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Auetal Weit mehr als eine Droge: Unternehmen erforscht Cannabis in Rehren
Schaumburg Auetal Weit mehr als eine Droge: Unternehmen erforscht Cannabis in Rehren
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10:44 25.01.2020
Alexander Klomsdorff zeigt einige Cannabis-Produkte, die in Rehren hergestellt werden. Quelle: la
Rehren

Wirkstoffe der Hanfpflanze werden für Medikamente genutzt – verschreibungspflichtige, aber auch rezeptfreie – sowie als Nahrungsergänzungsmittel, Pflegeprodukte oder Vapes (E-Zigaretten). Im Auetal, genauer im Gewerbegebiet in Rehren, wird rund um Cannabis geforscht, gemixt und es werden wertvolle, qualitativ hochwertige Produkte hergestellt. Die Firma „alpha-cannabis Pharma GmbH“ ist in der Sandstraße seit knapp einem Jahr ansässig.

So wurde das Unternehmen in Bad Nenndorf gegründet

„2017 wurde Cannabis als Arzneimittel legalisiert“, erzählt Geschäftsführer Alexander Klomsdorff. Damals habe er das Unternehmen in Bad Nenndorf gegründet. Gemeinsam mit fünf Ärzten und sehr qualifizierten Mitarbeitern wurde geforscht und hochwertige Arzneimittel auf den Markt gebracht. Mehrere 100 Kilogramm Cannabis werden inzwischen jedes Jahr von dem Unternehmen verarbeitet, und es wird weiter geforscht.

„Da Cannabis so lange verboten war, waren die weiteren Wirkungsweisen der Pflanze lange unbekannt“, erläutert Klomsdorff. „Wir befassen uns hier in Rehren mit der Forschung, Entwicklung, Analytik und Herstellung. In Deutschland gibt es nur vier Pharmafirmen, die medizinisches Cannabis herstellen.“

Über das nicht-psychoaktive Cannabinoid war kaum etwas bekannt

Tetrahydrocannabinol, kurz THC, ist als Droge bekannt, aber über Cannabidiol (CBD), ein nicht-psychoaktives Cannabinoid aus der Hanfpflanze, wusste man nichts. „Als wir mit dem medizinischen Cannabis auf den Markt kamen, haben wir mit etwa 700 Patienten gerechnet, es sind 13.000 geworden“, so der Unternehmer.

Zum Beispiel Krebspatienten unter der Chemotherapie, die meist wenig essen und so körperlich extrem abbauen, bekommen durch die Einnahme von Cannabidiol wieder Appetit. „Kinder mit Epilepsie haben weniger Anfälle, teilweise werden sie sogar geheilt“, so Klomsdorff.

Ärzte und Apotheker werden geschult

Die Firma „alpha-cannbis Pharma GmbH“ bietet Schulungen für Ärzte und Apotheker an, weil Cannabis als Medikament für viele noch Neuland ist. „Viele halten Cannabis noch immer ausschließlich für eine Droge“, weiß Klomsdorff.

Da bei der Forschung immer neue Inhaltsstoffe der Cannabispflanze entdeckt werden, die medizinisch eingesetzt werden können, forscht „alpha-cannabis“ ständig weiter.

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Neben dem verschreibungspflichtigen Cannabis-Medikament hat das Unternehmen eine zweite Schiene geschaffen, als „alpha-organic“ und „alpha-CBD“ wurden eine Kosmetiklinie, Nahrungsergänzungsmittel, Globuli und Öle für Verdampfer auf den Markt gebracht. „In allen Produkten liegt der TBC-Gehalt unter dem Grenzwert, also unter 0,2 Prozent, und ist damit frei verkäuflich“, so Klomsdorff. „Es gibt keine psychotrope Wirkung, keine Nebenwirkungen, wie etwa Auswirkungen auf das Wahrnehmungssystem.“ Die Produkte seien alle aus besten Rohstoffen hergestellt und spiegelten höchste Qualität wider.

Neben Cannabis werden weitere Heilpflanzen verarbeitet

Das Cannabis-Rohmaterial wird aus Kanada bezogen. Neben Cannabis werden auch Heilpflanzen aus Indien, zum Beispiel Weihrauch, roter Ginseng oder Moringa verarbeitet. Die Produkte sind bereits in 120 Apotheken in Deutschland zu bekommen. „Wir haben 90 Prozent Wiederbesteller. Unsere Kunden sind begeistert von den Produkten.“

Ein Verkauf findet in Rehren nicht statt, und ein Einbruch, um an Cannabis zu gelangen, wäre zwecklos. „Wir haben ein Alarmsystem wie Banken, Klasse III-Sicherheitsschränke und eine Direktaufschaltung des Alarms bei der Polizei.“ von Kerstin Lange