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Auetal Widerstand gegen ICE-Neubautrasse: Jeder zehnte Auetaler bei Infoabend
Schaumburg Auetal Widerstand gegen ICE-Neubautrasse: Jeder zehnte Auetaler bei Infoabend
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07:14 05.09.2019
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Rehren

„Wir müssen das Monster verhindern“, stellte Hendrik Steg, Vorsitzender der BI-Auetal nach gut zwei Stunden mit jeder Menge Informationen und Diskussionen fest und erntete tosenden Beifall.

Mehr als 600 Menschen waren am Dienstagabend der Einladung der BI gefolgt und in das Feuerwehrgerätehaus in Rehren gekommen, um sich über die geplante ICE-Schnellbahntrasse von Hannover nach Bielefeld zu informieren. Damit hatte sich jeder zehnte Auetaler aufgemacht, um sich zu informieren und zu wehren. Aber auch aus den angrenzenden Gemeinden nahmen Bürger an der Infoveranstaltung teil.

Politik und BI arbeiten zusammen

Die Feuerwehr Rehren sorgte auch vor der Fahrzeughalle für einige Sitzplätze, nachdem die Halle selbst schnell aus allen Nähten platzte. Als Gäste begrüßte Hendrik Steg den Auetaler Bürgermeister Heinz Kraschewski sowie zahlreiche Auetaler Kommunalpolitiker, den Vorstandskollegen der „Bigtab“ aus Bückeburg, Thomas Rippke, und die SPD-Bundestagsabgeordnete Marja-Liisa Völlers, die ihren Standpunkt zur geplanten Neubaustrecke deutlich machte und über ihrer Arbeit in Berlin informierte.

Kraschewski stellte klar, dass es einen engen Schulterschluss der BI-Auetal mit der Politik auf Gemeinde- und Kreisebene gebe. „Der Landkreis hat sich klar für den trassennahen Ausbau ausgesprochen, eine Lenkungsgruppe eingesetzt und 100000 Euro bereitgestellt, damit man sich fachlichen und juristischen Rat und Begleitung leisten kann.“ Die BI könne sich immer vertrauensvoll an den Landrat wenden.

Viele Auetaler wollen sich wehren

„Ich habe das gute Gefühl, dass der Landkreis sich der Sache sehr ernsthaft annimmt und dafür möchte ich dem Kreistag und dem Landrat mit seinem Team an dieser Stelle ausdrücklich danken“, so der Bürgermeister.

Thomas Rippke gab einen kurzen Überblick auf die Geschichte der Planungen, die bereits seit einigen Jahren laufen und zum Deutschlandtakt. „Ich bin wirklich beeindruckt von der Kulisse hier. Es ist gut, dass so viele Auetaler hier sind und sich wehren wollen“, so Rippke, der eine gute Zusammenarbeit versprach.

Deutschlandtakt kein Argument für Neubau

„Ich darf hier heute etwas zum Problemfall Bahntrasse sagen. Ein Problem, das ich nicht mit verursacht habe. Als der Bundesverkehrswegeplan 2016 beschlossen wurde, war ich noch nicht Abgeordnete“, so Völlers, die seit dem 23. November 2017 im Amt ist.

„Der Deutschlandtakt ist eigentlich nicht falsch, aber er ist kein Argument für eine Neubautrasse“, stellte die SPD-Bundestagsabgeordnete fest und fragte: „Warum muss man um 7 Uhr in Bielefeld starten und um 7.30 Uhr in Hannover sein?“

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Kaum Informationen zum Planungsstand

Sie sei nicht gewählt, um „Highspeed-Fantasien eines Staatssekretärs umzusetzen“, sondern um sich für die Bürger einzusetzen. „Dabei arbeiten wir nicht nach dem St.-Florians-Prinzip – nicht vor unserer Haustür –, so sind die Schaumburger nicht. Aber die Ertüchtigung der vorhandenen Bahntrasse war im Landkreis Schaumburg schon längst beschlossene Sache.“

Völlers machte außerdem deutlich, wie schwierig es auch für sie als Abgeordnete ist, Informationen zum Planungsstand zu bekommen. „In einem der wenigen, kurzen Gespräche, die ich mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Enak Ferlemann hatte, sagte er, dass seine Präferenz die Trasse an der A2 entlang wäre, weil dort die wenigsten Menschen betroffen seien.“ Außerdem habe sie dabei eine Karte gesehen, auf der drei Trassen eingetragen waren.

Existiert bereits eine Planung?

Auf ihre Frage, ob das schon potenzielle Trassen seien, bekam sie keine Auskunft. Immer werde nur gesagt, dass zunächst das Gutachten zum Deutschlandtakt vorliegen müsse, bevor man in die Planungen gehen könne. „Dann aber sagt Herr Ferlemann, dass man im Auetal nur drei Tunnel bauen müsse und gut ist. Das fand ich komisch, denn es zeigt, dass es doch schon geplante Trassenverläufe geben muss“, so Völlers.

Sie versprach, weiter dranzubleiben. „Ich stehe für den Ausbau der bestehenden Trasse – und dafür werde ich kämpfen, denn das war hier in Schaumburg vereinbart“, so Völlers.

Briefe an Herrn Ferlemann

Die Bundestagsabgeordnete forderte außerdem die Bürger auf, Herrn Ferlemann mit Briefen zu torpedieren, um ihren Unmut kundzutun. „Lassen Sie sich im Kampf gegen die Trasse, von der Sie hier im Auetal nichts, aber auch gar nichts hätten, nicht entmutigen. Es geht um unsere Heimat“, schloss Völlers. von Kerstin Lange