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Auetal Feuerwehr Schaumburg übt für Waldbrände in ganz Deutschland
Schaumburg Auetal Feuerwehr Schaumburg übt für Waldbrände in ganz Deutschland
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14:00 22.06.2019
Neue Technik: Mit Löschrucksäcken lassen sich Flächen- und Waldbrände schnell und effektiv bekämpfen. Quelle: Leonhard Behmann
Auetal

Immer wieder brennen Wälder im Raum Berlin/Brandenburg, müssen Feuerwehren tagelang ausgedehnte Flächenbrände löschen. Vor dem Hintergrund des zu erwartenden Klimawandels bereiten sich auch Feuerwehrleute aus dem Auetal auf den Ernstfall vor.

Schaumburger könnten bei Katastrophen in ganz Deutschland helfen

Die Kreisfeuerwehr Schaumburg hält dafür zwei Bereitschaften zur Bekämpfung von Großfeuern vor. Rüdiger Teich aus Rolfshagen ist Chef des 2. Einsatzzuges der Kreisfeuerwehrbereitschaft Süd. Der 58-Jährige hat ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Seine Frauen und Männer sollen auch in der Lage sein, außerhalb des Landkreises Löschhilfe zu leisten.

Tanklöschfahrzeuge bringen Wasser im Pendelverkehr zu einem Becken. (Foto: Feuerwehr)

Wenn die Schaumburger angefordert werden, könnten sie im Rahmen der Katastrophenhilfe in ganz Deutschland eingesetzt werden.

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Die Kreisfeuerwehrbereitschaften im Landkreis Schaumburg sind hervorragend aufgestellte, sinnvolle und äußerst effektive Einheiten, sagt Teich. Es sei deshalb durchaus möglich, dass die Kreisfeuerwehrbereitschaft Süd mit den vier Zügen zur Unterstützung von anderen Feuerwehren angefordert werde, wenn ein großer Flächen- oder Waldbrand ausgebrochen ist.

Meistens seien die Kräfte vor Ort seit Tagen im Einsatz und erschöpft. „Darauf – und auf Einsätze im Kreis Schaumburg – müssen wir uns vorbereiten“, betont Teich. Training ist wichtig.

Darum geht's beim Feuerwehr-Trainingslager im Auetal

„Als Zugführer einer solchen Einheit legen wir – also mein Stellvertreter Stephan Konczak und ich – großen Wert darauf, den Zug mit Innovationen und effektiven Übungen auf dem neuesten Stand zu halten.“ Bei einer Einsatzübung, die kürzlich in Krainhagen stattgefunden habe, wurde deshalb auch das strategische Vorgehen bei der Vegetationsbrandbekämpfung intensiv trainiert.

Bei der Bekämpfung von Flächenbränden sei es wichtig, dass mit wenig Wasser gelöscht werde. Der stellvertretende Zugführer Stephan Konczak hatte die Idee, hierfür 3500 Bälle zu verwenden. Durch die Feuerdarstellung mit Bällen, konnte die Strahlrohrführung und die Effektivität des Löschangriffes hervorragend trainiert werden.

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Mit dem Wasser aus Strahlrohren mussten die Bälle von außen nach innen zu einem Haufen gedrückt werden. Wenn zu viel Wasser eingesetzt werde, funktioniere das nicht. Gleichzeitig wurde die Brandbekämpfung im sogenannten Pump-and-Roll-Verfahren geübt. Dabei fahre das Löschfahrzeug, während gleichzeitig mit Wasser aus dem Tank des Fahrzeuges gelöscht werde.

Offensiv oder defensiv: So werden Großbrände bekämpft

Teich erläutert auch, was benötigt wird, um einen Brand zu löschen: „Wald- und Flächenbrände bestehen aus einem hauptsächlich vom Wind getriebenen Feuersaum und aus Flanken.“ Sie könnten entweder offensiv oder defensiv bekämpft werden. Beim offensiven Vorgehen werde in der Regel im ersten Angriff der Feuersaum bekämpft.

Bei diesem Vorgehen sei Mobilität gefragt. Dieser Einsatz berge aber auch Gefahren für die Einsatzkräfte. Da es sich bei der Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden im Regelfall um einen Einsatz zum Schutz von Sachwerten handelt, habe die Sicherheit der Feuerwehrleute die höchste Priorität bei der Einsatzplanung.

20 Liter auf dem Rücken: Das steckt hinter den Löschrucksäcken

Sollte ein direkter Angriff aufgrund der Flammenhöhe nicht möglich sein, oder werde dieser bewusst aus einsatztaktischen Erwägungen vermieden, müsse das Feuer defensiv bekämpft werden. Diese Vorgehensweise habe den Vorteil, dass die Einsatzkräfte außerhalb von Rauch und Wärmestrahlung arbeiten.

Beim Löschen von solchen Bränden können unterschiedliche Techniken eingesetzt werden, meint Teich. „Entweder werden die Flammen mit Feuerpatschen oder mit Sand erstickt – oder das Feuer wird mit Wasser aus Löschfahrzeugen bekämpft.“ Dabei könnten auch Löschrucksäcke sehr effektiv sein.

Den Mini-Tank mit bis zu 20 Litern Inhalt tragen die Einsatzkräfte auf dem Rücken und seien so sehr schnell und beweglich. Die Wurfweite von Wasser beträgt bis zu fünf Meter. Bei der jüngsten Übung wurden Löschrucksäcke eingesetzt. Sie sind relativ neu in Schaumburg. von Leonhard Behmann