, diese für eine Sanierung keine Kirchensteuern verwenden darf. Auch von der Landeskirche gebe es keine Unterstützung, die sage: „Was wollt ihr damit? Das braucht ihr nicht.“

„Andererseits handelt es sich bei der Halle um so ein schönes Gebäude, dass wir sie nicht einfach abreißen wollen“, meint Radow. Ergo heiße es nach wie vor, weiter zu überlegen. Der Zeitpunkt, bis zu dem ein Ergebnis vorliegen müsse, sei dabei ebenso offen wie das Ergebnis selbst. „Aufgegeben“, so Radow, „habe ich jedenfalls noch nicht.“ von Thomas Wünsche