Spezialist für Schlauchpflegeanlagen stellt Insolvenzantrag
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Auetal Spezialist für Schlauchpflegeanlagen stellt Insolvenzantrag
Schaumburg Auetal Spezialist für Schlauchpflegeanlagen stellt Insolvenzantrag
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22:51 20.11.2019
Noel Desantos, Auszubildender im zweiten Lehrjahr, bereitet bei Hafenrichter eine Schlauchpflegeanlage für die Auslieferung nach Mora in Schweden vor. Das gestern aufgenommene Bild zeigt: In der Firma wird trotz Insolvenz weiter gearbeitet. 
Noel Desantos, Auszubildender im zweiten Lehrjahr, bereitet bei Hafenrichter eine Schlauchpflegeanlage für die Auslieferung nach Mora in Schweden vor. Das gestern aufgenommene Bild zeigt: In der Firma wird trotz Insolvenz weiter gearbeitet.  Quelle: Thomas Wünsche
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Rehren

Betroffen sind 16 Mitarbeiter inklusive der Geschäftsführung um Sonja Nerge und Prokurist Daniel Bormann sowie zwei Auszubildende. Aber: Am Alten Feld 24 wird weiter gearbeitet – und der Jurist, der jetzt dort das Sagen hat, geht davon aus, dass Hafenrichter am Ende zu retten ist.

„Nach meinem bisherigen Erkenntnisstand liegen für die Notlage dreierlei Gründe vor: Zunächst einmal ist das Unternehmen im großen Umfang für öffentliche Auftraggeber tätig. Die Margen sind dort sehr gering. Bei Aufträgen, die nicht so abgewickelt werden, wie geplant, ergibt sich schnell ein Verlust“, erklärt Jens Wilhelm. Der Rechtsanwalt aus Hannover, zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt: „Darüber hinaus weigert sich einer der Kunden, eine Rechnung mit einem deutlich sechsstelligen Betrag zu zahlen.“ 

Rechtsstreit in Belgien

Deswegen habe ein Rechtsstreit in Belgien geführt werden müssen. Zwar sei der von Hafenrichter in erster Instanz gewonnen worden, doch die Gegenseite sei in Berufung gegangen. „Mit einer Entscheidung ist nicht vor Ende 2020 zu rechnen. Insoweit fehlen erhebliche Mittel“, berichtet Wilhelm weiter. Darüber hinaus sieht der Jurist bei Hafenrichter aber auch „innerbetrieblichen Optimierungsbedarf in den Abläufen und in der Produktivität“.

Trotz der aktuellen Finanzklemme gehe der Betrieb in Rehren jedoch „vollumfänglich weiter“. Von der zuständigen Bundesagentur und vom Insolvenzgericht sei für die aus dem Auetal, aber auch aus Bückeburg, Minden und Hameln kommenden Mitarbeiter Insolvenzgeld bewilligt worden. Der Anwalt geht davon aus, dass die Am Alten Feld 24 vorhandene Insolvenzmasse ausreichen wird, um ein regelrechtes Insolvenzverfahren eröffnen zu können.

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Dass an dessen Ende die Liquidierung der Firma stehen wird, das glaubt Wilhelm derzeit nicht, denn: „Das Unternehmen ist langjährig am Markt tätig und hat eine hohe Kundenakzeptanz und einen großen Zuspruch. Ich gehe davon, dass es gute Chancen für eine Sanierung gibt.“

Derweil hoffen Nerge und Bormann jetzt vor allem eines: „Dass unsere Kunden und Lieferanten uns auch weiterhin die Treue halten – sie sind bislang sehr verständnisvoll“, sagen die beiden. Hausbank der Firma ist nach Angaben der Geschäftsführerin die Sparkasse Schaumburg.

von Thomas Wünsche

Hintergrund

Hafenrichter wurde 1991 gegründet. Karl Hafenrichter hat die Anlagen entwickelt, die der Firma in der Feuerwehrwelt national und international einen großen Namen eingebracht haben. Bei diesen Anlagen wird – vereinfacht gesagt – ein Schlauch automatisch eingezogen, gewaschen, getrocknet, geprüft und aufgewickelt. Die Türme an zahlreichen Feuerwehrgerätehäusern, die ebenfalls dem Trocknen der Schläuche dienen, sind seitdem überflüssig geworden.

Zu den Kunden der Firma zählen Kommunen ebenso wie die Großindustrie. Wichtige Absatzmärkte liegen neben Deutschland vor allem in Schweden, der Schweiz, in Frankreich und Belgien. In der Schlauchpflege-Branche soll die Rehrener Firma noch etwa vier Mitbewerber haben, die den gleichen Kundenkreis bedienen. Im Jahr 2011 stellte Hafenrichter einen Bauantrag, wollte den Firmensitz um den Neubau einer Lagerhalle mit Fotovoltaik erweitern, diese Pläne wurden aber wieder zurückgezogen. tw